06.02.2008
Wochenmagazine
Spiegel: Sonntagsvertrieb auf dem Prüfstand
Der "Spiegel" will seinen Sonntagsvertrieb wieder kappen. Dies habe Geschäftsführer Mario Frank auf einer Betriebsversammlung am Dienstag angekündigt, berichten mehrere Teilnehmer. Danach will der Verlag seine Zustellung in Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt in diesem Frühjahr wieder auf den Montag verlegen. Eine "Spiegel"-Sprecherin bestätigte dies auf Anfrage.
Erst im Sommer 2007 hatte Frank an der Elbe und am Rhein mit der Abonnentenbelieferung am siebten Tag begonnen; in Frankfurt erreicht der "Spiegel" bereits seit 2002 seine Leser am Wochenende. Vertriebspartner ist die Deutsche Post. Die Sonntagszustellung in Berlin (seit 2001), Lübeck (seit 2005) und Dresden (seit Sommer 2007) soll hingegen weitergehen. Hier sind allerdings private Botennetze für die Verteilung zuständig. Offenbar rechnet sich nur diese Variante für den Spiegel-Verlag. In den übrigen Fällen sei die Extra-Zustellung zu teuer und bringe zu wenig, wird Frank zitiert.
Das klang im vergangenen Sommer noch ganz anders, als sich Frank neue Impulse im Leser- und Anzeigenmarkt versprochen hatte, weil das Heft aktueller verfügbar sei und intensiver genutzt werden könne. "Wir haben einen zusätzlichen Verkaufstag: Am Ende einer ,Spiegel`-Woche kauft sonntags kaum jemand das Heft - am Anfang, als Erstverkaufstag, schon", sagte Frank im HORIZONT-Interview im Juli 2007. In den Sonntags-Städten seien die Einzelverkäufe merklich gestiegen, so der Verlag damals. Es hieß sogar, ab 2009 könnten 70 Prozent der Auflage bereits sonntags ausgeliefert werden.
Zwar ist der Sonntagsvertrieb keine Idee von Frank, der erst seit Januar 2007 beim "Spiegel" an Bord ist. Bereits sein Vorgänger Karl Dietrich Seikel hatte das Thema immer mal wieder durchgerechnet - und in Berlin, Frankfurt und Lübeck gestartet -, war allerdings vor den hohen Kosten eines flächendeckenden Vertriebs zurückgeschreckt. Frank hatte das Projekt nach seinem Antritt dennoch zu einer der Säulen seiner "Wachstumsoffensive" erklärt und den Sonntagsvertrieb auf Dresden, Hamburg und Düsseldorf ausgedehnt - mit der Hoffnung auf mehr. Auch zwei weitere Projekte sind bereits gescheitert: der Einstieg bei der "FTD" und der Versuch, Hefte mit beigeklebter DVD mit 2 Euro Aufpreis zu verkaufen.
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