05.11.2009
Bilanz
Pro Sieben Sat 1 rutscht trotz massivem Sparkurs in die roten Zahlen
Der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 rutscht im 3. Quartal in die roten Zahlen und weist für den Zeitraum einen Verlust von 12,7 Millionen Euro aus. Operativ kann der hoch verschuldete Konzern das Ergebnis - bereinigt um den um den Verkauf von C-More - jedoch stabil halten, und zwar bei 94,4 Millionen Euro. Auch für die ersten drei Quartale steht unterm Strich noch ein Periodengewinn von 31,1 Millionen Euro.
Zwischen Januar und September verbucht der Konzern einen Umsatz von 1,88 Milliarden Euro - ein Minus von 8,6 Prozent. Der wichtige deutschsprachige Raum muss für die ersten neun Monate des Jahres einen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent verbuchen, im 3. Quartal minus 2 Prozent - damit schlägt sich der Konzern hierzulande zwar besser als der Markt. Der Umsatz der Gruppe lag in den ersten drei Quartalen bei 1,2 Milliarden Euro - ein Rückgang von 8,6 Prozent . Pro Sieben Sat 1 hatte jedoch 2008 bereits massive Einbrüche in Deutschland hinnehmen müssen, weil der Werbemarkt das Anfang 2008 eingesetzte Vermarktungsmodell nicht akzeptierte.
Das Recurring Ebitda ist dagegen in Deutschland um 14,9 Prozent auf 247,2 Millionen Euro gestiegen.
Um den Umsatzrückgang zu kompensieren, hat die Sendergruppe das bereits im 4. Quartal vergangenen Jahres aufgelegte Sparprogramm nochmals deutlich verschärft. Ursprünglich wollte Konzernchef Thomas Ebeling die Kosten in 2009 um rund 100 Millionen Euro reduzieren. Der korrigierte Plan sieht nun rund 200 Millionen Euro vor. Schon in den ersten neun Monaten sind die operativen Kosten um satte 11,4 Prozent oder 193,2 Millionen Euro gesunken. "Eine angemessene Investitionspolitik und konsequente Kostenkontrolle haben auch künftig Priorität", sagt Ebeling. Vor allem bei der Herstellung des Programms hat Pro Sieben Sat 1 gespart. Allein der größte Block, die Herstellungskosten, sanken im 3. Quartal um 8,2 PRozent auf 350,1 Millionen Euro.
Die Lage bleibt angespannt: In Sachen Schuldenabbau ist das Unternehmen, das zu gleichen Teilen den Finanzinvestoren KKR und Permira gehört, angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nicht viel weitergekommen. Der Schuldenstand per 30. September beträgt 3,534 Milliarden Euro - er liegt damit zwar um 7,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum 30. Juni waren es jedoch 3,427 Milliarden Euro. Pro Jahr zahlt die Gruppe für die 2014/15 fälligen Kredite rund 213 bis 214 Millionen Euro Zinsen. Die Sicherung der Finanzkennzahlen gehört daher auch weiter zu den wichtigsten Zielen von Ebeling und seinem Finanzvorstand Axel Salzmann.Thomas Ebeling: Die Refinanzierung des Programms durch Distributionserlöse und Nutzungsentgelte wird eine immer wichtigere Rolle spielen.
Um die Abhängigkeit von den stark konjunkturabhängigen Werberlösen zu senken, will Ebeling zwei Wege einschlagen. "Auf zwei Beinen steht man immer besserals auf einem ", sagt er gegenüber Journalisten. Dazu will er das Programmvermögen auf allen Plattformen noch besser auswerten, vor allem durch zusätzliche Pay-TV-Modelle, die der Manager bereits vergangene Woche angekündigt hatte, sowie Video-on-Demand und mobile Dienste. "Die Refinanzierung des Programms durch Distributionserlöse und Nutzungsentgelte wird eine immer wichtigere Rolle spielen", so Ebeling.
Zum anderen will der Vorstandsvorsitzende freie Werbezeiten besser vermarkten. Dazu gehört auch der Tausch von Medialeistung gegen Umsatzbeteiligungen an Unternehmen, die bisher nicht im TV aktiv sind. Damit experimentiert die Gruppe seit Jahresbeginn und hat mittlerweile rund zehn Beteiligungen abgeschlossen. Auch den klassischen Diversifikationsbereich will der Konzern weiterentwickeln. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau des Musikgeschäfts.
Derzeit liegt der Anteil der Umsätze, die die Gruppe abseits der Werbung generiert bei 15 Prozent. Schon bis 2013/14 soll der Anteil auf 30 Prozent steigen. pap
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