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30.01.2008

Wirtschaftstitel

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Tinte ist trocken: G+J kauft die „FTD“ komplett


Die "FTD" ist nun ganz in der Hand von G+J 

Die "FTD" ist nun ganz in der Hand von G+J

Jetzt ist es offiziell: Wie HORIZONT.NET bereits vor zwei Wochen gemeldet hat, übernimmt Gruner + Jahr das Wirtschaftsblatt „Financial Times Deutschland“ („FTD“) rückwirkend zum 1. Januar 2008 komplett.

 
Bisher besaß der Hamburger Großverlag die Hälfte der Anteile, die übrigen 50 Prozent hielt die britische Pearson-Gruppe. G+J gliedert die „FTD“, die ebenfalls in der Hansestadt sitzt, in seiner Sparte Wirtschaftsmedien („Capital“, „Impulse“, „Börse Online“) ein, die bisher in Köln beheimatet ist. Das wird sich, wie ebenfalls bereits vor zwei Wochen in HORIZONT.NET beschrieben, ändern: Die Verlagsabteilungen der G+J-Wirtschaftsmedien werden mit rund 20 Mitarbeitern und Geschäftsführerin Ingrid Haas nach Hamburg ziehen (siehe Kasten). Die Redaktionen bleiben in Köln („Capital“, „Impulse“) und München („Börse Online“).

Geschäftsführerin Ingrid Haas: Die Multi-Medien-Ausrichtung der G+J Wirtschaftsmedien gewinnt mit der ,FTD‘ neue Dynamik.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Schätzungen zufolge liegt er bei insgesamt 15 Millionen Euro. Die Hälfte ist angeblich sofort fällig, der Rest über zehn Jahre verteilt als Lizenzgebühren. „Es wurde ein lang laufender Lizenzvertrag mit der Financial Times Group vereinbart, der die Markennutzungsrechte sowie die redaktionelle Kooperation mit der ,Financial Times‘ regelt“, teilt G+J mit. Im vergangenen Herbst, als die Übernahme von Pearsons 50-Prozent-Anteil durch den Spiegel-Verlag im Gespräch war, war ein Kaufpreis von etwa 10 Millionen Euro kolportiert worden – zuzüglich Lizenzzahlungen in ähnlicher Höhe. Das Kartellamt muss jetzt dem Deal noch zustimmen.
 
G+J-Chef Bernd Kundrun hat sich die "FTD" komplett gesichert 

G+J-Chef Bernd Kundrun hat sich die "FTD" komplett gesichert

Nun gilt es für G+J, möglichst viele Synergien innerhalb seiner Wirtschaftssparte zu nutzen, um die journalistisch renommierte, aber seit ihrem Marktstart Anfang 2000 defizitäre „FTD“ in die schwarzen Zahlen zu bringen – zumal das Potenzial für weiteres Anzeigen- und Auflagenwachstum begrenzt scheint. Dem Vernehmen nach erwirtschaftete das Blatt im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 8 Millionen Euro. G+J besorgt bereits jetzt den Vertrieb und Teile des Anzeigenverkaufs für die „FTD“; die Online-Vermarktung liegt in den Händen der „Spiegel“-Tochter Quality Channel.
 
  Gruner + Jahr-Deutschlandvorstand Bernd Buchholz erklärt, die „FTD“ werde für den Ausbau der G+J-Wirtschaftssparte „in digitale und virtuelle Welten“ durch tagesaktuelle Informationen „einen wichtigen und publizistisch hochwertigen Beitrag leisten“. Mit der Steuerung der Verlagsgruppe aus einer Hand entstünden für G+J „neue Wachstumsschübe und Möglichkeiten der Marktbearbeitung“, so Buchholz. Auch Verlagsgeschäftsführerin Haas jubelt: „Die Multi-Medien-Ausrichtung der G+J Wirtschaftsmedien gewinnt mit der ,FTD‘ neue Dynamik. In der Vermarktung eröffnet uns dies Optionen, die wir in dieser Form zuvor nicht anbieten konnten.“ Offen bleibt da bisher jedoch die Frage, warum das alles nicht schon früher gegolten hat – denn zunächst hatte G+J eine Übernahme des 50-Prozent-Anteils durch den Spiegel-Verlag favorisiert.
 

Personalien

Christoph Rüth bleibt Geschäftsführer der „FTD". Er wird zusätzlich stellvertretender Geschäftsführer der G+J Wirtschaftsmedien und berichtet damit an Verlagsgeschäftsführerin Ingrid Haas. Neuer Gesamtanzeigenleiter der G+J Wirtschaftsmedien wird Mario Suchert, bisher Anzeigenleiter der „FTD". Matthias Großmann bleibt am Standort Köln Verlagsleiter für „Capital" und „Impulse". Jan Honsel bleibt in gleicher Position von München aus für „Börse Online" zuständig.

Die Pearson-Gruppe, seit dem Start der „FTD“ Anfang 2000 Gruner + Jahrs Joint-Venture-Partner, wollte ihren Anteil auch aus strategischen Gründen seit Monaten verkaufen. Im Herbst vergangenen Jahres war eine Übernahme der 50 Prozent durch den Spiegel-Verlag gescheitert. Dessen Hauptgesellschafter, die Mitarbeiter KG, hatte den Deal abgelehnt. Danach hatte Pearson nicht nur mit G+J, sondern offenbar auch mit Finanzinvestoren sowie anderen Verlagen – etwa der Holtzbrinck-Gruppe („Handelsblatt“) und der „Süddeutschen Zeitung“ – verhandelt. Doch G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun und sein Vorstandskollege Bernd Buchholz haben zugegriffen – offenbar gegen Bedenken des G+J-Mehrheitseigners Bertelsmann und entgegen der bisherigen G+J-Strategie, Zeitungen nicht mehr als Kerngeschäft zu führen.
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