22.07.2010
Journalismus
Investigativ-Teams: Was steckt hinter den Gründungen von Rechercheressorts?
Seite 3/5
David Schraven, Chef des WAZ-Rechercheteams
Wie würden Sie das Selbstverständnis Ihrer Mannschaft beschreiben?
Wir verstehen uns in erster Linie als Dienstleister. Das heißt, wir nehmen den Kollegen die Geschichten nicht weg, sondern unterstützen sie bei der Recherche. Entweder kommen die Redakteure auf uns zu, wenn sie Hilfe brauchen, oder wir sprechen sie gezielt an, wenn wir bei bestimmten Themen noch Recherchepotenzial sehen.
Die WAZ hat ihre Investigativ-Truppe vor einem Jahr im Rahmen von Umstrukturierungen gegründet. Rund 300 Stellen sind dabei weggefallen. Inwieweit kann Ihr Team angesichts dessen tatsächlich mehr Qualität liefern oder können Sie doch nur Löcher stopfen?
Es ist der Versuch, einen Weg aus einem Dilemma zu finden, mit dem alle Verlage kämpfen: Wir sind Sparzwängen unterworfen, während es gleichzeitig immer wichtiger wird, unserem Produkt ein Alleinstellungsmerkmal zu verleihen. Die Recherchepools können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
In den USA hat sich das Modell bereits bewährt.
Richtig, als ich beim "Time Magazine" gearbeitet habe, war ich überwältigt davon, was eine Redaktion leisten kann, wenn ein Verlag Geld, Manpower und Zeit in investigative Arbeit steckt. Allerdings zeichnet sich in den USA auch ein alarmierender Trend ab. Es gibt dort mittlerweile Rechercheteams, die von Stiftungen getragen werden und ohne Zeitung im Hintergrund arbeiten. Journalisten sind dort damit immer weniger auf Verlage angewiesen.
Wie wollen Sie die Arbeit im Rechercheteam der WAZ-Gruppe künftig verändern?
Bisher waren die Mitarbeiter noch sehr an die Ressorts gebunden, mit denen sie vor ihrem Wechsel in das Recherche-Team zusammengearbeitet haben. Meine Aufgabe ist es nun, ihnen mehr Freiraum zu geben und sie aus diesen alten Zusammenhängen zu lösen. Ziel ist es, dass sie künftig noch stärker ressortübergreifend arbeiten.
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