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von Juliane Paperlein,
Ressortleiterin Medien

Strategieschwenk: Bertelsmann erteilt großen Zukäufen eine Absage


Bertelsmann erteilt großen Akquisitionen eine Absage 

Bertelsmann erteilt großen Akquisitionen eine Absage

Die Strategie "Take the lead, go for growth, create value", die Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski seit seinem Amtsantritt 2008 verfolgt, liegt auf Eis. Mit der Präsentation der Halbjahreszahlen hat der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Medienkonzern vor allem größeren Invesitionen eine Absage erteilt.
 
Im 1. Halbjahr hatte der Konzern laut Finanzvorstand Thomas Rabe noch 290 Millionen Euro netto investiert, brutto 381 Millionen Euro - rund 50 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch Zukäufe zu wachsen, schließt der Konzern jedoch für die nächste Zeit weitgehend aus. "Unser Schwerpunkt liegt momentan nicht im Bereich Akquisitionen", sagte Rabe gegenüber Journalisten. 
Noch deutlicher wird der vorübergehende Akquisitionsstopp im Halbjahresbericht: "Wesentliche Umsatzbeiträge aus Akquisitionen werden nicht erwartet, da angesichts der bestehenden Unsicherheit keine größeren Investitionen und Akquisitionen für 2009 durchgeführt wurden oder geplant sind." In der Vergangenheit hatte Bertelsmann stets betont, trotz der Konzernverschuldung von aktuell 6,834 Milliarden Euro (Stand: 30.6.2009) auch größere Invesitionen für seine Töchter, zu denen unter anderem die werbeabhängigen Sparten RTL Group und Gruner + Jahr gehören, stemmen zu können. 
 
Bertelsmann-Chef Ostrowski legt Zukäufe auf Eis 

Bertelsmann-Chef Ostrowski legt Zukäufe auf Eis

Gerade die RTL Group hatte in den vergangenen Jahren ihre Gewinne stets zu großen Teilen nach Gütersloh abgeführt - offiziell immer mit der Zusage, dass sie bei größeren Übernahmen mit finanzieller Unterstützung rechnen könne. Noch im März hatte Ostrowski im HORIZONT-Interview betont, dass die Investitionen 2009 ähnlich hoch sein könnten wie 2008 - das hätte rund einer Milliarde Euro entsprochen.
 
Nun sind die Sparten vor allem auf die eigene Innovationskraft angewiesen. Statt Investitionen zu forcieren, lautet das Ziel "bestehende Geschäfte zu stabilisieren, Liquidität zu schonen und das Ergebnis zu sichern". Dazu hat Ostrowski das seit einigen Monaten wirksame "2+5-Programm" vorgestellt, mit dem der Konzern bis Jahresende über 900 Millionen Euro sparen will, um den Verlust von rund 333 Millionen Euro im 1. Halbjahr möglichst auszugleichen. Es beinhaltet neben der Sicherung der Finanzierung, die Optimierung des bestehenden Geschäfts, den Aufbau von Führungspersönlichkeiten und die Überprüfung des Portfolios. Als Punkt 5 nennt Ostrowski "Wachstumspotenziale nutzen".
 
Mit dem "2+5-Programm" will Ostrowski Bertelsmann "fit machen", um bei einem konjunkturellen Aufschwung zukunftsträchtig aufgestellt zu sein. Es soll vor allem im 2. Halbjahr zu erheblichen finanziellen Entlastungen auf der Kostenseite führen. pap
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