Protest
24.02.2010
Verleger formieren sich gegen Zensur durch Apple
Unter den deutschen Verlagen formiert sich Widerstand gegen eine willkürliche Zensur von Applikationen durch Apple. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", sagt Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ gegenüber Spiegel Online.
Heute passten dem Konzern nur nackte Brüste und andere angeblich sexistische Inhalte nicht, "und morgen sind es wichtige gesellschaftliche und politische Themen, die den Verantwortlichen von Apple missfallen. Das ist Zensur und davor müssen wir uns schützen".
Fürstner will die Verlage nun auf eine gemeinsame Position einschwören: In der kommenden Woche tagt der Weltverband der Verleger FIPP in Berlin. Dort will Fürstner darauf hinwirken, dass die Verleger geschlossen bei Apple vorstellig werden, um ihr Anliegen vorzubringen. Wir werden erst einmal für Verständnis werben und Apple ist ein willkommener Partner. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen", so Fürstner. "In keinem deutschen Verlag wird ein Geschäftsmodell eine Chance haben, bei dem sich die Verleger dem Diktat von Apple unterwerfen müssen und ihre Pressefreiheit der Marktmacht von Apple opfern."
Apple hatte in den vergangenen Wochen mehrere Tausend Apps mit erotischen Inhalten ohne Vorwarnung aus dem App Store geworfen und damit den Ärger der Verleger auf sich gezogen. Diese stören sich vor allem daran, dass es keine klaren Regeln für die Inhalte der Apps gibt. So flog die App des "Stern" wegen einer vergleichsweise harmlosen Bildergalerie aus dem Angebot, während dezidierte Erotik-Angebote zum Beispiel von "Playboy" oder "FHM" auch weiter zugänglich sind. "Wenn Apple vorher klare Regeln vorgegeben und gesagt hätte, 'nacktes Fleisch verstößt gegen unsere ethischen Grundregeln', wären das nachvollziehbare Bedingungen, dafür könnte man noch Verständnis haben", sagte Fürstner. Eine nachträgliche Entfernung von Inhalten sei aber nicht hinnehmbar. "Die Verlage müssen nun mit allergrößter Sorgfalt solche Fragen klären, bevor sie sich mit Apple einlassen, sonst kann man ihnen nur raten, die Finger davon zu lassen", so Fürstners Rat. dh
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