Tony Petersen, Produzentenallianz

Tony Petersen, Produzentenallianz

Bundestagswahl Die Werbespots der Parteien im Tony-Petersen-Check

Dienstag, 05. September 2017
Wenn sich jemand in Deutschland mit der Exekution von Werbefilmen auskennt, dann ist es der erfahrene Produzent Tony Petersen. Für HORIZONT Online hat er die Werbespots von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linke und AfD unter die Lupe genommen und einem Expertencheck aus Handwerkssicht unterzogen.

Vorab: Alle Parteien wollen in ihren Wahlwerbespots ihre Spitzenkandidaten vorstellen. Das heißt: Wir haben es nicht mit Schauspielern zu tun, sondern mit Politikern und ihren jeweiligen Persönlichkeiten. Da muss ein Filmemacher damit leben, dass einige vor der Kamera besser performen als andere - was wenig aussagt über ihre politische Potenz.

CDU - Note 3-

Handwerklich sauber montierte Bilder, allerdings austauschbare Vignetten wie in jedem Versicherungs-Spot. Dazu die staatstragend-monotone Stimme der Kanzlerin und die dödelige Musik. Die inhaltliche Ansprache ist nur teilweise überzeugend. Dennoch: Die Kanzlerin - "Sie kennen mich" - trägt am Ende das Konzept.

SPD - Note 3

Handwerklich etwas besser, frischere Bilder und thematisch stringenter als der CDU-Spot. Das Voice-over von Martin Schulz ist nicht ganz so leidenschaftslos wie das von Merkel, aber da wäre mehr drin gewesen.

Bündnis 90/Die Grünen - Note 2-

Handwerklich richtig gut, macht Spaß. Das Voice-over und die Musik passen zu den intelligent orchestrierten Bildern. Dann kommt leider der bemüht inszenierte Schluss mit den beiden wenig charismatischen Kandidaten.

FDP - Note 1-

Nahezu fehlerlose, handwerklich perfekte Inszenierung. Modern, sympathisch, voller Leichtigkeit. Intelligente Texte glaubwürdig erzählt, von einem Kandidaten, der nicht so staatstragend daherkommt. Obendrauf noch ein lebendiger, junger Soundtrack. Viel besser kann man seine Themen nicht an den Mann beziehungsweise die Frau bringen.

Die Linke - Note 4-

Eigentlich eine nette Idee, umgesetzt leider wie ein Schülervideo, gruselig. Dann noch die beiden Kandidaten, hingestellt wie bei einem schlechten Casting. Wer Sarah Wagenknecht aus Talkshows kennt weiß, dass man sie deutlich besser inszenieren kann.

AfD - Note 4

Handwerklich und inhaltlich völlig ok, speziell für die Zielgruppe. Die Euro-Skeptiker und diejenigen, die Angst haben vor der "Umvolkung", die Wut-, äh, sorry, Mutbürger. Die beiden Protagonisten erscheinen durch die - auch handwerklich schwache - Überinszenierung recht unsympathisch.
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