Medienkongress
18.01.2012
Zeitungen: Mit einer "Qualitätsstrategie" durch den Transformationsprozess
Die Digitalisierung ist keine Gefahr für deutsche Zeitungen - wenn sie akzeptiert wird. Wie Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit Verlags, beim Deutschen Medienkongress betonte, können die Verlage sogar gewinnen, wenn sie auf der zusätzlichen Plattform ihre Stärken ausspielen.
Um sich über das "Geschenk der Digitalisierung" freuen zu können, brauche es den Prototyp des "modernen Journalisten", der alle Plattformen bedient. Seriös und gründlich recherchierte Nachrichten, die möglichst schnell immer und überall verfügbar sind und währenddessen vom Feedback der Leser angereichert und aktualisiert wurden: Für Esser keine utopische Forderung, sondern eigentlich schon längst Common Sense. Auch eine Branche, die über Jahrzehnte ohne Veränderungsdruck existiert habe, müsse sich ab und an neu erfinden. "Es gibt keinen Artenschutz für den traditionellen Zeitungsverleger."
Zustimmung gab es dann auch von den Teilnehmern der Podiumsdiskussion, die sich zunächst nicht so sicher zu sein schienen, was sie von Essers digitaler Lobeshymne halten sollten. Vor allem Dirk Ippen, unter anderem Verleger von "Münchner Merkur" und "Offenbach Post", sah vor allem die direkte, lokale Verbindung zu den Lesern als sicheres Pfund für die Zukunft: "Wir haben in Deutschland rund 1500 Lokalausgaben, hochgerechnet arbeiten daran 15 000 Journalisten. Dieses Wissen kann so schnell niemand ersetzen."
Auch Tobias Trevisan, Sprecher der Geschäftsführung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", forcierte die "Qualitätsstrategie": "Man darf nicht den Fehler machen, die Zeitung zu schnell aufzugeben. So verliert man die Grundlage, um den jetzigen Transformationsprozess gestalten zu können." Schon jetzt seien 50 Prozent der Postings bei Facebook und Twitter Links auf "Profiinhalte", also Verweise auf die Plattformen der klassischen Medien, ergänzte Christoph Keese, Geschäftsführer bei Axel Springer. Das Problem dabei: "Das Geld geht am Ende dahin, wo die Aufmerksamkeit ist." Also weg von Print? "Ganz klar, wir müssen Wege finden, wie wir mitverdienen können", so Keese.
Einen Königsweg dafür sah am Mittwoch allerdings niemand. Auch "Zeit"-Mann Esser nicht: "Wir müssen beides machen, sowohl Print als auch Digital. Das eine hilft dem anderen." Mit Mediaagenturen, die sich parallel dazu wieder mehr als Problemlöser und weniger als Einkaufsagenturen verstehen müssten, sei der digitale Weg für die Zeitungen dann vielleicht doch nicht so steinig wie befürchtet. kl
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