Spiegel Verlag
17.06.2008
Stefan Aust macht SPD für seinen Sturz beim "Spiegel" mitverantwortlich
Der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust beschuldigt die SPD, für seinen Sturz mitverantwortlich zu sein. In einem Gespräch mit der Zeitschrift "Cicero", aus dem die Nachrichtenagentur AP vorab zitiert, beschreibt er seinen Rauswurf Ende 2007 als Intrige der Sozialdemokraten. Danach sagte Aust, nach der negativen Berichterstattung des "Spiegel" über die SPD im Wahljahr 2005 hätten Funktionäre in der Berliner Parteizentrale beschlossen, einen Mann ihres Vertrauens in die Chefetage des Nachrichtenmagazins zu lancieren: Mario Frank, den damaligen Chef des Dresdner Druck- und Verlagshauses ("Sächsische Zeitung"), das Gruner + Jahr und der SPD-Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) gehört. Frank ist seit Anfang 2007 Geschäftsführer des "Spiegel".
DDVG-Geschäftsführer Gerd Walter bezeichnete die Vorwürfe laut AP und "Cicero" als absurd. Aust kommentierte die Ende April offensichtlich beschlossene Ablösung von Frank selbst so: "Das ist so wie in der Komödie: Wie werd' ich meinen Auftragskiller wieder los." Der 61-jährige Ex-Chefredakteur zeigt sich enttäuscht von seinen ehemaligen Mitarbeitern: "Wie Leute, mit denen ich gut zusammengearbeitet hatte, von heute auf morgen illoyal wurden, wie sie sich anderen vor die Füße warfen oder wie sie sich duckten, um in Demut einen neuen Machthaber zu erwarten, das ist schon eine interessante Erfahrung." Aust hatte gegen die Kündigung seines Vertrags geklagt und war formal Anfang Februar mit sofortiger Wirkung nach 13 Jahren als Chefredakteur abberufen worden; er einigte sich schließlich außergerichtlich mit dem Verlag. Beim "Spiegel" will man Austs Vorwürfe nicht kommentieren. Hinter den Kulissen heißt es dort, man könne nicht glauben, dass sich Aust derart verschwörungstheoretisch geäußert habe – für derart krude Thesen sei er doch eigentlich viel zu intelligent.
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