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Digitalstrategie

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

"Stern"-Chef Lindner enthüllt das Geschäftsmodell seines E-Magazins

Seite 1/2
30.03.2010


 
Der Vorhang öffnet sich: Kurz nach der Präsentation einer ersten, noch unfertigen Demo-Version des künftigen E-Magazins des "Stern" in der vergangenen Woche werden nun die Eckpfeiler des dahinterstehenden Geschäftsmodells sichtbar. Und die Gründe, warum ein anfangs kleines "Stern"-Team seit April 2009 an dem Projekt bastelt, seit einem Zeitpunkt also, zu dem noch kaum jemand von iPad und Co geredet hat. Doch der Hype um die Tablets verschafft dem G+J-Großprojekt, ursprünglich für normale Desktop-Rechner begonnen, nun besondere Schubkraft.
"Der 'Stern' erzeugt sein Produkterlebnis durch die einzigartige Auswahl und Kombination bestimmter Texte, Bilder und Emotionen", sagt Geschäftsführer Thomas Lindner im Gespräch mit HORIZONT.NET. Und mit dem "Stern eMagazine", einem mit Beginn und Ende "klar abgegrenztem Medienprodukt", könne man dieses Erlebnis besser erzeugen als im Internet, welches Inhalte grundsätzlich in großer Tiefe fragmentiere und damit die Mischung und ganzheitliche Darstellung einer Medienmarke erschwere.
 
So könnte das "Stern eMagazine" auf dem WePad aussehen ... 

So könnte das "Stern eMagazine" auf dem WePad aussehen ...

Man könnte auch sagen: Lindner hat nach einem besseren digitalen Gefäß für die vielzitierte "Wundertüte 'Stern'" gesucht - und will es im E-Magazin gefunden haben. Es lehnt sich im Layout ans Heft an und soll im Gegensatz zu pdf- und E-Papern multimediales Konsumieren (Text, Video, Audio, Flash) ebenso erlauben wie inhaltliche Verknüpfungen, individuelle Sortierungen, Archivierung sowie Recherchen im „Stern E-Magazine"-Archiv, bei Stern.de sowie in Blogs, Twitter und Wikipedia. Inhalt und Layout sollen sich automatisch an alle Bildschirme anpassen. Und das E-Magazin soll kostenpflichtig werden - der Einstieg in Paid Content.
 
Irgendwann in den kommenden Monaten soll das "Stern eMagazine" starten. Anfangs thematisch eng an den Print-"Stern" angelehnt - als zeitlicher Tribut an die Komplexität der technischen Umsetzung sowie an die Lesergewohnheiten -, könnte es sich sukzessive als eigenständiges Format vom Heft emanzipieren, mit zusätzlichen multimedialen journalistischen Darstellungen. "Es ist Aufgabe der Chefredaktion, die redaktionellen Inhalte kanalspezifisch für Print, fürs E-Magazine und fürs Web zu erstellen, auszuwählen und auszutarieren", sagt Lindner. Vielleicht ja so: Das Web zum schnellen Überblick, für aktuelle Nachrichten. Das kostenpflichtige E-Magazin für vertiefte Infos und Unterhaltung in entspannter Nutzungssituation mit dem Tablet auf dem Sofa; für Services wie die Organisation von Inhalten. Und das Heft als Hochglanzausdruck der besten Inhalte.
 
Am Anfang sei das „Stern"-E-Magazin an den Workflow und damit an die wöchentliche Erscheinungsfrequenz des Heftes gebunden. Doch über kurz oder lang soll sich das Produkt nach den Wünschen der Nutzer und den Möglichkeiten der Technik entsprechend weiter entwickeln: „Die Vision ist ein sich kontinuierlich aktualisierendes ,lebendes‘ digitales Magazin", erklärt der Geschäftsführer.
 
... und so auf dem iPad. 

... und so auf dem iPad.

Linders Geschäftsmodell fürs "Stern"-E-Magazin ruht auf drei Säulen. Die erste ist Paid Content/Service, zusammengefasst in einem Copypreis zwischen 2,60 und 3 Euro, am Ende vielleicht 2,99 Euro pro Ausgabe. Zuvor gibt es eine mehrwöchige günstigere Einführungsphase. Der E-Magazin-Preis müsse unter dem des Heftes (derzeit 3,20 Euro, mit Option in Richtung 3,50 Euro) liegen, sagt Lindner mit Verweis auf preissensible Zielgruppen und die Nutzererwartung bei digitalen, nicht-physischen Produkten: Wer es anders herum mache, wolle "in Wirklichkeit eher defensiv sein Printprodukt schützen", so Lindner. (Print-) Abonnenten sollen indes deutlich weniger zahlen. Durch flexible Laufzeiten (bis herunter auf vier Wochen) und kürzere Kündigungsfristen sollen Abo-Bindungsängste minimiert werden. Derzeit arbeiten die "Stern"-Tüftler an der Integration von Micropayment-Systemen wie Clickandbuy. Bis Mitte 2011 will Lindner ungefähr 10.000 zahlende Nutzer gewonnen haben.
 
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