07.05.2008
SZ-Chef Kilz im Interview: "Investitionen in hochwertigen Journalismus zahlen sich aus"
Hans Werner Kilz, Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", über den neuen Verlagseigentümer Südwestdeutsche Medienholding, seine Sympathie für die bereits im Markt getestete Sonntagszeitung und die Weiterentwicklung der Zeitung.
Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), der neue Eigentümer des Süddeutschen Verlags, ist für ihre Sparsamkeit bekannt. Gibt es einschneidende Maßnahmen?
Nein, im Tagesgeschäft läuft alles wie gehabt. Die neuen Eigentümer haben bei der Betriebsversammlung vor wenigen Wochen betont, dass sie nicht kurzfristig die Rendite hochtreiben, sondern die "Süddeutsche" weiterhin als Qualitätszeitung führen wollen. Die neue Geschäftsführung hat sich schnell für spätere Druckzeiten entschieden, so dass die "SZ" in vielen Teilen Deutschlands jetzt noch aktueller ist - eine Investition, die von der Redaktion sehr begrüßt wurde.
Die "Süddeutsche Zeitung" steht also nicht unter akutem Kostendruck?
Die publizistische und wirtschaftliche Entwicklung der "SZ" in den vergangenen Jahren beweist, dass sich Investitionen in hochwertigen Journalismus lohnen. Ich glaube, Aufwand und Ertrag bewegen sich in einem vernünftigen Verhältnis.
Die Berufung von Roland-Berger-Berater Karl Ulrich zum Geschäftsführer kam für viele überraschend. Für Sie auch?
Ja, aber ich bin positiv überrascht. Karl Ulrich kennt sich durch seine jahrelange Beratungstätigkeit hier im Hause bestens aus. Er mag die Zeitung. Das ist sicherlich ein Vorteil.
Informationen zur Person
Hans Werner Kilz ist seit Februar 1996 Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung". Nach Publizistik-Studium in Mainz sowie Stationen bei der "Wormser Zeitung" und der "Mainzer Allgemeinen Zeitung" wechselte er 1970 zum "Spiegel". Dort wurde er 1990 Chefredakteur, fünf Jahre später musste er nach einem Disput mit Gründer Rudolf Augstein gehen. Der Vertrag des 64-Jährigen bei der "SZ" läuft bis 2010. Die "Süddeutsche Zeitung" hat unter Kilz' Führung erheblich an Auflage gewonnen und im 1. Quartal 2008 mit 450 201 Exemplaren einen Rekord erzielt.
Der Start einer Sonntagszeitung ist mit Investitionen in Millionenhöhe verbunden. Vom erarbeiteten Konzept bin ich sehr angetan, auch die Markttests vor zwei Jahren haben sehr gute Ergebnisse gebracht. Während der Verkaufs- und Übergangsphase lagen die Pläne auf Eis. Ob und wann wir uns wieder mit dem Thema beschäftigen, ist im Moment offen.
Wird es Kooperationen innerhalb des SWMH-Konzerns geben, zum Beispiel zwischen "SZ" und der Zeitungsgruppe Stuttgart?
Darüber gab es bislang keine Gespräche. Prinzipiell gilt: Wir sind für Kooperationen offen, wenn sie der "Süddeutschen Zeitung" nutzen.
Seit Januar bietet die "Süddeutsche Zeitung" einen im Vergleich zu vorher um bis zu drei Seiten größeren Wirtschaftsteil. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Bei unseren Lesern kommt der erweiterte Wirtschaftsteil gut an. Das Thema Geld und Finanzen spielt für unsere Leser eine zunehmend wichtige Rolle - und wir hatten hier einen gewissen Nachholbedarf.
Wollen Sie die "SZ" bei Entscheidern noch stärker verankern und dadurch attraktiver für B-to-B-Werbekampagnen werden?
Der "SZ" mangelt es nicht an Attraktivität als Werbeträger. Aber ein noch besserer Wirtschaftsteil stärkt unsere Position bei Entscheidern, die für uns eine ganz wichtige Zielgruppe sind. Mit dem Status quo sind wir jetzt zufrieden, noch mehr Wirtschaft würde allerdings den Charakter der Zeitung verändern.
Stehen weitere Veränderungen an?
Wir arbeiten derzeit daran, unseren Lokalteil zu optimieren. Es ist eine permanente Herausforderung für die "SZ", den Spagat zwischen einem überregionalen Qualitätsmedium und einer guten Lokal- und Regionalzeitung zu schaffen. Gerade für junge Leute wollen wir das Lokale attraktiver und serviceorientierter machen.
Interview: Roland Karle
Mehr zur Situation im Süddeutschen Verlag lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 19/2008, die am 8. Mai 2008 erscheint.
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HORIZONT 30/2008 vom 24.07.2008
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