Dirk Popp

Dirk Popp

Deutsche Bank Leistung, die Leiden abschafft

Dienstag, 28. April 2015
Sparprogramm, Filialschließungen, Postbank-Verkauf - die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Heute muss sich Vorstandschef Jürgen Fitschen auch noch wegen versuchtem Prozessbetrug vor Gericht verantworten. Ist so viel Ungemach auf einmal Zufall? Dirk Popp, CEO von Ketchum Pleon Germany und Krisen-PR-Experte, glaubt das nicht, wie er in seinem Kommentar für HORIZONT Online ausführt.

Die letzten Tage waren für die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain wahrlich nicht einfach. Donnerstag: Die Bank akzeptiert eine Rekordstrafe in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar wegen Verstrickungen in den Libor-Skandal. Freitag: Der Spiegel berichtet über interne Papiere, die Kenntnisse des Vorstands von Betrugsrisiken im CO2-Emmissionsrechtehandel nahelegen. Samstag: Bekanntgabe der Abspaltung der Postbank. Montag: Verkündung des Strategiewechsels, Filialschließungen im großen Stil und Rückzug aus einigen Ländern inklusive. Die Börse reagiert verschnupft. Der Pressespiegel der vergangenen Tage ist ganz sicher keine Wohlfühl-Lektüre. Am heutigen Dienstag dann sitzt Co-Chef Fitschen mit anderen Ex-Managern auf der Anklagebank des Münchner Landgerichts.

Es bedarf keines Kommunikationsprofis, um festzustellen: Das alles sind keine Gewinnerthemen. Hinzu kommt, dass den Kommunikatoren wegen der laufenden Gerichtsverfahren weitestgehend die Hände gebunden sind. Zu allem Überfluss stechen „Heckenschützen“ (Süddeutsche Zeitung) ständig Informationen in Richtung Medien durch. Kein leichter Stand für Kommunikatoren. 
Deutsche Bank
Bild: Deutsche Bank

Mehr zum Thema

Umbau Deutsche Bank spart an Filialen und beschleunigt Digitalisierung

Nun ist Deutschlands größtes Geldhaus kommunikatives Leid ja durchaus gewohnt. Letztlich befindet sich die Bank seit Jahren immer wieder im Krisenmodus. Das hat teilweise mit internem Fehlverhalten zu tun. Aber eben auch mit der ungebremsten Lust, sich immer und immer wieder kritisch an den Frankfurter Bankern abzuarbeiten. Ein rein deutsches Phänomen? Vermutlich. In der Deutschen Bank werden sie wohl sagen: ganz sicher.

Dabei war das Führungsduo Jain-Fitschen 2012 angetreten, das Image der Deutschen Bank aufzubessern. Sie verordneten dem Institut einen gründlichen Kulturwandel und machten sich an die Aufräumarbeit. Dass sie dabei - vorsichtig ausgedrückt - mindestens auch anecken würden, war abzusehen. Dass es kommunikativ nun in dieser Wucht kommt, hat sich so vermutlich niemand vorgestellt. Schaut man aus einer externen Perspektive auf das Geschehen, dann lässt sich die aktuelle Situation allerdings auch anders lesen: als Versuch eines Befreiungsschlages, bei dem alle Negativ-Themen innerhalb relativ kurzer Zeit auf den Tisch kommen. Zumindest drängt sich der Eindruck auf, angesichts des gestrigen Announcements und des heutigen Verfahrensauftakts in München. Zufall? Aus Sicht einer Krisen-PR-Strategie macht diese Gleichzeitigkeit der Ereignisse durchaus Sinn. Man geht durch einen drastischen Peak, kann danach aber kommunikativ durchholen. Mögliche (weitere) Einbußen beim Image sind vorerst in Kauf zu nehmen. Um dann durch konsequente Umsetzung der Strategie – anders gesagt: durch Leistung – später auch kommunikativ zu überzeugen. 

Diese Rechnung geht dann auf, wenn die Deutsche Bank danach wirklich in die Offensive kommt und wieder punkten kann; wenn die Frankfurter Mitarbeitern, Kunden und Anlegern zeigen, dass sie das Commitment verdient haben, die neue Strategie nachhaltig erfolgreich ist und sich letztlich positiv in der Bilanz niederschlägt. Zu wünschen wäre es der Deutschen Bank jedenfalls. Dirk Popp

Meist gelesen
stats