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Frank-Michael Schmidt: "Das Modell Sonnenkönig hat ausgedient"


von Mehrdad Amirkhizi,
Ressortleiter Agenturen

Frank-Michael Schmidt, Agenturmann des Jahres

Frank-Michael Schmidt, Agenturmann des Jahres

Nachhaltiger Erfolg ist in der schnelllebigen Agenturbranche nicht an der Tagesordnung. Frank-Michael Schmidt zeigt, dass es ihn aber auch in diesem Gewerbe gibt. Im Interview mit HORIZONT spricht der Agenturmann des Jahres über das Erfolgsrezept von Scholz & Friends, seinen Führungsstil und die Erwartungen an seine Mitarbeiter.

 
Herr Schmidt, man könnte glauben, dass 2011 bei Ihnen höhere Mächte am Werk waren: Opel und andere Etats gewonnen, Commarco für viel Geld an WPP verkauft, Sie haben geheiratet, jetzt der HORIZONT Award. Irgendwie unheimlich. Für mich persönlich hat die Hochzeit natürlich die größte Bedeutung. Aber auch beruflich war das Jahr 2011 ein mehr als besonderes. Mit Opel ist uns der größte Etatgewinn in der Geschichte von Scholz & Friends gelungen; mit dem Verkauf an WPP nicht nur die Potenzierung der internationalen Reichweite unserer Gruppe, sondern auch die größte Transaktion in der deutschen Agenturgeschichte.

Die Jurybegründung

Frank-Michael Schmidt wird für seine herausragenden Leistungen in der Kategorie Agenturen ausgezeichnet. Als CEO von Scholz & Friends und der Holding Commarco hat Schmidt maßgeblichen Anteil am Erfolg der Agenturgruppe. Unter seiner Führung hat Commarco den Umsatz auf inzwischen über 130 Millionen Euro verdoppelt. Meilensteine wie der Gewinn des Opel-Etats belegen die Führungsqualitäten von „FM" Schmidt. Er gehört unbestritten zu den führenden Köpfen der deutschen Agenturbranche.

Es heißt, dass Sie mit einer brillanten Strategiepräsentation einen Etat quasi im Alleingang gewinnen können. Die strategische Klarheit, Konsistenz und Konsequenz eines Marken-Gedankens und seiner Inszenierung sind essenziell. Strategie ist für mich nicht Sprungbrett, sondern Anatomie der Kampagne. Schließlich gilt: Um zu überzeugen, muss man die Fähigkeit besitzen, mit den Augen des Kunden zu sehen und trotzdem ganz entschieden mit dem eigenen Kopf zu denken.
 
Und einen bestimmten Führungsstil haben. Wie sieht Ihrer aus? Das von Jürgen Scholz etablierte Prinzip des runden Tischs hat für mich unverändert Bedeutung. Die Substanz eines Arguments bestimmt sein Gewicht, nicht, von welcher Seite des Tischs es kommt. Dennoch sollte jede Führungskraft den Ehrgeiz haben, den Anspruch zu erfüllen, den wir einmal für die „FTD" formuliert haben: „Sitzen Sie auch an runden Tischen an der Stirnseite!" Dabei geht es um geistige Führung, nicht um Command and Control.
 

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Was müssen Ihre Führungskräfte also können, um gut mit Ihnen zusammenzuarbeiten? Ich schätze Menschen, die stark sind, andere stark machen und die Stärke anderer respektieren. Das Modell Sonnenkönig hat ausgedient. Das sternförmige Organigramm ebenfalls. Wichtig für mich und unsere Gruppe ist, dass der Doppelpass zwischen eigenständigen Persönlichkeiten gelingt, die eine weitgehend selbstständige Führungsverantwortung tragen. Dabei hilft Intelligenz, Empathie und Kreativität in der Problemlösung. Es muss darum gehen, Leistungs- und Vertrauenskultur miteinander zu verbinden. Es gibt den schönen Satz: Ein Freund ist jemand, vor dem man laut denken kann. Genau diese Atmosphäre schafft den Raum für kreative Lösungen.
 
Sie gelten als akribischer Arbeiter, der wenig Rücksicht auf sich selbst nimmt. Wie sehr erwarten Sie dieses Engagement auch von Ihren Mitarbeitern? Wer die Hitze nicht ertragen kann, sollte nicht in der Küche stehen. Wir befinden uns in einem kompetitiven Hochdruckgeschäft, bei dem die letzten 20 Prozent über den Erfolg entscheiden. Diese 20 Prozent kosten faktisch 50 Prozent der Zeit und Energie. Der Unterschied zwischen gut und sehr gut ist sehr viel Detail, Akribie und Nachtarbeit. Aber man muss das ins Verhältnis setzen. Die Führungskräfte einer Agentur verdienen nicht selten so viel wie ein Chefarzt oder C4-Professor. Dafür kann man einen gewissen Einsatz erwarten. Obwohl sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert haben, sollten wir nicht ganz die immer noch privilegierten Aspekte unseres Berufes vergessen. mam
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