Special

Mey und der langjährige Agenturpartner Jung von Matt/Neckar nehmen Politikerphrasen aufs Korn
Mey

Bundestagswahl Warum es selten gut geht, wenn Marken als Trittbrettfahrer im Wahlkampf mitmischen

Mey und der langjährige Agenturpartner Jung von Matt/Neckar nehmen Politikerphrasen aufs Korn
In den vergangenen Wochen sind einige Werbungtreibende auf den Wahlkampf-Zug aufgesprungen und haben das Thema für eigene Werbekampagnen genutzt. Besonders kreativ sind allerdings die wenigsten Beispiele. HORIZONT hat sich angeschaut, welche „Trittbrettfahrer“-Kampagnen gut funktionieren und welche Marken doch besser die Finger davon gelassen hätten.
von Bärbel Unckrich, Freitag, 22. September 2017
Alle Artikel dieses Specials
X

    Beate Uhse: Alles andere als sexy

    Beate Uhse veranstaltet eine eigene Wahlaktion
    Beate Uhse veranstaltet eine eigene Wahlaktion (© Snook)
    Typische Wahlwerbung ist meistens ziemlich langweilig. Und genau das gilt leider auch für die Kampagne zur „Beyou“-Wahl von Beate Uhse. Sex und Sinnlichkeit werden hier zur Nebensache. Im Fokus steht ein ominöses „Wahl-Versprechen“, bei dem es sich eigentlich nur um eine Rabatt-Aktion handelt. Snook in Frankfurt hat diese Aktion entwickelt, der leider eine ordentliche Portion Leichtigkeit und Charme fehlt.

    Fazit: Funktioniert nicht

    Mey: Hübsch verpackte Phrasen 

    Mey und der langjährige Agenturpartner Jung von Matt/Neckar nehmen Politikerphrasen aufs Korn
    Mey und der langjährige Agenturpartner Jung von Matt/Neckar nehmen Politikerphrasen aufs Korn (© Mey)
    Leicht bekleidete Damen mit laszivem Blick und sinnlicher Ausstrahlung sind nicht nur in der Kampagne von Beate Uhse der Blickfang. Auch Mey setzt auf dieses Sujet. Das war es aber dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Die Motive des Wäscheherstellers sind zwar optisch nicht besonders überraschend, dafür überzeugen sie mit den originellen Headlines, bei denen es sich um humorvolle Abwandlungen bekannter Parteiphrasen handelt. Jung von Matt/Neckar hat den Auftritt entwickelt.

    Fazit: Funktioniert

    Ottonova: Kein nachhaltiger Effekt

    Ottonova-Mitgründer Frank Birzle macht in der Kampagne einen auf Christian Lindner
    Ottonova-Mitgründer Frank Birzle macht in der Kampagne einen auf Christian Lindner (© Ottonova)
    Mit seiner Trittbrettkampagne hat das digitale Versicherungsunternehmen Ottonova in jedem Fall einen schnellen PR-Erfolg erzielt. Immerhin dürften jetzt einige den Namen des Start-ups kennen, das erst seit Juni dieses Jahres auf dem Markt ist. Aber im Sinne eines nachhaltigen Markenaufbaus hat sich Ottonova mit seiner frechen Plagiatsaktion keinen Gefallen getan. Hinzu kommt, dass gerade Versicherungen darum bemüht sein sollten, Vertrauen zu den Verbrauchern aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es fast schon dämlich und fahrlässig, ausgerechnet mit kopierten Wahlplakaten zu werben. Welcher normale Bürger hat schon Vertrauen zu politischen Parteien? Der Auftritt ist inhouse bei Ottonova entstanden.

    Fazit: Funktioniert nicht

    Aldi Süd: Die Masse macht's

    Aldi Süd geht mit Kandidaten ins renmnen, deren Geichter man definitiv nicht vergisst
    Aldi Süd geht mit Kandidaten ins renmnen, deren Geichter man definitiv nicht vergisst (© Aldi Süd)
    Aldi Süd hat mit seiner „Aldinativlos“-Kampagne einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Der Discounter versucht erst gar nicht, bestehende Elemente der Parteienwerbung zu kopieren, sondern kommt mit einem Look daher, der die „echten“ Kandidaten blass aussehen lässt. Die aus Lebensmitteln komponierten Köpfe tragen Namen wie Norbert Gamüs und William Berne und kandidieren für die „Einkaufsliste“. Die Botschafter für das Frischesortiment von Aldi Süd haben sogar eine eigene Homepage. Hinzu kommt eine umfangreiche Out-of-Home-Kampagne. Aus kreativer Sicht ist der Auftritt zwar kein Highlight, dennoch entfaltet er allein schon aufgrund seiner massiven medialen Präsenz Wirkung. Oliver Voss ist dafür verantwortlich und wurde bei der Mediaplanung von Jost von Brandis unterstützt. 

    Fazit: Funktioniert

    Gourmetfleisch: Nicht besonders appetitanregend

    Gourmetfleisch.de bedient sich an der Wahlkampf-Kommunikation der Parteien
    Gourmetfleisch.de bedient sich an der Wahlkampf-Kommunikation der Parteien (© Gourmetfleisch.de)
    Ähnlich wie Ottonova setzt auch Gourmetfleisch.de auf hundertprozentige Plagiate. Dumm nur, dass die Tochter der Fleischerei Schulte + Sohn mit ihren Kopien der Wahlplakate unmittelbar nach Ottonova an die Öffentlichkeit gegangen ist. So wirkt die ganze Aktion fast noch peinlicher als bei dem Versicherungsunternehmen. Fraglich ist auch: Welche Zielgruppe soll sich von dem Auftritt angesprochen fühlen? Einem passionierten Fleischliebhaber, der bereit ist, 339 Euro für ein Kilogramm Wagyu-Rumpsteaks zu bezahlen, wird beim Anblick dieser Werbemotive ganz sicher nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen.

    Fazit: Funktioniert nicht

    Mobilcom-Debitel: Viel Potenzial verschenkt

    Mobilcom Debitel nutzt Wahlplakate für Marketingaktion
    Mobilcom Debitel nutzt Wahlplakate für Marketingaktion (© Mobilcom Debitel)
    Die „Wahlspaß“-Aktion von Mobilcom-Debitel klingt zunächst nach einer der innovativsten Ideen rund um den Bundestagswahlkampf: Mithilfe moderner Technologie hat der Mobilfunkanbieter aus der Freenet-Gruppe alle 3,6 Millionen Wahlplakate in Deutschland gekapert. Sobald ein User ein Wahlplakat aus der browserbasierten Aktions-Website md-wahlgewinner.de heraus fotografiert, legt sich der Content von Mobilcom-Debitel darüber. Damit möglichst viele mitmachen, ist das Ganze mit einem Gewinnspiel verknüpft. So viel zur Theorie. In den sozialen Medien verpufft die Aktion. Die einzelnen Maßnahmen hätten entweder kreativer oder das Mediabudget größer sein müssen, um einen wirklichen Effekt zu erzielen. Grabarz & Partner hat die Kampagne realisiert.

    Fazit: Funktioniert nicht 

    Blush: Die etwas andere Wählermotivation

    Blush will die Bundesbürger auf ungewöhnliche Weise zum Wählen motivieren
    Blush will die Bundesbürger auf ungewöhnliche Weise zum Wählen motivieren (© DDB Berlin)
    Auch Mey-Wettbewerber Blush meldet sich gerne mal bei gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. So auch diese Woche mit einer ganz eigenen Aufforderung an alle Bundesbürger, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu kommen. Das Sujet ist ein wenig um die Ecke gedacht und durchaus ganz charmant. Grundsätzlich war Blush aber mit seinen Headlines auch schon mal origineller. DDB Berlin hat das Motiv gestaltet.

    Fazit: Funktioniert.

    Meist gelesen
    stats