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14.12.2009

Zoff

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

"Spiegel": Warum Verlagsleiter Christian Schlottau wirklich gehen muss

Seite 1/2
14.12.2009

Verlässt den "Spiegel": Christian Schlottau 

Verlässt den "Spiegel": Christian Schlottau

Und noch eine Paukenschlag-Personalie kurz vor Weihnachten, offiziell verkündet am Freitagabend vor dem 3. Advent - zu einem Zeitpunkt also, an dem die Verantwortlichen mit nur minimalen Reaktionen und Interpretationen rechnen mussten: „Spiegel"-Verlagsleiter Christian Schlottau, 52, verlässt das Haus zum Jahresende, laut Presseinfo „in bestem Einvernehmen und aller Freundschaft". Und das stimmt sogar - wenn man es allein auf Geschäftsführer Ove Saffe bezieht. Beide kennen sich seit Jahrzehnten, sind privat befreundet, inklusive beider Familien.

 
Hinzu kommt die Pikanterie, dass Schlottau früher einmal Saffes Chef war - nun war es umgekehrt. Es muss Saffe schwer fallen, sich von Schlottau zu trennen. Dass er es nun trotzdem tut, zeigt, dass Saffe keine Sentimentalitäten kennt, wenn er glaubt, es nütze dem Unternehmen - und damit letztlich auch ihm. „Saffe sieht seinen ,Spiegel‘-Posten noch nicht als das Ende seiner Karriere", sagt jemand, der ihn lange kennt.
Warum also muss Schlottau, seit über 14 Jahren „Mr. Vermarktung" beim „Spiegel", nun gehen? Die Presseinfo versucht, seine Demission mit dem Wegfall seiner Position zu erklären. Dies sei „ausschließlich vor dem Hintergrund der neuen, schlankeren Strukturen zu sehen". Gemeint ist wohl: Wenn alle anderen (vor allem kaufmännische) Abteilungen im letztlich mittelständischen Spiegel-Verlag sparen müssen, dann auch ganz oben: in der Chefetage. Seltsam nur, dass Saffe seinen Weggefährten Schlottau erst Anfang dieses Jahres zum Verlagsleiter geadelt hat. Und seltsam auch, dass es mit Schlottau ausgerechnet jenen der drei Verlagsleiter trifft, der für die Märkte - Anzeigen, Online, Vertrieb, Marketing - zuständig ist. Weitere Verlagsleiter sind Matthias Schmolz (Objektverantwortung, Finanzen, Verwaltung, Herstellung) und Fried von Bismarck (Spiegel.Net, Spiegel TV, IT). Letzterer steht kurz vor der Pensionierung - das hätte die Strukturen bald von ganz alleine verschlankt.
 
Nein, es gibt (auch) andere Gründe. Aber nicht etwa das fast 30-prozentige Anzeigenminus, das - auch - der „Spiegel" in diesem für alle Verlage heftigen Werbejahr erwarten muss. Auch Schlottaus interne Kritiker werfen ihm nicht vor, den „Spiegel" schlecht verkauft zu haben, obwohl er auf Kunden- und Agenturseite durchaus zu polarisieren vermochte. Die wahre Erklärung für Schlottaus scheinbar plötzlichen Abgang dürfte im Inneren des „Spiegel" liegen: Die neue, fusionierte Vermarktungssparte Spiegel QC, die seit September am Start ist, läuft dem vielfachen Vernehmen nach nicht richtig rund. Unklare Zuständigkeiten; organisatorische Versäumnisse; Mitarbeiter, die mit ihren neu zugeteilten Aufgaben nicht glücklich sind; miese Stimmung durch unterschiedliche Vertragskonditionen bei ehemaligen Print- und Online-Kollegen; Leistungsträger, die sich nun gerne abwerben lassen; schlecht vorbereitete und dadurch verlorene Pitches um dringend gewünschte Vermarktungsmandate - solche Dinge hört man. Seit Wochen.
 
Und man hört von zwei „Kulturen", die bei der Fusion der „Spiegel"-Vermarktung mit der Online-Schwester Quality Channel (QC) aufeinander geprallt seien: Auf der einen Seite die ehemaligen Print'ler, die die straffen Strukturen und den bisweilen als rau empfundenen Ton von Schlottau und seinen Leuten kennen (wenn auch nicht immer schätzen) - und auf der anderen Seite die ehemaligen QC'ler: jünger, kreativer und unorganisierter, je nach Standpunkt. Beim "Clash of Cultures" rumpelt es wohl gewaltig.

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