03.08.2009
Zukunftsstrategie
WAZ-Chef Hombach über das gute Leben von Google
Eine weitere Stimme in der Anti-Google-Front der Verlage meldet sich zu Wort. Nachdem zuletzt VDZ-Chef und Verleger Hubert Burda im „Manager Magazin"-Interview sich für ein erweitertes Leistungsschutzrecht für Medienhäuser eingesetzt hatte und von Google einen "Fair Share" eingefordert hat, ist der Suchmaschinen-Gigant auch im "Focus"-Interview mit WAZ-Chef Bodo Hombach Thema.
Auf den Vorwurf, auch die WAZ-Gruppe verfüge wie die anderen Verlage über kein Geschäftsmodell im Internet, antwortet der ehemalige Bundeskanzleramts-Chef: "Google lebt gut davon, unser aller Wissen und Leistung zu vermitteln." Das "Erfolgsmodell" für Verlage bestünde derzeit vor allen Dingen darin, „den Kunden der Zukunft" genau zu studieren. Hombach im "Focus": "Online befördert das Print-Geschäft und lebt gleichzeitig davon. Wir wollen möglichst viele Optionen für künftige Nutzer entwickeln."
"Qualitätsjournalismus, unser Kerngeschäft, wird wichtiger und immer gefragt werden." In welcher Form Online nun genau Print befördert, das verrät der WAZ-Stratege Hombach freilich nicht... vs
- Medien 24. Juli 2009: Verlage vs. Google: Warum Fair Share nicht hilft
- Medien 24. Juli 2009: Verleger Hubert Burda fordert weitere Fassung des Leistungsschutz
- Medien 1. Juli 2009: Verleger vs. Google: Nach Burda fordert auch Würtenberger Internet-Abgabe für PCs
- Klartext 28. Januar 2009: Nur ein paar lausige Pennys
Felipe Schwindler sagte am 03.08.2009 um 11:42
Marketingverantwortlicher
Es ist schade, das Medienhäuser sich nicht anders zu wehren wissen, als einen Schuldigen zu suchen, der nichts für die hausgemachte Misere kann. Viele Jahre haben Verlage überdurchschnittlich Geld verdient, sich aber um den Kostenblock nicht wirklich gekümmert. Medienhäuser haben einen hervorragenden Content zu bieten, schaffen es aber nicht, dieses gewinnbringend auf ihren Onlineseiten zu platzieren; es wird immer noch in tradierter TKP-Modellen gelebt, immer noch auf den Nutzer störenden Displaybanner gesetzt und die Köpfe, nicht nur der Verkaufsmannschaft, leben immer noch in den guten alten Zeiten.
Holger Kremers sagte am 03.08.2009 um 14:14
Nachrichtenerzeuger
Also ich finde, dass die Nachrichtenerzeuger, über die die Medienhäuser berichten, durch Ihre Handlungen, die zu den Nachrichten der Journalisten führen, einen erheblichen Anteil an der Schöpfung haben, für die die Medienhäuser jetzt Geld von Google haben wollen. Also dürfte davon nicht viel übrig bleiben, wenn Sie wirklich für "Fair-Share" sind. Ich weiss, viel Ironie, aber so sehe ich die Forderungen der Medienfirmen. Nur weil jemand pfiffiger in der Vermarktung seines Geschäftsmodell ist, was abhaben wollen... Man stelle sich vor, ein Dienstleister für Galsrecycling müsste Geld an die Getränkeindustrie abführen, weil ohne deren Inverkehrbringung von Einwegflaschen sein gut laufendes Geschäft nicht möglich wäre... Undenkbar...
Johannes F. Woll sagte am 03.08.2009 um 17:47
Paradigmenwechsel
Nach Bodo Hombach lebe Google »gut davon, unser aller Wissen und Leistung zu vermitteln.« Was soll's, wird sich der geneigte Leser fragen, schließlich lebten bislang die Verlage - auch die WAZ - recht gut davon. Was die traditionellen Verlagshäuser schmerzt, ist, dass sie hier reichlich Marktanteile abgegeben haben. Ursprünglich dominierten sie das Geschäft. Heute ist Google der größte und erfolgreichste Verlag. Qualitätsjournalismus ist - eine weitere bittere Erkenntnis - das Geschäft von Qualitätsjournalisten, nicht von Verlagen. Verlage verbreiteten ihn. Ich frage mich, was sie zukünftig noch leisten können, leisten wollen? Das werden uns aber nicht die Verlage, sondern die Nutzer (Leser, User, Kon- und Prosumenten) weisen.
Marktwirtschaftler sagte am 04.08.2009 um 13:59
Ganz was Neues
Die deutschen Zeitungsverlage sehen sich mit etwas ganz Neuem und für sie unbekannten konfrontiert: WETTBEWERB. Sowas gab's ja noch nie! Plötzlich benötigt man sowas wie eine STRATEGIE. Sowas gab's auch noch nie! Bereits vollkommen überfordert von den strukturellen Veränderungen kommt dann auch noch der schwache Werbemarkt. Da kann man doch nur noch verzweifelt nach Proktektionismus rufen. Oder???Weitere Nachrichten aus Medien vom 03.08.2009:
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