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„Stern“-Geschäftsführer Thomas Lindner: „Das Projekt ist kein Rationalisierungsprogramm"


von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Der Umbau bei Gruner + Jahr geht weiter

Der Umbau bei Gruner + Jahr geht weiter


Neue Kommandoebenen im Sternenkreuzer: Gruner + Jahrs „Stern" verpasst sich in den kommenden Wochen nicht nur einen Relaunch, sondern passend dazu auch eine neue Redaktionsstruktur. Laut Verlagsgeschäftsführer Thomas Lindner ist dies „sicherlich die entschiedenste Strukturveränderung der vergangenen 20 ,Stern‘-Jahre". Dabei entsteht eine Matrix, in der nicht jeder gewinnt.

 
Konkret wird es - wie berichtet - eine neue Ebene geben mit sechs „Managing Editors". Diese sind als Blatt- oder Sitemacher jeweils für einen der künftig vier Heftteile oder zwei digitalen Bereiche (Online, New Channels) verantwortlich. Sie greifen dafür auf neu zugeschnittene Ressorts zu, die die fachliche Verantwortung für ihre Themen haben und Ideen entwickeln. Neben den Managing Editors und Ressortleitern gibt es Teams von Redakteuren und Autoren, auf die und deren Ideen wiederum die Ressortleiter zugreifen.
Exklusiv in HORIZONT.NET äußert sich Lindner zu Hintergründen, Zielen - und zur Frage eines möglichen Stellenabbaus.
 
Führt Redaktionen von „Stern" und Stern.de zusammen: Geschäftsführer Thomas Lindner 

Führt Redaktionen von „Stern" und Stern.de zusammen: Geschäftsführer Thomas Lindner

"Ohne Enthusiasmus der Redaktion kann es nicht gelingen"


 
Herr Lindner, warum bauen Sie so radikal um? Unsere geplante neue Heftstruktur erfordert andere, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Arbeiten an Themen, die nicht eindeutig einem der klassischen Ressorts zuzuordnen sind. Und ohne starre Zuordnung können unsere Journalisten leichter über unterschiedliche Themen schreiben. Diesen Wunsch haben sie oft geäußert.
 
Es entsteht eine Matrixstruktur, bei der viele Führungsposten wegfallen, besonders in den Ressortleitungen. Zumal es künftig nur noch vier statt sieben Ressorts gibt, und diese jeweils mit deutlich verringerter Mannschaftsstärke. Das wird ordentlich Widerstand geben. Ich glaube das nicht, der Drang nach Veränderungen ist auf allen Ebenen groß. Wenn Organisationen zu lange nicht verändert werden, verwischt oft die Grenze zwischen Gewohnheit und Notwendigkeit. Viele Kollegen haben das längst erkannt und immer wieder Veränderungen eingefordert, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Themenfreiheit. Das ist auch wichtig, denn ohne den Enthusiasmus der Redaktion kann uns der neue „Stern" nicht gelingen. Richtig ist aber auch: Einige Redakteure werden sich nach der Reorganisation nicht mehr auf ihrem bisherigen Platz wieder finden - und nicht jedem wird das Recht sein.
 
Und was bedeutet das alles für Stern.de? Die Leser nehmen Heft und Portal als gemeinsame Medienmarke wahr. Das erfordert Markenführung und Produktion aus einer Hand. Deshalb führen wir die Redaktionen von „Stern" und Stern.de im Laufe des Jahres zusammen. So stärken wir das digitale Verständnis der Print-Kollegen, können Themen endlich multimedial denken, verbessern das journalistische Produkt und auch die Effizienz.
 
Wird Stern.de denn weiterhin einen eigenen Chefredakteur haben? Führung und Ausrichtung des Stern in digitalen Kanälen bleibt Aufgabe der „Stern"-Chefredaktion. Es wird zudem zwei Managing Editors mit entsprechender Zuständigkeit geben, die wie die drei Blattmacher unterhalb der „Stern"-Chefredaktion agieren. Sie können mit den Ressorts und Autoren arbeiten wie die Blattmacher.
 
Bisher umfasst die Print-Redaktion etwa 200 volle Stellen und Stern.de rund 30. Wie viele Stellen fallen durch den Umbau weg? Das Projekt ist kein Rationalisierungsprogramm. Wir können allerdings nicht ausschließen, dass sich der eine oder andere Kollege nicht auf seiner persönlichen Traumposition wieder findet oder der neuen Struktur kein Vertrauen schenkt. In solchen Konfliktfällen wäre der Verlag gesprächsbereit.
 
Heißt wohl: Dann trennt man sich eben. Doch was ist, wenn jeder zufrieden ist oder sich fügt, weil der Arbeitsmarkt ja gerade kaum Alternativen bietet? Dann bleibt die Stellenzahl gleich? Ich denke, dass sich die neue Chefredaktion anschaut, mit wem sie in die Zukunft gehen will. Und dass es hier zu einzelnen Gesprächen kommt. Das alles werden wir sehen.
 
Darf der neue Chefredakteur Dominik Wichmann auch Leute einstellen? Das darf er. Wir sind uns aber über die Situation einig: Der Rückgang von Werbeerlösen und Auflagen ist eine Marktrealität, die auch uns weniger Investitionsmittel zur Verfügung stellt. Wir müssen also mit weniger Geld auskommen - und das bedeutet langfristig: mit weniger Personal, auch in der Redaktion. Denn der „Stern" braucht weiterhin eine vernünftige Profitabilität, um weiter unabhängig agieren zu können. Der deutlich wirkungsvollere Hebel hierfür liegt beim „Stern" allerdings in den Erlösen. Deshalb ist unser wichtigstes Ziel, den „Stern" erfolgreicher zu machen, in Print und Online. Interview: Roland Pimpl

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