HORIZONT.NET
31.10.2007

Programmzeitschriften

Programmzeitschriften: Pocketformate rücken in den Fokus der Verlage


Lange war das Pocketformat von Programmies ein Nischenprodukt, jetzt rückt es immer mehr in den Fokus der Programmzeitschriften-Verlage. Mit der Erweiterung des Angebots durch die handlichen Taschenformate zum niedrigen Copy-Preis wollen sie sich ihre Marktanteile sichern. Derzeit führt die Bauer Verlagsgruppe das Feld der Programmzeitschriften nach Auflage mit 46 Prozent an, gefolgt von Axel Springer mit mehr als 25 und Burda mit rund 12 Prozent. Die Titel im Kleinformat sollen den Erfolg sichern: Der Bauer Verlag will für seinen Newcomer "TV Top" eine Auflage von 100000 verkauften Exemplaren erreichen, der Münchner TV & mehr Zeitschriftenverlag konnte von "TV piccolino" im 3. Quartal 2007 dieses Jahres rund 204600 Exemplare absetzen.
 
Das Interesse an den Taschenprogrammheften steigt um so mehr, als den klassischen Programmies die Käufer abspringen. Zwar handelt es sich bei ihnen nach wie vor um die bedeutendste Zeitschriftengattung in Deutschland – laut einer Marktstudie von Bauer erreichen sie 64 Prozent der Bevölkerung mit nur einer Frequenz –, dennoch sind die Auflagenzahlen vor allem der etablierten Titel rückläufig.

Chart: Auflagenentwicklung wöchentlicher Programmzeitschriften über 500000 Exemplare

Chart: Auflagenentwicklung der 14-täglichen Programmzeitschriften

Eine erkennbare Strategie, dem Konkurrenzdruck standzuhalten, ist derzeit bei der Eigenwerbung der Programmies festzustellen. Trotz rückläufiger Auflagenzahlen sind die Werbeausgaben für Programmzeitschriften so hoch wie selten zuvor. Dabei wagen die Verlage neben Printwerbung auch TV-Kampagnen. So präsentiert beispielsweise Springer sein "TV Digital" und die Vorteile des digitalen Fernsehens seit September im TV, das Konkurrenzblatt "TV Movie" von Bauer arbeitet an seinem Image als kompetentes Filmmedium und positioniert sich zusätzlich immer stärker im Internet.

Chart: Bruttowerbeausgaben der Programmzeitschriften

Einen ungewöhnlichen Weg gehen die Macher des Supplements "RTV": Obwohl die Programmzeitschrift nicht einzeln im Handel, sondern nur als Beilage in der Abopresse erhältlich ist, werben sie seit dem Frühjahr dafür in TV-Spots. Durch die Kampagne kann das Blatt zur Zeit eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit für sich in der Fachwelt verbuchen. Zusätzlicher Druck auf den Markt der Programmzeitschriften entsteht durch den Trend, TV-Programmangebote im Internet auszuweiten. Digitale Fernsehzeitschriften können dem Nutzer zum einen ausführliche und zudem kostenlos abrufbare Informationen zu Tausenden von Sendungen bieten. Zum anderen vereinfachen sie die gezielte Suche des Zuschauers nach seinen ganz individuellen Wünschen. Auch die Supplement-Verlage haben die Vorteile des digitalen TV-Programms bereits erkannt und weiten ihr Printangebot entsprechend auf das Internet aus.
 
Ebenso auf den Internet-User zugeschnitten sind die elektronischen Programmführer, kurz EPGs genannt. Gerade weil ihre Entwicklung in Deutschland laut Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Goldmedia, "noch am Anfang" steht, bemühen sich Programmzeitschriftenverlage derzeit verstärkt um anwenderfreundliche Navigationslösungen. Denn die Nutzerfreundlichkeit, so Goldhammer, "ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg." Noch fehlen aber entscheidende Standards, um die Vermarktung entscheidend voranzubringen.
 
Zudem suchen die Verlage für das Web-TV nach schnellen Lösungen zur Aufbereitung von Programminformationen. Angesichts der Datenflut Hunderter Internetsender befinden sie sich – genauso wie Kabelnetzbetreiber – in einem Wettlauf um den Kundenzugang. 

Ansprechpartner Specials: Dr. Jochen Zimmer


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