Hauptversammlung
Premiere: Aktionäre werfen Ex-Chef Kofler Betrug vor
Die Kleinaktionäre von Premiere gehen auf der außerordentlichen Hauptversammlung in München hart mit dem Management des Pay-TV-Unternehmens ins Gericht. Verschiedene Aktionäre und Aktionärsvertreter fordern eine staatsanwaltliche Untersuchung. Sie wollen, dass geklärt wird inwieweit der ehemalige CEO Georg Kofler und sein bis Mitte 2008 amtierender Nachfolger und langjähriger Finanzchef Michael Börnicke um die Fragwürdigkeit der Abonnentenzahlen wussten. Diese hatte der jetzige CEO Mark Williams überraschend im Oktober 2008 um fast eine Million auf rund 2,4 Millionen nach unten korrigiert.
Die Abonnentenzahlen sind entscheidend für die Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten des Senders. Premiere-Vorstand Holger Enßlin begründet die gesunkenen Zahlen mit einem Strategiewechsel des Unternehmens, nachdem bestimmte Abo-Klassen nicht mehr zu den Abonnements gezählt werden. Es gebe keinen festgelegten Abonnentenbegriff, der rechtlich verbindlich sei. „Die zuvor angewendete Klassifizierung war nicht falsch und hatte keine Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Daher bestehen keine Schadensersatzansprüche gegen Organe“, so Enßlin.
Kommentar: Angst vor Äpfeln
Mark Williams hat keinen schönen Job. Der CEO von Premiere muss sich heute in München den wütenden Kleinaktionären stellen, die in den vergangenen Jahren schon viel Geld verloren haben und von denen er nun frisches Geld einsammeln möchte. Wo es um Geld geht, lassen auch die Emotionen nicht auf sich warten. Und so verwickelt Manager- und Aufsichtsratschreck Matthias Gaebler den Vorstand in eine langwierige Diskussion darüber, wieso das Essen abgeräumt wurde, bevor er etwas gegessen hat. Und weil jede Frage – so auch die nach dem Kartoffelsalat und den Würstchen - beantwortet werden muss, repetiert Premiere-Vorstand Holger Enßlin noch mal die Essenszeiten. Von 11 bis 13.10 Uhr habe es Mittagessen für 300 Personen gegeben und um 14.30 Uhr folgt das Kaffeetrinken. Doch auch weiteren Attacken muss sich der Vorstand stellen: Warum ist das Rednerpult so klein? ("Wird auch auf anderen Hauptversammlungen verwendet") Warum redet Mark Williams nicht auf deutsch, wo es doch eine deutsche Hauptversammlung ist? (Muss er nicht). Und zu guter letzt: Warum muss man Äpfel am Eingang abgeben? ("Weil sie als Wurfgeschosse verwendet werden könnten"). Um 13.35 Uhr bekommt Gaebler schließlich einen Teller serviert. Ob’s hilft? Wohl kaum. Die Kleinaktionäre scheinen sich mit ihrem Unternehmen nicht mehr zu versöhnen. pap
Das von Williams vorgestellte Restrukturierungskonzept, mit dem der Australier die Abozahlen wieder steigern und den Konzern bis 2011 aus den roten Zahlen holen will, stößt bei den Kleinaktionären auf heftigen Wiederstand. Williams will auf der heutigen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung von rund 412 Millionen Euro durchbringen. Großaktionär Newscorp, für den Williams seit Jahren arbeitet, hat sich bereits bereit erklärt, alle Aktien zu übernehmen, die nicht von anderen Aktionären gezeichnet werden. Die Zusage ist Voraussetzung für weitere Bankkredite in Höhe von rund 525 Millionen Euro. Die Rupert Murdoch gehörende Newscorp ist Anfang 2008 bei Premiere eingestiegen und hält mittlerweile rund 29 Prozent an dem Unternehmen. Durch die Kapitalerhöhung würde der Anteil voraussichtlich auf über 50 Prozent steigen.
In einer 10-minütigen Rede hat Williams heute erstmals den Aktionären sein Konzept vorgestellt, mit dem er die Abozahlen mittelfristig auf 3 bis 3,4 Millionen Kunden steigern und damit Premiere profitabel machen will. Alle Aktionäre fordern nachdrücklich die Vorlage des Business Plans und weiterer Unterlagen, die verdeutlichen, wie Williams den seit Geschäftsbestehen nahezu durchgehend defizitären Sender aus den Miesen holen will. Bislang hat Williams das konkrete Konzept nicht öffentlich gemacht. „Solange die Aktionäre keine Details wissen, werden sie einem solchen Konzept nicht zustimmen“, sagt Aktionär Gaebler und verlangt, wie viele andere, die Offenlegung des Sanierungsplans.
Enßlin begründet das Unter-Verschluss-Halten des Konzepts mit vertraglichen Gründen. „Es handelt sich um Geschäftsgeheimnisse, die nicht zur Veröffentlichung gedacht sind“, sagt er. Die Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernest & Young habe Premiere in einem Gutachten vom 22. Dezember 2008 jedoch die Sanierungsfähigkeit bescheinigt, sollten die in Williams Konzept geplanten Maßnahmen umgesetzt werden.
Bekannt ist, dass Williams die Marketingaktivitäten im 2.Halbjahr 2009 verstärken und zusätzliche 65 Millionen Euro investieren will. Außerdem sollen Service- und Kundenfreundlichkeit verbessert werden. Williams will zudem neue Pakete schnüren und damit dem bisherigen Wirrwarr ein Ende setzen. Es handelt sich dabei laut Enßlin um ein „Buy-through“-Modell, nachdem künftig ein Basispaket verkauft wird, das um weiter Bausteine („Premiumpakete“), beispielsweise für die Bundesliga, ergänzt werden soll. Damit hofft Williams den Umsatz pro Abonnent zu steigern.
Premiere hatte 2008 einen Ergebnis vor Steuern, Finanzergebnis und Abschreibungen (Ebitda) von minus 57 Millionen Euro verbucht, der Umsatz ist mit rund 941,1 Millionen Euro nahezu konstant geblieben. Für 2009 prognostiziert Williams erneut ein Ergebnisminus. pap
- Medien 26. Februar 2009: Hauptversammlung: Beckenbauer springt Premiere bei
- Medien 23. Februar 2009: Kehrtwende: Premiere kauft Anteile an Premiere Star zurück
- Medien 16. Februar 2009: Premiere rutscht tief in die Verlustzone / Williams kündigt Relaunch an
- Medien 13. Februar 2009: Premiere stellt Gaming-Sender Giga ein
- Agenturen 13. Februar 2009: Premiere ruft zum Pitch
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Kofler wird belangt werden
Irgendwie ging da die Tätigkeit der Wirtschaftsprüfer mit den Zielen von Georg Kofler Hand in Hand. Premiere war lang vor der Übernahme von Murdoch ein Zombie, es hat wohl nur keiner der "Investoren" gemerkt. Die Zahlen sahen ja auch gut aus, dank des "Kniffs" mit dem Börsengang (zum Zwecke der Geldvermehrung des Tirolers ;-), und der "Frisierung" der Abonnentenzahlen, die mit dem "nicht aus dem Vertrag kommen" der Testabonnenten erreicht wurde.Aber Mrdoch hat die besseren Anwälte, das wird Kofler hart lernen müssen. Peter Prinzip auch bei ihm.Weitere Nachrichten aus Medien vom 26.02.2009:
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