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Kolumne

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Pimpls Position: Mathias Döpfner und der Grundreflex der Medienbranche


Mathias Döpfner erkennt einen "verlässlichen Grundreflex" in Bezug auf Axel Springer

Mathias Döpfner erkennt einen "verlässlichen Grundreflex" in Bezug auf Axel Springer


Ein ausführliches Interview hat Mathias Döpfner, der Vorstandschef von Axel Springer, der "Zeit" jetzt gegeben. Neben seinem undifferenziertem Google-Bashing (auch die Axel Springer AG verfolgt erzkapitalistische Interessen!) und seinen erneuten engagierten, verdienstvollen Plädoyers für Paid Content (leider wieder ohne die ehrliche Erwähnung einer Vorraussetzung dafür, nämlich vorherige Angebotsverknappung durch Marktbereinigung) droht dort eine kurze Passsage unterzugehen, die jedoch ziemlich bemerkenswert ist.

 
Die „Zeit" fragt, ob Springer „eigentlich selbst einen digitalen Kiosk gründen (will), an dem alle Verlage beteiligt sind". Und Döpfner antwortet: „Ich fürchte, das würde zu viel Misstrauen bei den anderen Verlagen auslösen. Eine unabhängige Plattform wäre besser. Es gibt in der deutschen Medienbranche einen verlässlichen Grundreflex: Wenn Axel Springer ein Gemeinschaftsprojekt vorschlägt, ist auf jeden Fall das Gegenteil zu tun. Wenn wir also ein solches Projekt starten oder auch nur befürworten würden, wäre das ein Todeskuss."
Soweit Döpfner. Die Sache ist nur: Exakt diesen Versuch gab es bekanntlich schon mal, vor fast drei Jahren. Der Medienkonzern Bertelsmann (genauer: der damalige Buchhandelszweig Direct Group und die Verlagssparte Gruner + Jahr über ihre Vertriebstochter DPV) hatte damals eine Shoppingplattform für Presse und Bücher vorgestellt. Den E-Kiosk für digitale Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchinhalte, der später den Namen „Pubbles" erhielt, sollte eine Servicefirma betreiben, an der sich andere Verlage als Gesellschafter hätten beteiligen und entsprechend mitgestalten können. Ziel war, mit einem Gemeinschaftskiosk die Verhandlungsposition der Verlage gegenüber Geräteherstellern, Plattformbetreibern und Telkos zu verbessern. Stichworte: Hoheit über die Copy- und Abopreise, Inhalte, Kundendaten und Vermarktung.
 
Bekanntlich ist das Projekt Pubbles in dieser Form gescheitert - auch deshalb, weil nicht genügend große Verlage mitmachen wollten. Auch und gerade Axel Springer nicht. Selbst dann nicht, als Bertelsmann die anfängliche harte Teilnahmebedingung, wonach sich Mitgesellschafter und Partner exklusiv an Pubbles hätten binden müssen, längst aufgehoben hatte. Im März 2010 ließ Springer dazu ausrichten, man plane vielmehr, seine Inhalte „plattformunabhängig auf reichweitenstarken Marktplätzen zur Verfügung zu stellen".
 
Doch nun, im „Zeit"-Interview, klingt Döpfner so, als sei ein unabhängiger Gemeinschaftskiosk vielleicht doch eine ganz gute Idee, die man wegen des - und hier klingt Döpfner ungewohnt beleidigt - Anti-Springer-„Grundreflexes" in der Branche aber nicht selber umsetzen wolle ...
 

Pimpls Position

In der Online-Kolumne kommentiert Roland Pimpl, Hamburg-Korrespondent von HORIZONT, in loser Folge Themen und Thesen der Medienwelt.

Kann es sein, dass Döpfner umgekehrt (und die Verantwortlichen anderer Verlage auch) damals einen Anti-Bertelsmann-Grundreflex zeigte? Oder fühlten sich die Häuser damals im digitalen Wandel einfach noch zu sicher, um die Vorteile von Zusammenarbeit jenseits von Eitelkeiten und Grundreflexen zu erkennen?
 
Bisher erschienen:
Old School is the new Cool
Der Kollateralschaden des Zeitschriften-Trial-and-Error
Wer braucht schon einen Verlag zum Schreiben …
Hans-Ulrich Jörges und sein fluffiges „Recht auf Internet“
Die lächerliche Aufregung über Schufas Facebook-Recherche
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