11.06.2008
Expertenumfrage: Auf der Suche nach der Jugend
Das Radio spürt die Konkurrenz durch neue digitale Angebote und Empfangswege.
MP3-Player, Handys oder Download-Plattformen ließen die Radionutzung Jugendlicher
und junger Erwachsener sinken. Zuletzt hat sich der Hörfunk in der jungen Zielgruppe
jedoch stabilisiert und wieder Hörer hinzugewonnen. HORIZONT fragt die Experten:Ist das die Trendwende oder bleibt Radio bei den Jungen unter Druck?
Dirk Engel, Head of Research Universal McCann, Frankfurt:
Das klassische Radio hat ein Problem bei den ganz Jungen. Für frühere Generationen war die Gleichung "Musik = Radio" selbstverständlich, heute ist das nicht mehr so. Jugendliche finden Musik überall - im Fernsehen, im Internet, auf ihrem MP3-Player oder Mobiltelefon. Deshalb hat das Radio auch an Bindungskraft verloren. In anderen Altersgruppen ist der Hörfunk klar im Tagesablauf verankert - morgens als "Update" und Aufwachhilfe, im Auto als Nabelschnur zur Außenwelt, im Büro als Geräuschteppich.
Bei Teenagern findet man die Verankerung deutlich weniger, wie unsere eigeneForschung zu dem Thema zeigt. Natürlich nutzen Radiosender auch die neuen Medientechniken. Doch hier sind sie nur ein Anbieter unter vielen. Deshalb werden Maßnahmen zur Hörerbindung noch weiter zunehmen.
Andreas Fuhlisch, Geschäftsführer Radio Marketing Service, Hamburg:
Die Radionutzung junger Zielgruppen hat sich stabilisiert. Die Verweildauernimmt wieder zu, weil Radio verstärkt parallel zur Internetnutzung gehört wird. Für die Jugendlichen erfüllt das Radio eine Vielzahl von Funktionen: Es ist unter anderem wichtiger Musiklieferant, aktuelle Informationsquelle und Unterhalter.
Radio ist Impulsgeber für das Internet, den Musikkauf und Servicemedium fürdie Freizeitgestaltung. Die noch unveröffentlichte RMS-Studie "Der crossmediale Konsum junger Menschen" zeigt indes, dass die mobilen Nutzungsmöglichkeiten umso mehr Bedeutung haben, je jünger die Nutzer sind. Die befragten Jugendlichen erwarten überdies zukünftig eine zunehmende Verknüpfung von Radio und Internet.
Dieter K. Müller, Geschäftsleiter Forschung & Service ARD-Werbung Sales & Services,
Frankfurt:
Mit Sicherheit ist das eine Trendwende - jedenfalls, wenn man die Erwartungshaltung
einiger Experten zugrunde legt. Viele nahmen an, dass es Radio ähnlich ergehen würde wie der Musikbranche. Sie hat seit Ende der 90er Jahre mit Umsatzrückgängen und dem Wandel in den Nutzungsgewohnheiten zu kämpfen. Doch Radio ist mehr als Musik, es ist als fester Begleiter im Alltag verankert.
Es scheint, als würden die Jugendlichen das Medium Radio wieder für sich entdecken. Gleichwohl wird Radio, wie alle anderen Massenmedien, weiterhin einem starken
Konkurrenzdruck ausgesetzt sein. Insofern ist es eher nachrangig, ob es künftig ein paar Hörer mehr oder weniger hat. Entscheidend ist: Es gibt kein anderes Medium, das Tag für Tag von so vielen jungen Menschen so lange genutzt wird.
- Specials 11. Juni 2008: Hörfunkmarketing I: Aufbruch im Internet
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