11.03.2010
Bilanz
RTL Group spart Rekordsumme und hält Gewinn stabil
Bertelsmanns wichtigste Cash Cow RTL wird trotz des Krisenjahrs 2009 einen Gewinn nach Gütersloh abführen. Dank eines rigorosen Sparprogramms und der unerwarteten Jahresendralley bleibt der Jahresüberschuss mit 298 Millionen Euro nahezu konstant. Entsprechend will RTL will 3,50 Euro Dividende ausschütten. Das Reported Ebita ist jedoch erwartungsgemäß deutlich eingebrochen - um 17,6 Prozent auf 755 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 5,41 Milliarden Euro.
Angesichts der hohen Unsicherheit zu Beginn des Jahres 2009 hatte RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler dem europäischen TV-Konzern frühzeitig ein hartes Sparprogramm verordnet und zudem intern das Ziel ausgegeben, dass die Kosten im Kerngeschäft perspektivisch um 15 bis 20 Prozent sinken müssten. Nach nur einem Jahr ist er diesem Ziel deutlich näher gekommen. Die operativen Kosten sind im Vergleich zu 2008 um 371 Millionen Euro zurück gegangen - das ist nochmal fast ein Viertel mehr als die bislang bekannt gegebenen 300 Millionen Euro.
Für 2010 bleibt Zeiler - wie auch schon vergangene Woche Pro-Sieben-Sat-1-CEO Thomas Ebeling - verhaltend: "Obwohl der Umsatzrückgang sich seit Herbst 2009 verlangsamt hat, können wir keine schnelle Erholung der Werbeerlöse auf das alte Niveau erwarten", so Zeiler.
Dass Zeiler erneut einen Großteil des Gewinns nach Gütersloh abführt, dürfte der ein oder andere Analyst kritisch sehen. In den vergangenen Jahren hat RTL Grooup rund 2,5 Milliarden Euro an die Eigentümer überwiesen. Immer wieder wird dem CEO die Frage gestellt, ob er angesichts der hohen wirtschaftlichen Finanzschulden von Bertelsmann von rund 6,99 Milliarden Euro (Stand: 30.9.2009) überhaupt freie Hand für Akquisitionen habe. "Ich sehe im Moment keine attraktiven Möglichkeiten", begründet Zeiler die geplante Ausschüttung. RTL Group suche ständig nach Kaufobjekten. Diese müssten jedoch Top 1 oder 2 in den jeweiligen Märkten sein, RTL müsse eine Mehrheit übernehmen können und der Kaufpreis müsse angemessen sein, so Zeiler zu den Kriterien für einen Kauf.
Das Ergebnis der Mediengruppe RTL Deutschland, dem wichtigste Umsatz- und Ertragsbringer der RTL Group, ist 2009 um 11,6 Prozent auf 366 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz ist um 14,3 Prozent auf 1,732 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Mediengruppe hat damit stärker verloren als der Markt. Den Nettorückgang im gesamten deutschen Werbemarkt schätzt RTL auf 8,5 Prozent. RTL hat hierzulande nicht nur unter der Konjunktur, sondern auch unter dem Wiedererstarken des Wettbewerbers Pro Sieben Sat 1 und dessen zu Jahresbeginn aggressiver Rabattpolitik gelitten und musste nach der Sonderkonjunktur 2008, in der Pro Sieben Sat 1 besonders schlecht dastand, wieder Werbemarktanteile abgeben. Der Anteil liegt nun bei 43,5 Prozent (2008: 46,4 Prozent).
Die französische Groupe M6 konnte dagegen einen nahezu konstanten Umsatz von 1,377 Milliarden Euro und operativen Gewinn von 195 Millionen Euro abliefern und damit das Minus in Deutschland und anderen Märkten abfedern. pap
- Medien 4. März 2010: Pro Sieben Sat 1: Ebeling hält 2010 an Kostendisziplin fest
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