Leistungsschutzrecht
05.12.2012
Springer-Lobbyist Christoph Keese: "Google ist eine Art Taliban"

Christoph Keese, oberster Lobbyist im Verlag Axel Springer, möchte Geld von Google und Co.
Der Ton wird schärfer, seit der dritte Entwurf des umstrittenen Leistungsschutzrechtes am vergangenen Donnerstag auf der Tagesordnung im Bundestag stand. In dem Papier fordern Presseverlage Geld für die kommerzielle Nutzung ihrer Online-Artikel und anderer Inhalte. Zwei Tage vorher hatte die Suchmaschine Google mit einer eigenen Online-Kampagne Internetnutzer dazu aufgerufen, gegen das geplante Gesetz zu protestieren. „So sieht es aus, wenn Netzmonopolisten Politik machen", kommentiert Springer-Manager Keese, zugleich urheberrechtspolitischer Sprecher beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im Gespräch mit HORIZONT (Ausgabe 49/2012) das Vorgehen Googles.
Für uns ist die Krux an der Diskussion um das Leistungsschutzrecht: Wieso sperren die Verlage die Snippets für Google nicht einfach schon jetzt? Wie sollen wir die denn sperren? Jetzt sagen Sie: mit Robots.txt. Und was geschieht dann? Man wird bei jeder Suchmaschine und jedem Aggregator unsichtbar. An oder Aus für alle und alles - das ist die einzige Wahl, die einem Robots.txt lässt. Diese Technologie stammt aus der Steinzeit des Webs. Sie ist hoffnungslos veraltet und in keiner Weise mehr zukunftstauglich. Darauf haben die Verlage schon vor einem halben Jahrzehnt hingewiesen. Sie haben dafür geworben, dass maschinenlesbare Rechte-Sprachen entwickelt werden, die differenzierte Nutzungsbedingungen ausdrücken. Warum soll ein Verlag nicht sagen dürfen, für wen und in welchen Auszügen ein Text für welchen Preis gewerblich kopierbar oder nicht kopierbar sein soll? Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt.
Google bringt über Google News immerhin Klicks auf die Websites der Verlage, die sie monetarisieren können. Für Google bereits eine „geldwerte Leistung". Seit wann darf ein Partner bei einem Tauschgeschäft allein bestimmen, was fair ist und was nicht? Dazu gehören nun mal zwei. Richtig, Aggregatoren bringen Traffic. Aber längst nicht jeder, der bei Google News die Zusammenfassungen liest, klickt auf die Originalseiten durch. Viele Leute, die es eilig haben, bleiben auf Google News und landen gar nicht mehr beim Original. Google News ist ein gewaltiger Traffic-Magnet für Google. Von dort aus lockt das Unternehmen die User geschickt in die unzähligen Angebote der „Company Town". Geschickt gemacht, aber es ist nicht einzusehen, warum die Verlage die Sortierung, Gewichtung und Aufbereitung der Nachrichten verschenken sollten. Ja, Verlage bekommen Traffic zugeliefert und ja, Verlage können diesen Traffic auch monetarisieren. Aber nein, die Leistung ist nicht mehr gleichwertig, weil bei den Aggregatoren eine höhere Wertschöpfung anfällt. kl
Das ausführliche Interview mit Christoph Keese lesen Sie heute ab 17 Uhr in der HORIZONT iPad-Ausgabe und morgen in der Print-Ausgabe von HORIZONT
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