TV-Konzern
14.01.2010
Pro Sieben Sat 1: CEO Ebeling bestätigt Spekulation um Abgang von Vorstand Englert
Während der Abgang von Guido Bolten als Sat-1-Chef für Schlagzeilen sorgt, steht beim TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 noch eine viel hochkarätigere Personalie zur Debatte. Im Exklusiv-Interview mit HORIZONT bestätigt Konzernchef Thomas Ebeling, dass Diversifikationsvorstand Marcus Englert offenbar kurz vor dem Absprung steht.
"Der Aufsichtsrat wird in naher Zukunft mit Marcus Englert diskutieren, welches der beste Weg ist. Ich denke, dass dieser Prozess bis spätestens Ende Februar abgeschlossen ist und wir dann kommunizieren können, wie es weitergeht."
Sollte Englert gehen, stünde der wichtige Bereich ohne eigenen Kopf an der Spitze da. "Sicher ist es einfacher, wenn man jemanden im Vorstand hat, der das kompetent macht. Aber wichtig ist auch, dass die Leute in der 2. Reihe gut sind. Denn sie machen das Geschäft", sagt Ebeling. Das könnte bedeuten, dass Ebeling auch diesen Vorstandsposten vorerst nicht neu besetzen würde, sollte Englert gehen. Ebenso ist der seit März vergangenen Jahres amtierende Vorstandsvorsitzende bislang bei Klaus-Peter Schulz, dem bis Frühsommer für den Sales-Bereich verantwortlichen Vorstand verfahren, sowie bei Patrick Tillieux, dessen Aufgaben als COO er seit dessen Abgang selbst betreut. Möglichicherweise könnten in ein, zwei Jahren Hoffnungsträger aus der 2. Reihe nachrücken.
Als nächstes großes Projekt startet Pro Sieben Sat 1 jedoch wieder einen Free-TV-Sender und setzt damit erneut auf Einnahmen aus Werbung. Fem TV soll Anfang des 2. Quartals starten und fällt in die Verantwortung von Katja Hofem-Best, die nach dem gestern offiziell gemachten Abgang von Sat-1-Chef Bolten künftig auch als Senior Vice President Factual über alle Sender hinweg das Genre verantwortet.
Die Ankündigung einen Free- statt einen Pay-TV-Sender zu starten, hatte viele Marktbeobachter nach Ebelings Äußerungen zum Diversifikationsgeschäft überrascht. "Man könnte natürlich versuchen, diesen Sender von Anfang an als Pay-Angebot aufzusetzen. Aber wir finden es smarter, den Kanal erst mal im Free-TV zu profilieren und später zu entscheiden, ob er dort bleibt, oder aber zu überlegen, ihn in ein Pay-TV-Angebot umzuwandeln, wenn er eine gewisse Anhängerschaft hat", erklärt Ebeling seine Strategie gegenüber HORIZONT. pap
Das Interview erscheint in HORIZONT 2/2010 vom 14. Januar.
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