H&M, Dove & Co Diese 5 Kampagnen standen wegen Rassismus in der Kritik

zusammengestellt von Katharina Brecht
Dienstag, 09. Januar 2018
Dieses Produktbild von H&M sorgt für Aufregung. Jetzt entschuldigte sich die schwedische Modekette
Dieses Produktbild von H&M sorgt für Aufregung. Jetzt entschuldigte sich die schwedische Modekette
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Ein Produktfoto aus dem britischen Online-Shop von H&M kursiert derzeit im Social Web und sorgt für Aufregung. Der Vorwurf: Das Motiv sei rassistisch. Die schwedische Modemarke ist jedoch bei Weitem nicht die erste Brand, der solch ein Fauxpas unterläuft. HORIZONT Online zeigt 5 Kampagnen aus den vergangenen Jahren, die wegen vermeintlichem Rassismus in der Kritik standen.

1.

H&M

Ganz aktuell geht der Fall Hennes & Mauritz (H&M) durch die Medien. Aufreger ist ein Produktfoto aus dem britischen Onlineshop der Modekette. Auf dem Bild ist ein dunkelhäutiger Junge zu sehen, der einen Pullover mit der Aufschrift "Coolest Monkey in the Jungle" (Coolster Affe im Dschungel) trägt. Das Netz ist empört über diese Model-Wahl, denn das Wort "Affe" ist eine verbreitete, rassistische Beleidigung für schwarze Menschen. Außerdem sorgt in diesem Zusammenhang ein weiteres Bild aus dem Online-Shop für Aufsehen: Es zeigt einen weißen Jungen mit einem ähnlichen Pullover, auf dem jedoch "Survival Expert", also Überlebensexperte, steht.
Der Fauxpas von H&M zieht noch weitere Kreise als den Shitstorm im Netz. Jetzt beendete der Sänger The Weeknd seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Textilhandelsunternehmen. In seinem Statement auf Twitter schreibt er: "Ich bin diesen Morgen schockiert und beschämt wegen dieses Fotos aufgewacht. Ich fühle mich angegriffen und werde nicht mehr mit H&M arbeiten." Außerdem fiel die H&M Aktie zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fast neun Jahren, wie Spiegel Online berichtet. Mittlerweile hat sich die Modemarke auf Twitter für das Motiv entschuldigt und es von allen Kanälen sowie aus dem Online-Shop entfernt. Auch der Pullover werde nicht mehr verkauft.

Update: Nun veröffentlichte H&M eine ausführliche Stellungnahme zum Hoodie auf der Unternehmenswebsite. Darin entschuldigt sich die Modekette, räumt alle Fehler ein und verspricht Besserung. Außerdem solle das Produkt nun im Zeichen der Unternehmensleitsätze recycelt werden.


2.

Dove

Mit dieser Facebook-Anzeige hat Dove in den USA für Wirbel gesorgt
Mit dieser Facebook-Anzeige hat Dove in den USA für Wirbel gesorgt (© Screenshot Facebook/Naythemua)
Die Unilever-Marke Dove sorgte im vergangenen Oktober für Furore. Obwohl sich die Brand seit 2004 unter dem Motto "Real Beauty" für die Schönheit von Frauen jeden Aussehens und jeder Herkunft stark macht, vergriff sie sich in einer Facebook-Anzeige in den USA deutlich im Motiv. In dem dreisekündigen GIF wurde ein Body-Wash-Gel von Dove beworben. Darauf zu sehen war eine dunkelhäutige, junge Frau, die sich ihr braunes T-Shirt auszieht - zum Vorschein kam eine hellhäutige Frau im hellen Oberteil.

Es hagelte jede Menge Kritik für diese Anzeige, viele Medien griffen die Werbung auf. Schließlich bediente sich das Motiv an dem rassistische Vorurteil, dass Schwarze nicht "sauber" seien und sich "reinwaschen" müssten. Eine Entschuldigung gab es von dem Körperpflegemittelhersteller zunächst nicht, sondern lediglich eine Erklärung des Produkts sowie der Verweis auf die "Real-Beauty"-Maxime der Marke, die alle Ethnien berücksichtige. Doch im weiteren Verlauf wurde die Anzeige doch noch vom Netz genommen.
Mit dieser Facebook-Anzeige hat Dove in den USA für Wirbel gesorgt
© Screenshot Facebook/Naythemua

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3.

Nivea

Eigentlich hätten die Sinne von den Dove-Marketern geschärft sein können, denn nur ein halbes Jahr zuvor empörte eine Facebook-Kampagne der Beiersdorf-Marke Nivea die Netzwelt. Die für den Nahen Osten konzipierte Kampagne arbeitete mit dem Slogan "White is Purity" ("Weiß bedeutet Reinheit") und bewarb das Deodorant "Invisible for Black & White". Auf der Anzeige zu sehen war die Rückansicht einer brünetten Frau in einem weißen Bademantel, die in einem lichtdurchfluteten Raum sitzt. Der Text des Postings lautete "Keep it clean, keep bright. Don’t let anything ruin it, #Invisible".

Im Netz wurde der Anzeige nicht nur Rassismus vorgeworfen. Darüber hinaus machten sich Rechtsextreme den "White is Purity"-Slogan in ihrem Sinne zunutze. Der Eindruck der ethnischen Diskriminierung veranlasste Nivea schließlich dazu, die Kampagne zu stoppen. Gegenüber HORIZONT Online entschuldigte sich Beiersdorf für die Anzeige.

4.

Pepsi

Aufreger Nummer 4 lieferte Pepsico mit einem Spot, in dem Model und Reality-TV-Star Kendall Jenner (Kim Kardashians Halbschwester) zur Friedensstifterin zwischen multikulturellen Demonstranten und Sicherheitskräften wird. Alles, was sie dafür braucht, ist eine Pepsi-Dose, die sie dem Beamten überreicht. Dann bricht die Menschenmenge in Jubel aus. Eigentlich soll diese Story eine Lanze für ein friedliches Zusammenleben aller Kulturen brechen - doch das ging nach hinten los. 

Die Social-Media-User empfanden den Spot allerdings als Verunglimpfung, denn Konflikte zwischen meist schwarzen Protestierenden und Sicherheitskräften sind in den USA keine Seltenheit. Dass man diese ernsten Auseinandersetzungen allein mit einer Dose Pepsi-Cola lösen kann, stoß ihnen sauer auf. Auch dieser Spot wurde nach kurzer Zeit eingemottet.
Pepsi
© Pepsico

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5.

Zara

Die spanische Modemarke Zara leistete sich in der Vergangenheit schon so einige Pannenprodukte und sah sich mehrmals mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. So verkaufte das Label beispielsweise im Jahr 2014 ein blau-weiß-gestreiftes Kindershirt mit gelbem Stern auf der Brust. Was im Webshop als "Striped 'sheriff' T-Shirt deklariert wurde, erinnerte viele eher an die Kleidung jüdischer Häftlinge in NS-Konzentrationslagern. Der Sheriff-Stern hatte eher Ähnlichkeit mit dem Judenstern. Das Produkt sorgte für allerlei Aufregung und wurde aus dem Handel entfernt.
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© Zara

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Dieser Fehltritt der Modekette war nicht der erste: 2007 gehörte eine Handtasche zur Zara-Kollektion, auf deren buntem Muster auch grüne Hakenkreuze zu sehen waren. Später bescherte ein T-Shirt mit der Aufschrift "White is the new black" ("Weiß ist das neue Schwarz") dem Textilunternehmen Ärger. Auch der Verkauf dieses Produkts wurde gestoppt. Vor zwei Jahren stand Zara außerdem wegen der Schuh-Bezeichnung "Sklavensandalen" in der Kritik. Der Fehler in der Produktbenennung ist im Anschluss an die Furore korrigiert worden. Wie es zu der Panne kam, erklärte das Unternehmen damals nicht. bre
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