Deutscher Medienkongress
18.01.2012
Buchholz, Welte und Wiele liefern sich Schlagabtausch
Fast schon legendär ist der Schlagabtausch, den sich Bernd Buchholz, Philipp Welte und Andreas Wiele auf dem Deutschen Medienkongress liefern. Auch in diesem Jahr frotzelten sich der CEO und die beiden Vorstände von Deutschlands größten Verlagen Gruner + Jahr, Axel Springer und Hubert Burda Media auf dem Panel. „Einmal im Jahr kommen wir drei hier vorbei und machen Witze übereinander", so Welte zum Auftakt der Diskussion, in deren Zentrum eigentlich die Transformation der Geschäftsmodelle in die digitale Welt stand.
Hier eine Kostprobe: Welte: „Wir haben nicht wie Gruner + Jahr Angst, dass die WAZ uns überholt." Buchholz: „Du glaubst auch immer noch, dass beim Zusammenzählen der Auflagen der Umsatz unten heraus kommt." Welte: „Buchholz kommt immer breitbeinig in den Salon rein und vergisst, dass er keine Hosen an hat." Buchholz (zum Publikum): „Sie sollten mal in einer VDZ-Vorstandssitzung dabei sein. Wie es da erst zugeht." Welte: „Das ist eine sterbende Branche - lustig bis zum Schluss."
Welte und Wiele verteidigten ihre Strategien, mit denen sie je nach Rechenart bereits zwischen 20 und 40 Prozent des Umsatzes erlösen. „Zur Unabhängigkeit der Presse gehört wirtschaftlicher Erfolg", sagte Wiele. Man müsse andere Wege gehen, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Medien sicher zu stellen, wenn man verhindern wolle, dass auch in Deutschland nur noch Oligarchen Zeitungen kontrollieren.
Im intramedialen Gattungswettbewerb sehen die Manager Print gut positioniert - obwohl die Mediaagenturen die Gattung stets aufgrund mangelnder Innovationskraft und Kleinteiligkeit kritisieren. Wiele hat keine Angst vor weiteren Verschiebungen der Budgets: „Wir sehen bei vielen Werbekunden, dass der Boden erreicht ist", sagt er. Buchholz und Welte geben sich ebenfalls betont entspannt. 2011 seien beide Verlage gewachsen - allen Abgesängen zum Trotz.
Im kommenden Jahr will Welte den Anteil der Digitalerlöse auf 50 Prozent steigern. 2011 erlöste Burda rund 2,17 Milliarden Euro. Wiele erwartet gespannt die Preisentwicklung von Tablet-PCs verlaufen wird und erhofft sich von einem Preisverfall einen möglichen Umsatzschub für die Apps. Buchholz will 2012 neue Magazine launchen und die Digitialisierung vorantreiben.
Welte hat auch konstruktive Vorschläge, wo Gruner neue Titel auf den Markt bringen könnte: „Gruner + Jahr macht schon sehr erfolgreich ,Beef' und verkauft es in China als ,Dogs'." Beides sind G+J-Titel. Noch fehlt es den Printmanagern wahrlich nicht an Humor. pap
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