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Spiegel-Verlag bläst Einstieg bei FTD ab


Kann sich nicht durchsetzen: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank 

Kann sich nicht durchsetzen: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank

Das Spekulieren hat ein Ende: Der Spiegel-Verlag wird sich nicht an der "Financial Times Deutschland" beteiligen. Nach HORIZONT-Informationen hat sich die fünfköpfige Führung der Mitarbeiter KG, dem Hauptgesellschafter (50,5 Prozent) des Nachrichtenmagazins, zu einer Entscheidung durchgerungen - und das Akquisitionsvorhaben des "Spiegel"-Geschäftsführers Mario Frank abgelehnt. Dieser hatte geplant, den 50-Prozent-Anteil der britischen Pearson-Gruppe an der "FTD" zu übernehmen. Die übrigen 50 Prozent hält Gruner + Jahr. Der Spiegel-Verlag äußert sich zu dem Thema - ebenso wenig wie zu den vorausgegangenen Kaufplänen - nicht. Armin Mahler, der Sprecher der KG, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Offen ist, was nun mit der "FTD"-Hälfte geschieht, die Pearson aus strategischen Gründen verkaufen will. G+J ("Stern", "Capital", "Börse Online") hat das Vorkaufsrecht, könnte die "FTD" also komplett übernehmen. Wenn G+J nicht zuschlägt, könnte Pearson seinen Anteil anderen Verlagen anbieten. Es gebe mehrere Interessenten, heißt es in Medienkreisen. Unklar ist, ob damit andere Verlage wie Axel Springer ("Euro", "Euro am Sonntag") oder Finanzinvestoren gemeint sind. Nur eines scheint ausgeschlossen: dass auch G+J seinen Anteil verkauft. "Die FTD, mit deren Entwicklung wir zufrieden sind, wird auch in Zukunft zu unserem Portfolio gehören", sagt ein G+J-Sprecher.

Seit dem Bekanntwerden der "FTD"-Pläne war die KG-Spitze des "Spiegel", die von knapp 800 Mitarbeitern als Stille Gesellschafter alle drei Jahre gewählt wird, hin- und hergerissen. Für den Einstieg bei der "FTD" sprachen mögliche Mehrerlöse und Einspareffekte bei einer gemeinsamen Vermarktung von "Spiegel", "Manager Magazin" und "FTD", Synergien besonders zwischen den Online-Redaktionen sowie ein niedriger Kaufpreis für die Anteile - kolportiert wurden rund 10 Millionen Euro. Kritiker hingegen bezweifelten die von Frank versprochenen Verbundeffekte mit dem Zeitungsgeschäft und verwiesen auf die seit ihrem Gründungsjahr 2000 roten Zahlen der "FTD" - in diesem Jahr sollen es rund 8 Millionen Euro Verlust sein.

Obwohl die KG-Spitze formal nicht an Anweisungen der Stillen "Spiegel"-Gesellschafter gebunden ist, ließ sie sich spätestens nach der Mitarbeiterversammlung am Dienstag vergangener Woche offenbar doch von der kritischen Stimmung im Hause leiten. Allerdings nimmt der "Spiegel"-Hauptgesellschafter mit seinem "Nein" zur "FTD" in Kauf, dass Geschäftsführer Frank beschädigt wird. Frank, von der - anders zusammengesetzten - vorherigen KG-Spitze in den mittelständisch geprägten Verlag geholt, um neue Ideen und Investitionen voranzutreiben, ist seit seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres intern umstritten. Der Einstieg bei der "FTD" wäre sein erster großer Deal gewesen. rp

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