Schokoherzen, Twitter-Ärger und Co Fünf Dinge, die von Air Berlin in Erinnerung bleiben werden

zusammengestellt von Fabian Müller
Freitag, 27. Oktober 2017
Dankeschön an die Passagiere und gewissermaßen Maskottchen der Marke Air Berlin: das rote Schokoherz
Dankeschön an die Passagiere und gewissermaßen Maskottchen der Marke Air Berlin: das rote Schokoherz
© Track

Die Flugnummer AB6210 wird in die deutsche Luftfahrthistorie eingehen: Am heutigen Freitag um 22:45 Uhr endet in Tegel der letzte reguläre Linienflug von Air Berlin - eine Maschine der insolventen Airline hängt allerdings noch auf Island fest. Mit der Teilübernahme durch die Lufthansa endet nach 39 Jahren die Geschichte der 1978 gegründeten zweitgrößten deutschen Fluglinie. HORIZONT Online hat fünf Punkte zusammengetragen, die von der Marke in Erinnerung bleiben werden.

1.

Das rote Schokoherz

Die roten Schokoherzen thematisierte Air Berlin auch in der Werbung
Die roten Schokoherzen thematisierte Air Berlin auch in der Werbung (Bild: Track)
Ein solches Signature-Element haben nicht einmal internationale Luxus-Fluglinien wie Emirates, Cathay Pacific oder Turkish Airlines zu bieten: Das rote Schokoherz von Air Berlin ist Kult. Am Ende jeden Flugs boten die Flugbegleiterinnen und -begleiter den Passagieren die Süßigkeit an - als "Dankeschön, dass sich unsere Kunden für den Flug mit Air Berlin entschieden haben". 12 bis 14 Millionen Stück waren es zuletzt im Jahr. Anfangs noch produziert von Rausch Schokoladen, stellte seit 2014 die  Schweizer Firma Lindt & Sprüngli die Herzen her - nach der Rezeptur der Lindt Osterhasen. Aktuell sind sie übrigens der Renner bei Ebay.

2.

Der Social-Media-Ärger

Weniger positiv in Erinnerung werden die Pleiten und Pannen der Airline bleiben. Und weil sich die Online-Community so manches Mal auf Air Berlin einschoss, bekam man als aufmerksamer Internetnutzer jede einzelne davon mit. Verspätungen, Ausfälle oder verlorene Gepäckstücke, Twitter und Facebook fungierten für die Kunden von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie standardmäßig als Ventil. Das bescherte der Social-Media-Abteilung von Air Berlin mehr Arbeit als ihren Branchen-Kollegen, war aber auch nicht selten Auslöser feinster Unterhaltung. Etwa im Fall von Frank Elstner: Der "Wetten Dass..?"-Erfinder flog im Sommer von Baden-Baden nach Berlin, wohlgemerkt ohne umzusteigen. Sein Gepäck kam aber nie an. Sein Tweet zum Thema hingegen räumte im Netz ab.

3.

Die viralen Videos

Air Berlin und sein langjähriger Stammbetreuer Track hätten sich wohl gewünscht, dass im Kontext der Marke andere, nämlich zu werblichen Zwecken produzierte Filme zu den Überfliegern im Netz werden. Doch das Word Wide Web hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Zuletzt sorgte eine Amateuraufnahme von der Landung der letzten Air-Berlin-Maschine aus Miami nach Düsseldorf für Aufsehen, weil der Pilot ein aufsehenerregendes Manöver durchführte - er wurde anschließend vom Dienst suspendiert. Vor einigen Jahren wurde im Netz zudem eine schwäbelnde Flugbegleiterin zum Hit.

4.

Die Wortspiele in der Werbung

Eine Dekade lang betreute Track das Mandat der Airline, zum Multi-Pitch im vergangenen Jahr trat die Agentur freiwillig nicht mehr an. In die Track-Ära fallen unzählige Versuche, der Marke neuen Schwung zu verleihen - mit angesagten Tattoo-Models, grafischen Illustrationen oder der Neupositionierung als Premium-Airline auf Langstreckenflügen - doch Image und Wirtschaftskraft der Fluglinie waren nicht mehr zu retten. Immerhin bleiben ein paar hübsche Wortspiele: "Love is in the Airberlin" zum Abschied von Track oder 2013 in Anlehnung an John F. Kennedy "Ich bin Airberliner". Übrigens: Pitchgewinner Scholz & Friends arbeitete zwar eine Kampagne aus, die Pläne blieben aber in der Schublade.

5.

Die erfolgreiche E-Commerce-Bewerbung

Fischer-Appelt hat auf die Sammelbewerbung des E-Commerce-Teams von Air Berlin reagiert
Fischer-Appelt hat auf die Sammelbewerbung des E-Commerce-Teams von Air Berlin reagiert (Bild: Fischer-Appelt)
Ganz zum Schluss lieferte die E-Commerce-Abteilung von Air Berlin im Ping-Pong-Spiel mit der Agentur Fischer-Appelt immerhin noch einen Best Case in Sachen Recruiting. Die Gruppe von rund 60 Mitarbeitern launchte nach Bekanntwerden der Insolvenz eine Website, auf der sich das Team vorstellte und seine Kompetenzen erklärte. Fischer-Appelt reagierte mit einer eigenen Website, die optisch jener des E-Commerce-Teams nachempfunden war. Seit gestern ist bekannt: Die Agentur gründet eine neue Performance-Unit, der mindestens zehn ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter angehören werden. fam
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