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Wochenrückblick: FTD, Red Bull und mehr


von Volker Schütz,
Chefredakteur

Und wieder endet eine dramatische Medienwoche. Alle Welt spricht von schweren Zeiten für Print und der Krise des Qualitätsjournalismus. Dabei zeigt das Ende der  „FTD" vor allen Dingen, dass Verlagsprodukte nur funktionieren, wenn ein (Anzeigen-) und/oder (Leser-)Markt vorhanden ist. Chillout - der ganz subjektive Wochenrückblick von HORIZONT-Chefredakteur Volker Schütz.

 
 „Financial Times Deutschland": Das Aus ist weder ein Sieg des Internet über Print noch ein weiterer Sargnagel für den Qualitätsjournalismus. Auch Zeitungen unterliegen Marktgesetzmäßigkeiten. Und man muss leider konstatieren: Das Produkt „FTD" hat es nicht geschafft, in den zwölf  Jahren seiner Existenz, in Hausse- und Baisse-Zeiten, genügend Anzeigenkunden und Leser zu akquirieren, um ökonomisch erfolgreich zu sein. Statt des Schreckens ohne Ende hat der G+J-Vorstand um Julia Jäkel ein Ende mit Schrecken gewählt. Das wurde zwar miserabel kommuniziert, aber kein Wirtschaftsunternehmen kann es sich leisten, dauerhaft aberwitzige Beträge in einem Faß ohne Boden zu versenken.
Das soll die Fehler des G+J-Managements nicht entschuldigen und auch nicht vergessen machen, dass mit einem Schlag Hunderte intelligenter, kreativer Medienmacher ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Doch Qualitätsjournalismus hat es vor der „FTD" genauso gegeben wie es ihn nach der „FTD" geben wird.
 
Was in deutschen Verlagshäusern gerne übersehen wird: Qualitätsjournalismus ist mehr als die immer wieder vom VDZ  bemühte Einheitsfront von „Bild" bis „Zeit". „Qualitätsjournalismus" liefern Blogger und Autoren wie Sascha Lobo, Stefan Niggemeier oder Thomas Knüwer, um einige Namen zu nennen. Diese Veränderung nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, zeugt von einem gedanklichen Grundgerüst, das bedenklich stimmt. Nicht Print ist in der Krise und auch nicht Qualitätsjournalismus, wohl aber die Geschäftsmodelle mancher Medienhäuser.
 
Gefangen in der Red-Bull-Falle: Burda verleiht Felix Baumgartner den Millenium-Bambi. Man kann eigentlich nur mit einigermaßen großer Erschütterung  zur Kenntnis nehmen, wie sehr sich weltweit werbefinanzierte Medien zur kostenlosen PR-Plattform von Red Bull haben instrumentalisieren lassen. Die technisch aufwendige, auf niedrigstem Voyeurismus basierende Inszenierung („Schafft er es oder schafft er es nicht?") des Weltraum-Sprungs von Felix Baumgartner hat den Hype rund um Content Marketing auf eine ganz neue Stufe katapultiert. Für Ogilvy-Chef Thomas Strerath beweisen die Medien damit „unfreiwillig, dass ihre eigenen Werbeflächen offensichtlich nicht wichtig sind und bezahlte Werbung einen viel zu großen Stellenwert im Mediamix einnimmt". Am Donnerstag erhielt Extrem-Sportler Baumgartner nun noch den „Millennium-Bambi". Begründung der Jury: Baumgartner sorgte auch "für einen globalen Medien-Event durch alle Generationen, wie es ihn seit der Mondlandung in den 60er-Jahren nicht mehr gegeben hat." Ein Bambi für einen globalen Medien-Event, der so gut wie ohne Anzeigen und Spots auskam. Das passt in jedem Fall zum Zeitgeist.
 

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