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Deutscher Medienkongress

von Anja Sturm,
Stv. Chefredakteurin 1

„So viele Missverständnisse“: Digitalbranche übt sich erstmals in Selbstkritik


Plan.Net-Geschäftsführer Michael Frank auf dem Deutschen Medienkongress (Foto: Friedemann Vogel)

Plan.Net-Geschäftsführer Michael Frank auf dem Deutschen Medienkongress (Foto: Friedemann Vogel)

Es ist zwar nicht allzu überraschend, in der Deutlichkeit aber doch erstaunlich: Nach Jahren des zweistelligen Wachstums und entsprechend überbordendem Selbstbewusstsein scheint die Digitalbranche 2013 erstmals kleinere Brötchen backen zu müssen. „Ich blicke immer noch positiv in die Zukunft“, sagte Plan.Net-Geschäftsführer Michael Frank heute auf dem 5. Deutschen Medienkongress in Frankfurt. „Aber wir sollten nicht mehr so vermessen sein wie in den vergangenen Jahren“, so Frank weiter. Ein Wachstum von 6 bis 7 Prozent sei für 2013 „auf jeden Fall noch sehr gut“. Verglichen mit zurückliegenden Digitalbilanzen ist das allerdings ein klarer Dämpfer.

 
Ganz klar: Die Zeit des Experimentierens ist auch für die Onliner vorbei, Kunden fordern auch von Digital eindeutige Wirkungsnachweise. KPIs, Standards, Visibilität, Auslieferung – alles steht derzeit auf dem Prüfstand. „Unsere Branche ist erwachsen geworden“, sagt Quisma-CEO Ronald Paul, „und wenn wir nicht schnell handeln, werden wir ein Problem in der Kommunikation mit unseren Kunden bekommen.“ So viel Selbstkritik war noch nie bei den erfolgsverwöhnten Digitalen.
Expertenrunde zur digitalen Zukunft (Foto: Friedemann Vogel) 

Expertenrunde zur digitalen Zukunft (Foto: Friedemann Vogel)

Neben gemeinsamen Standards und KPIs sieht Marianne Stroehmann die größte Herausforderung in einer gemeinsamen Sprache der einstigen Techis. „Wir verwenden zu viele unterschiedliche Begriffe für die gleichen Dinge“, so die Geschäftsführerin von Interactive Media (IM). Damit würden Kunden mehr verwirrt als aufgeklärt. „Es gibt zu viele Missverständnisse“, so Stroehmann, „wir müssen uns schleunigst auf gemeinsame Begriffe und Standards einigen.“
 
Zumal – und auch das ist eine ziemlich neue Qualität der digitalen Selbsterkenntnis – die Anforderungen an Digital enorm gewachsen sind. „Früher hatten wir Page Impressions und Ad Impressions“, so die IM-Chefin. Doch seit sich Digital auch sehr selbstbewusst für Branding empfiehlt, habe sich die Diskussion mit den Werbungtreibenden deutlich verschärft. Sich darauf entsprechend einzulassen, sei „fair enough“, so Stroehmann.
 
Dass das aber nicht leicht wird und sich die Digitalbranche auch hier erstmals den Auswirkungen gebremsten Wachstums und steigender interner Konkurrenz gegenüber sieht, zeigt der Appell von Karim H. Attia. Der CEO von Nugg.ad fordert: „Es ist richtig, dass wir dringend branchenweite Antworten und einheitliche KPIs im Netz entwickeln müssen. Bislang aber sehe ich nur, dass jeder seine eigene Lösung kreiert, um einen kleinen USP für sich herauszuarbeiten.“ Die verschiedenen lokalen Lösungen müssten endlich zusammengeführt werden. as
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