HORIZONT.NET HORIZONTJobs HORIZONTstats
HORIZONT.NET

Medienkongress

von Santiago Campillo-Lundbeck,
Redakteur Marketing

Medienprofessor: "Werbe-Industrie betreibt soziale Diskriminierung"


Medienprofessor Joseph Turow

Medienprofessor Joseph Turow

Der Warnruf an die Vertreter der Medien- und Werbeindustrie hätte zum Auftakt des Frankfurter Medienkongresses nicht deutlicher sein können: "Die Werbe-Industrie betreibt soziale Diskriminierung, indem sie die Konsumenten in Reputationssilos isoliert", kritisierte der Medienprofessor Joseph Turow, der an der Annenberg School of Communication der Universität von Pennsylvania lehrt und forscht.
 
Turow stellte zum Auftakt des Kongresses einige Kernthesen aus seinem neuen Buch "The Daily You" vor, das sich mit den Konsequenzen von Targeting-Technologien für die Entwicklung der Medien und Gesellschaft der beschäftigt. Dabei machte er deutlich, dass die Sorge um die eigene Privatsphäre in der Öffentlichkeit zwar weit verbreitet, aber das Wissen um die entsprechenden Rechtsgrundlagen minimal sei: "62 Prozent aller Amerikaner wissen nicht, was Regeln zum Datenschutz eigentlich beinhalten." Die größte Gefahr sei allerdings, dass ein ständig verfeinertes Targeting über eine wachsende Zahl von digitalen Informationsquellen dazu führen könne, dass Menschen bestimmte Medieninhalte nicht mehr zu sehen bekommen - nur weil die Targeting-Algorithmen bei anderen Medieninhalten eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit für die begleitenden Werbebotschaften ergeben haben. Die Betroffenen seien dann in ihren Reputationssilos gefangen: "In dieser Welt müssen wir als Konsumenten mit einer digitalen Reputation leben, die wir nicht kennen und die wir auch wahrscheinlich nicht gutheißen würden."
Diese Entwicklung vespreche den Werbestrategen zwar ein planerisches Umfeld von bisher nicht vorstellbarer Qualität, sei aber gleichzeitig ein grundsätzliches Risiko für die Effektivität des Marketing, glaubt Turow: "Die große Frage ist hier, ob wir kurzfristige Gewinne bei Werbeerlösen und Targetingqualität mit langfristigen Verlusten der Werbe-Industrie als Ganzes erkaufen." Ein warnendes Beispiel ist für ihn die Finanzbranche: "Über viele Jahrzehnte hat niemand die Regeln hinterfragt, nach denen Wallstreet arbeitet. Jetzt haben wir ,Occupy Wallstreet'. Mit der gleichen Mentalität könnte auch die Werbung konfrontiert werden." cam
Twitter Facebook Google LinkedIn Xing Drucken Email

Kommentar(e)

Kommentare

Zur Übersicht
Galerie

1. Deutscher Sponsoringindex
Sky und Serviceplan stellten in München den Deutschen Sponsoring-Index vor. Stargäste waren Franz Beckenbauer, Ottmar Hitzfeld und Kommentator Marcel Reif.

Stromberg meets Stoiber
stoiber.jpg
Ganz großes Kino: Edmund Stoiber und Bernd Stromberg ehren Medienmann Thomas Ebeling. Video anschauen
News-Archiv

April 2012

MODIMIDOFRSASO
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30

Mai 2012

MODIMIDOFRSASO
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031