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11.07.2008
„Spiegel“: Mario Frank plant neue Projekte / Rainer Esser winkt ab
Er erfülle weiter seine Pflicht – so kommentierte der offenkundig nur noch auf Abruf amtierende „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank seine eigene Situation auf der jährlichen Betriebsversammlung der „Spiegel“-Belegschaft in dieser Woche in Hamburg. Wie mehrere Teilnehmer berichten, habe Frank eingeräumt, dass sich die Spitze der Mitarbeiter KG gegen ihn gestellt, G+J dem aber widersprochen habe. Weitere Beschlüsse in eigener Sache gebe es nicht.
Doch Frank blickte auch nach vorne: Er bekräftigte seine Pläne vom Januar, nach der erfolgreichen Schweiz-Beilage vom Juni 2007 bald eine regelmäßige „Spiegel“-Ausgabe für die Eidgenossen zu starten. Zudem berichtete Frank vom Fortschritt der Entwicklung des Magazin-Ablegers der Zeitgeschichte-Community Eines Tages; dieser soll offenbar im Herbst erscheinen. Kein Thema auf der Betriebsversammlung war ein weiteres Projekt, an dem die „Spiegel“-Redaktion nach HORIZONT.NET-Informationen gerade bastelt: ein regionales Supplement („Spiegel extra Metropolen“) für Düsseldorf. Vorbild ist das Hamburg-Special vom August 2007. Ein Redaktionssprecher wollte diese Projekte nicht näher kommentieren: „Es gibt dazu keinen neuen Sachstand.“
Derweil machte der chronisch umstrittene Frank, den die Mitarbeiter-KG-Spitze in ihrer alten Zusammensetzung zum Januar 2007 ins Haus geholt hatte, durch weitere als unpassend empfundene Entscheidungen von sich Reden. So entriss Frank seinem Stellvertreter und Verlagsleiter Matthias Schmolz ein Aufgabengebiet, plante Eigenwerbung mit Eva Hermans Konterfei, wollte das „Spiegel“-Inhaltsverzeichnis für Werbung öffnen und kündigte den Sponsorenvertrag mit den renommierten Lead Awards. Zuletzt wollte Frank offenbar die Verlagsspitze weiter umbauen. Seitdem machen wilde – und dementierte – Gerüchte die Runde, wonach die Gesellschafter angeblich Franks Entscheidungsbefugnisse beschnitten hätten. Andere werten Franks jüngste Entscheidungen sowie seine früheren Äußerungen, er werde um seinen Job kämpfen, als Taktik im Kampf um ein attraktives Abfindungsangebot. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Ende 2011.
Als mögliche Nachfolger wurden seit jeher Matthias Schmolz, Rainer Esser („Die Zeit“) und Ove Saffe („Stern“) gehandelt. Esser klinkt sich jetzt aus dem Karussell der Kandidaten-Klassiker aus: „Ich stehe nicht zur Verfügung“, sagt er auf HORIZONT.NET-Anfrage. Bisher hatte er sich um ein klares Dementi gedrückt. Mittlerweile gilt Saffe als der Mann, auf den sich Mitarbeiter KG und G+J einigen könnten. Unklar ist indes, ob G+J für ihn schnell einen geeigneten Nachfolger beim „Stern“ fände – und ob Saffe will.
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