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Springer-Lobbyist Christoph Keese: "Google ist eine Art Taliban"


von Katrin Lang,
Redakteurin Medien

Christoph Keese, oberster Lobbyist im Verlag Axel Springer, möchte Geld von Google und Co.

Christoph Keese, oberster Lobbyist im Verlag Axel Springer, möchte Geld von Google und Co.

Im Kampf um ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage fährt Axel Springer schwere Geschütze auf. In der „Zeit" vergleicht Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner Google mit einer „Hehlerbande", im Interview mit HORIZONT bezeichnet Chef-Lobbyist Christoph Keese den US-Konzern als „eine Art Taliban", der sich gegen jeden Fortschritt wehrt und zu keinerlei Verhandlungen bereit sei.
 
Der Ton wird schärfer, seit der dritte Entwurf des umstrittenen Leistungsschutzrechtes am vergangenen Donnerstag auf der Tagesordnung im Bundestag stand. In dem Papier fordern Presseverlage Geld für die kommerzielle Nutzung ihrer Online-Artikel und anderer Inhalte. Zwei Tage vorher hatte die Suchmaschine Google mit einer eigenen Online-Kampagne Internetnutzer dazu aufgerufen, gegen das geplante Gesetz zu protestieren. „So sieht es aus, wenn Netzmonopolisten Politik machen", kommentiert Springer-Manager Keese, zugleich urheberrechtspolitischer Sprecher beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im Gespräch mit HORIZONT (Ausgabe 49/2012) das Vorgehen Googles.
Herr Keese, seit vergangener Woche macht Google mit einer eigenen Kampagne massiv Stimmung gegen das Leistungsschutzrecht. Wie reagieren Sie darauf? Wir blicken in eine düstere Zukunft. So sieht es aus, wenn Netzmonopolisten Politik machen. Mal eben die Homepage zu benutzen, um Stimmung für die eigene Sache anzufachen - das würden sich die Verlage niemals leisten. Wenn sie es täten, würde ein Sturm der Empörung über sie hereinbrechen. Zu Recht! Googles Monopolisten-Meinungsmarkt dagegen wird durch nichts kontrolliert. Plattformregulierung, Pressekodex, Pressegesetze - alles Fehlanzeige.
 
Für uns ist die Krux an der Diskussion um das Leistungsschutzrecht: Wieso sperren die Verlage die Snippets für Google nicht einfach schon jetzt? Wie sollen wir die denn sperren? Jetzt sagen Sie: mit Robots.txt. Und was geschieht dann? Man wird bei jeder Suchmaschine und jedem Aggregator unsichtbar. An oder Aus für alle und alles - das ist die einzige Wahl, die einem Robots.txt lässt. Diese Technologie stammt aus der Steinzeit des Webs. Sie ist hoffnungslos veraltet und in keiner Weise mehr zukunftstauglich. Darauf haben die Verlage schon vor einem halben Jahrzehnt hingewiesen. Sie haben dafür geworben, dass maschinenlesbare Rechte-Sprachen entwickelt werden, die differenzierte Nutzungsbedingungen ausdrücken. Warum soll ein Verlag nicht sagen dürfen, für wen und in welchen Auszügen ein Text für welchen Preis gewerblich kopierbar oder nicht kopierbar sein soll? Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt.
 
Google bringt über Google News immerhin Klicks auf die Websites der Verlage, die sie monetarisieren können. Für Google bereits eine „geldwerte Leistung". Seit wann darf ein Partner bei einem Tauschgeschäft allein bestimmen, was fair ist und was nicht? Dazu gehören nun mal zwei. Richtig, Aggregatoren bringen Traffic. Aber längst nicht jeder, der bei Google News die Zusammenfassungen liest, klickt auf die Originalseiten durch. Viele Leute, die es eilig haben, bleiben auf Google News und landen gar nicht mehr beim Original. Google News ist ein gewaltiger Traffic-Magnet für Google. Von dort aus lockt das Unternehmen die User geschickt in die unzähligen Angebote der „Company Town". Geschickt gemacht, aber es ist nicht einzusehen, warum die Verlage die Sortierung, Gewichtung und Aufbereitung der Nachrichten verschenken sollten. Ja, Verlage bekommen Traffic zugeliefert und ja, Verlage können diesen Traffic auch monetarisieren. Aber nein, die Leistung ist nicht mehr gleichwertig, weil bei den Aggregatoren eine höhere Wertschöpfung anfällt. kl
 
Das ausführliche Interview mit Christoph Keese lesen Sie heute ab 17 Uhr in der HORIZONT iPad-Ausgabe und morgen in der Print-Ausgabe von HORIZONT

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