Marc Thomalla, neuwaerts

Marc Thomalla, neuwaerts

ADAC, Pro Sieben, Richard Gutjahr Wieso Marken JETZT Snapchat testen sollten

Montag, 20. Juni 2016
Snapchat ist derzeit so etwas wie die Wundertüte des digitalen Marketings: Irgendwie ist jeder heiß drauf - was am Ende für die eigene Marke rauskommt, weiß aber noch keiner so genau. Dennoch sollten Brands keine Zeit mehr verlieren, wenn sie Snapchat für sich nutzen wollen, sagt Marc Thomalla. Der Digitalberater, der soeben bei der Hannoveraner Agentur Neuwaerts angeheuert hat, hat besonders bei Pro Sieben und beim ADAC gute Gründe für seine These gefunden.

Snapchat - ein Hype, der langsam aber sicher keiner mehr ist, sondern sich fester und fester in der digitalen Landschaft etabliert. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die App bereits viermal installiert und immer wieder binnen weniger Stunden kopfschüttelnd gelöscht habe. Ich konnte ums Verrecken keinen Mehrwert erkennen. Weder für mich, schon gar nicht für meine Kunden. Im fünften Anlauf hat es die App bereits seit ca. einer Woche auf mein iPhone geschafft. Wieso ich wieder an Snapchat für Unternehmen glaube, was der ADAC sowie Pro Sieben dazu beigetragen haben und wieso es für Marken wichtig ist, genau JETZT mitzuspielen - dazu nun mehr.

Pro Sieben und der ADAC nutzen Snapchat
Pro Sieben und der ADAC nutzen Snapchat (© Screenshot)
Matthias Mehner von Pro Sieben machte mich auf Snapchat im Rahmen des Völkerball-Events aufmerksam. Behind the Scenes-Material, welches während eines Live-Events quasi als Second-Screen-Reportage bereitgestellt wird, machte mich neugierig. Da mich persönlich Nachberichterstattungen nur gering tangieren, (sinnvolle) Live-Inhalte jedoch immer mehr zum persönlichen Genusserlebnis werden, gab ich Snapchat eine weitere Chance. Und als dann noch der eher oftmals angestaubt wirkende ADAC verkündete, jeden Tag eine andere Abteilung begleiten zu wollen, war ich als laaaangjähriges Premium-Mitglied natürlich entsprechend neugierig. Johannes Gerl aus dem Content-Team des ADAC hatte es zugegebenermaßen in den ersten 24 Stunden nicht geschafft, dass ich wie wild auf den nächsten Snapchat-Tag wartete. Zum einen kam mir die "Moderation" zu glatt rüber und zu unsicher (wer hat denn den Praktikanten ans Smartphone gelassen?), zum anderen waren die ersten Stunden nicht so spannend, als dass ich jetzt deutlich mehr erwarten wollte.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass der ADAC-Channel und auch Johannes im Speziellen den Turn geschafft und wirklich jeden Tag aufs Neue interessanten Content geliefert haben, der nicht nur informiert, sondern auch neugierig auf die nächsten Episoden gemacht hat. Besonders die Begleitung bei der Luftrettung war sehr gut dokumentiert, das "Schlammrennen" zum Ende hin war originell und wirklich witzig inszeniert. Einzig die Aufrufe zum Gewinnspiel haben mich auf Snapchat 0 interessiert. Ich finde, dass Snapchat dafür auch nicht der passende Kanal ist. Eine Cross-Channel Strategie hätte ich für meinen Teil hier schöner gefunden, evtl. sogar mit einer extra für Snapchat angelegten Landingpage, die zum Beispiel weiterführende Informationen (Blog?) liefert und so auch Neukunden generiert werden können.
(© Screenshot)
Pro Sieben und der ADAC sind die beiden Gründe, wieso ich wieder an Snapchat für Unternehmen in Deutschland glaube. Das Einsatzgebiet muss klar sein, belangloses "wir machen mal paar Aufnahmen aus der Cafeteria" bekommen wir bei Instagram von Unternehmen schon genug geboten. Aber die Inhalte, die in keiner Nachberichterstattung auftauchen, die in keinem Magazin abgedruckt werden - die fühlbar/erlebbar sind, weil sie live sind. Das macht Snapchat interessant. Auch wenn sich die Inhalte nach spätestens 24 Stunden wieder löschen, das war immerhin mein Hauptkritikpunkt in der digitalen Markenführung, so gibt es durchaus Optionen, wo es Sinn machen kann.

Auch jetzt zur EM sind spannende Einblicke von Spielern schön, um noch mehr vom EM-Spirit mitzubekommen. Das schaue ich mir gern an. Aber die täglichen Fotos von "Schau mal, ich fahre 54,2 km/h schnell mit der Bahn ins Büro" sind ungefähr genauso spannend wie einem Kaktus beim Wachsen zuzusehen. Sicherlich ist das eine oder andere Foto zu verzeihen, aber es holt einen nicht ab. 
Wer das private Entertainment in Perfektion beherrscht? Richard Gutjahr. Witzig, informativ, Snaps aus dem Studio oder von seinen Reisen. Eine tolle Mischung, die ihn zum best case in Deutschland machen.

Und wieso sollen Marken genau JETZT mitmischen?

First Mover zu sein hat zwei Vorteile: Man bekommt schneller die Aufmerksamkeit von Usern. Und man bekommt schneller die Aufmerksamkeit von der Presse. Erst recht, wenn etwas hyped, aber sich viele noch schwer tun, den Hype aufzugreifen und sich somit entsprechend zu inszenieren. Die Chance, positiv wahrgenommen zu werden ist bei einer durchdachten (!) Snapchat-Strategie um ein Vielfaches höher als auf den Sack zu bekommen. Aber nicht jede Marke, nicht jedes Unternehmen wird in seinem Bereich zum Best Case werden können. Wer nichts zu erzählen hat, hält sich besser raus. Wer aber mit spannendem Material überzeugen kann, sollte sich eine Story zurecht legen. Was soll im Vordergrund stehen? Das Unternehmen an sich, um beispielsweise neue Kollegen zu finden? Oder Abläufe erklären, die an Endverbraucher gerichtet sind? Wie der ADAC zuletzt - aber auch Verlagshäuser können sicherlich die eine oder andere spannende Geschichte aus der Redaktionssitzung oder der Produktion liefern. Oder denken wir nur einmal an Airlines. Informationen zu Reisezielen als Wochen-Special, in Kombination mit Sonderangeboten - und schon haben wir einen möglichen eCommerce Case, den so in Deutschland bisher auch noch keiner geliefert hat.

Snapchat hat Potential. Ich bin sehr gespannt, welche Unternehmen als nächste den Schritt wagen und kontinuierlich Content erschaffen, der die Markenliebhaber und Interessierten begeistern soll.

Den Autor finden Sie bei Snapchat übrigens unter dem Usernamen marcthomalla

Meist gelesen
stats