06.08.2009
Bilanz
Pro Sieben Sat 1 spart massiv im Programm
Der ohnehin schon seit zwei Jahren auf Sparkurs segelnde TV-Konzern Pro Sieben Sat 1, hat die Kosten im 1. Halbjahr nochmals deutlich gesenkt und will weiter sparen. Die operativen Kosten gingen um 12,2 Prozent auf rund 1,03 Milliarden Euro zurück. Die meisten Abstriche hat das Unternehmen, das eine Schuldenlast von 3,427 Milliarden Euro mit sich herumschleppt, im Programm gemacht.
Bislang hatte der Konzern stets beteuert, im Gesamtjahr nur 100 Millionen Euro sparen zu wollen, die vor allem aus dem Umzug von Sat 1 nach München kommen sollten. Die Programminvestitionen sollten unangetastet bleiben. Geplant war rund 1,6 Milliarden Euro in die Produktionen und Einkäufe zu investieren, allein nach Deutschland sollte eine Milliarde fließen. Nun heißt es Wiederholungen statt neuer Produktionen. "Der maximale Spielraum an Wiederholungen ist ausgenutzt, vielleicht sogar schon darüber hinaus", hatte Konzernchef Thomas Ebeling vergangene Woche vor Journalisten eingeräumt. Bei der heutigen Präsentation der Halbjahreszahlen bleibt der Vorstandsvorsitzende im vagen, was weitere Ersparnisse im größten Kostenblock Programm angeht. Ebeling: "Es gibt eine kritische Untergrenze, die wir nicht unterschreiten wollen." Wo diese liegt, verrät er nicht.
Angesichts der Schuldenlast und rückläufiger Umsätze, steht Pro Sieben Sat 1 unter erheblichem Druck, das Ergebnis zu sichern. Werden bestimmte Ergebnisrelationen verletzt, können die Banken die milliardenschweren Kredite, die eigentlich bis 2014 und 2015 laufen, fällig stellen. Im 1. Halbjahr lag das Recurring Ebitda - bereinigt um den Verkauf der niederländischen Pay-TV-Sparte C-More - nun mit 295,0 Millionen Euro sogar um 4,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Das Periodenergebnis im 2. Quartal lag jedoch nur noch bei 45,5 Millionen Euro (2. Quartal 2008: 59,5 Millionen Euro). Der Umsatz sank, wie angesichts der angespannten Wirtschaftslage zu erwarten war, um 8,9 Prozent auf 1,321 Milliarden Euro.
Für Pro Sieben Sat 1 ist dies trotzdem ein herber Schlag - hatte der Konzern doch bereits im Vorjahr durch sein verunglücktes Vermarktungsmodell erhebliche Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Im mit Abstand wichtigsten deutschsprachigen Markt liegt das Minus bei 6,4 Prozent, der Umsatz bei 813,4 Millionen Euro. Hier hatte der Anfang Juli geschasste Vermarktungsvorstand Klaus-Peter Schulz mit hohen Rabatten und umstrittenen Trading-Modellen versucht, verloren gegangene Werbemarktanteile zurück zu holen.
Für das laufende Jahr ist Ebeling in seiner Prognose zurückhaltend. "Das Umfeld bleibt auch in der zweiten Jahreshälfte sehr schwierig, zumal für unsere Jahresperformance vor allem das 4. Quartal ausschlagebend ist". Für den Gesamtmarkt rechnet er mit einem Minus zwischen 11 und 16 Prozent. pap
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