05.02.2010
Hörfunk
Warum der Deutsche Radiopreis überfällig war
Die deutschen Radiomacher unternehmen mit dem Deutschen Radiopreis einen neuen Anlauf, einen nationalen Radiopreis zu etablieren. Nachdem der erste Versuch, mit den German Radio Awards 2005 einen breitenwirksamen Hörfunkpreis einzurichten, für die Veranstalter in einem finanziellen Desaster endete, stehen die Chancen für einen Erfolg dieses Mal wesentlich besser.
Als die Branche unter der Federführung von Radio Hamburg anno 2005 versuchte, einen nationalen Radiopreis einzuführen, verweigerten sich die öffentlich-rechtlichen Sender. Damit wurden die German Radio Awards zu einem reinen Privatradio-Award mit entsprechend negativen Folgen für die Glaubwürdigkeit der Preise. Dazu kam, dass sich die Veranstalter damals finanziell völlig verhoben. Stephan Schwenk, Initiator der German Radio Awards und damals Geschäftsführer von Radio Hamburg, musste den Sender dem Vernehmen nach auch aus diesem Grund wenig später verlassen. Damit war der erste bundesweite Radiopreis nach einer einzigen Auflage bereits wieder Geschichte.
Der Deutsche Radiopreis 2010 wird dagegen von einem breiten Bündnis öffentlich-rechtlicher und privater Veranstalter getragen. Mit der Stadt Hamburg haben die Veranstalter einen finanzstarken Kooperationspartner an Bord, das Adolf-Grimme-Institut als Betreuer der Jury-Arbeit garantiert eine unabhängige und sachkundige Auswahl der Preisträger. Durch die Beteiligung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die Ausstrahlung der Preisverleihung in den Dritten Programmen der ARD ist zudem eine breitere öffentliche Wahrnehmung als bei den gescheiterten German Radio Awards garantiert.
Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass es der Branche fünf Jahre später endlich gelingt, einen nationalen Radiopreis ins Leben zu rufen, der der Bedeutung der Gattung auch gerecht wird. "Die Preisverleihung soll dazu beitragen, dem Radio in Deutschland den Platz einzuräumen, der ihm zukommt", so die Hoffnung von Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale.
Dass es die Branche erst jetzt schafft, sich zusammenzuraufen und einen nationalen Preis mit der entsprechenden Strahlkraft zu gründen, ist zwar eigentlich ein Armutszeugnis, aber auch nicht besonders verwunderlich. Denn trotz der gemeinsamen Arbeit in der 2005 gegründeten Gattungsinitiative Radiozentrale sind sich private und öffentlich-rechtliche Radiomacher nach wie vor spinnefeind. Egal ob Frequenzen, Internetaktivitäten oder Werbevermarktung - die Konfliktlinien zwischen den privatwirtschaftlichen Sendern und den öffentlich-rechtlichen Anstalten sind ebenso zahlreich wie heiß umkämpft. Man kann der Branche nur wünschen, dass der Deutsche Radiopreis ein Erfolg wird und der gesamten Gattung wieder Auftrieb verschafft. Der Deutsche Radiopreis wird erstmals am 17. September 2010 in Rahmen einer festlichen Gala in Hamburg verliehen. dh
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