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von Marco Saal,
Ressortleiter HORIZONT.NET

Wulffs Rücktrittsrede: "Berichterstattung hat mich und meine Frau verletzt"


Christian Wulff: "Berichterstattung hat mich verletzt"

Christian Wulff: "Berichterstattung hat mich verletzt"

Die Ära Christian Wulff ist Geschichte. Der zehnte deutsche Bundespräsident hat am Freitag um 11 Uhr im Schloss Bellevue vor laufenden Kameras seinen Rücktritt erklärt. Seine Entscheidung begründete er mit dem massiv gesunkenen Rückhalt in der Bevölkerung. Wem er glaubt, das zu verdanken, war nur "zwischen den Zeilen" zu hören. Bei seiner Rede ließ Wulff jedenfalls durchblicken, dass er die Art und Weise, wie die Medien in seinem Fall berichtet haben, sehr kritisch sieht.
 
"Deutschland braucht einen Bundespräsidenten, der von dem Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger getragen wird", sagte Christian Wulff im Blitzlichtgewitter der Fotografen im Schloss Bellevue. Nach den Vorwürfen der letzten Wochen sei dieses Vertrauen allerdings „nachhaltig beeinträchtigt". Daher trete er von seinem Amt zurück.
Wulff ließ es sich nicht nehmen, bei seiner Erklärung die Medien zu kritisieren. "Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt", gab Wulff zu Protokoll. Damit dürfte er vor allem auf den Kleinkrieg zwischen ihm und der "Bild"-Zeitung anspielen. Der Springer-Titel hatte als erstes über vermeintliche Fehltritte Wulffs - etwa im Zusammenhang mit dem umstrittenen Hauskredit - berichtet und den Bundespräsidenten damit arg in Bedrängnis gebracht. Und nicht nur das: Indem die "Bild" eine Abschrift des Anrufs, den Wulff auf dem  Anrufbeantworter von Chefredakteur Kai Diekmann hinterlassen hatte, an große Tageszeitungen wie die "FAZ" und "Süddeutsche" weiterleitete, wurde aus dem Kleinkrieg zwischen "Bild" und Wulff erst die große "Medienkampagne", die Wulff langsam aber sicher zu Fall brachte.
 
Dass die kritischen Berichte über Wulff aus dessen Sicht nicht angemessen waren, ließ er auch in seiner letzten Rede durchblicken. "Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird", so Wulff. Er sei immer aufrichtig gewesen und habe sich stets rechtlich korrekt verhalten, so Wulff weiter.
 
Das sahen zuletzt nur noch wenige so. Auch die Staatsanwaltschaft Hannover nicht, die gestern nach umfassender Prüfung beantragte, die Immunität Wulffs aufzuheben und damit letztlich dessen Demission forcierte. Begründet wurde der Antrag damit, dass es inzwischen einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung gebe. Damit wären nach einer entsprechenden Entscheidung des Parlaments strafrechtliche Ermittlungen gegen Wulff möglich. Gegen einen amtierenden Bundespräsidenten wurde in Deutschland aber noch nie ermittelt. Wohl auch deshalb führte für Wulff am Ende kein Weg mehr am Rücktritt vorbei. Die Ermittlungen hätten das Amt massiv beschädigt.
 
Bei den von Wulff so gescholtenen Medien hat die kurzfristig angesetzte Rede für reichlich Hektik gesorgt. Fast alle TV-Sender unterbrachen ihre Programme für Sondersendungen. Die ARD brachte ein "Tagesschau Extra", das auch per Live-Stream im Web ausgestrahlt wurde. Das Zweite berichtete mit einem ebenfalls online abrufbaren "ZDF spezial" ab 10.30 Uhr live aus Berlin über die aktuelle Entwicklung im Fall Wulff. Auch Phoenix, N24 und NTV reagierten und versorgten ihre Zuschauer mit Live-Bildern aus dem Schloss Bellevue. Sogar auf Seiten der Werbungtreibenden gibt es bereits Trittbretfahrer, die sich den Rücktritt des Bundespräsidenten zunutze machen. So hat die Unterwäsche-Marke Blush wenige Minuten nach dem Rücktritt eine neue Kampagne vorgestellt, in der sie erneut das - nun ehemalige - Staatsoberhaupt aufs Korn nimmt. mas
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