14.12.2009
Zoff
"Spiegel": Warum Verlagsleiter Christian Schlottau wirklich gehen muss
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14.12.2009
Hinzu kommt die Pikanterie, dass Schlottau früher einmal Saffes Chef war - nun war es umgekehrt. Es muss Saffe schwer fallen, sich von Schlottau zu trennen. Dass er es nun trotzdem tut, zeigt, dass Saffe keine Sentimentalitäten kennt, wenn er glaubt, es nütze dem Unternehmen - und damit letztlich auch ihm. „Saffe sieht seinen ,Spiegel‘-Posten noch nicht als das Ende seiner Karriere", sagt jemand, der ihn lange kennt.
Nein, es gibt (auch) andere Gründe. Aber nicht etwa das fast 30-prozentige Anzeigenminus, das - auch - der „Spiegel" in diesem für alle Verlage heftigen Werbejahr erwarten muss. Auch Schlottaus interne Kritiker werfen ihm nicht vor, den „Spiegel" schlecht verkauft zu haben, obwohl er auf Kunden- und Agenturseite durchaus zu polarisieren vermochte. Die wahre Erklärung für Schlottaus scheinbar plötzlichen Abgang dürfte im Inneren des „Spiegel" liegen: Die neue, fusionierte Vermarktungssparte Spiegel QC, die seit September am Start ist, läuft dem vielfachen Vernehmen nach nicht richtig rund. Unklare Zuständigkeiten; organisatorische Versäumnisse; Mitarbeiter, die mit ihren neu zugeteilten Aufgaben nicht glücklich sind; miese Stimmung durch unterschiedliche Vertragskonditionen bei ehemaligen Print- und Online-Kollegen; Leistungsträger, die sich nun gerne abwerben lassen; schlecht vorbereitete und dadurch verlorene Pitches um dringend gewünschte Vermarktungsmandate - solche Dinge hört man. Seit Wochen.
Und man hört von zwei „Kulturen", die bei der Fusion der „Spiegel"-Vermarktung mit der Online-Schwester Quality Channel (QC) aufeinander geprallt seien: Auf der einen Seite die ehemaligen Print'ler, die die straffen Strukturen und den bisweilen als rau empfundenen Ton von Schlottau und seinen Leuten kennen (wenn auch nicht immer schätzen) - und auf der anderen Seite die ehemaligen QC'ler: jünger, kreativer und unorganisierter, je nach Standpunkt. Beim "Clash of Cultures" rumpelt es wohl gewaltig.
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