08.02.2010
TV-Konzerne
Permira steht weiter zu Pro Sieben Sat 1
Der Finanzinvestor Permira, der wie KKR 50 Prozent am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 hält, will den hoch verschuldeten Konzern weiter unterstützen, sollte er in eine Notlage geraten. "Wir stehen in engem Kontakt mit den Managerteams aller unserer Unternehmen, um ihnen möglichst viel Sicherheit zu geben. Das schließt die Bereitschaft ein, in Extremsituationen die Unternehmen auch finanziell weiter zu unterstützen. Das gilt selbstverständlich auch für Pro Sieben Sat 1", sagt Permira-Chef Jörg Rockenhäuser im Interview mit dem "Spiegel".
Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass KKR und Permira bereit sind, dem Konzern ein Gesellschafterdarlehen von 120 bis 140 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, sollte er in Konflikt mit seinen Kreditbedingungen geraten. Pro Sieben Sat 1 steht - seit dem von KKR und Permira aufgenötigten Kauf der Sendegruppe SBS - tief in der Kreide, zuletzt beliefen sich die Schulden auf rund 3,5 Milliarden Euro (Stand 30. September 2009). Das Problem: Verletzt der Konzern bestimmte, mit den Banken festgelegte Ergebnisrelationen, stehen die Kredite sofort fällig. Das Gesellschafterdarlehen verschafft Pro Sieben Sat 1 und seinem CEO Thomas Ebeling mehr Handlungsspielraum, auch was die zum Teil sehr aggressiven Budgetverhandlungen betrifft, die Pro Sieben Sat 1 gerade mit den Mediaagenturen und Kunden führt.
Was den derzeit geprüften Verkauf des Nachrichtensenders N24 betrfft, gibt Rockenhäuser Ebeling Rückendeckung: Angesichts der "Verluste in erheblicher zweistelliger Millionenhöhe", sei es logisch, "dass ein Vorstandsvorsitzender über Alternativen nachdenkt". Rockenhäuser bestätigt auch die Verhandlungen mit Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann über einen Verkauf des Senders.
Gespräche mit Axel Springer dementiert der Permira-Chef jedoch. Europas größtes Zeitungshaus hatte 2006 versucht Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen. Seinerzeit hatten jedoch sowohl das Kartellamt als auch die Kommission zur Ermittlung der Konzentrationskontrolle (KEK) ihre Zustimmung versagt. Zwar hat sich bislang an den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts verändert. Die Beteiligten könnten jedoch versuchen, eine Sondererlaubnis des Wirtschaftsministers Rainer Brüderle zu erlangen, der das Recht hat, eine Übernahme auch bei kartellrechtlichen Vorbehalten duchzuwinken. "Wir wollen Pro Sieben Sat 1 nicht verkaufen, und deshalb bemühen wir uns derzeit auch nicht um eine Ministererlaubnis", sagt Rockenhäuser dazu.
Selbst wenn diese erteilt würde, bliebe jedoch noch das Problem KEK. Es gibt derzeit allerdings Bestrebungen die Medienkonzentrationskontrolle zu verändern, möglicherweise auch, um eine deutsch-deutsche Lösung doch noch möglich zu machen. Im Moment dürfte keines der großen deutschen Medienhäuser Pro Sieben Sat 1 kaufen. pap
- Medien 18. Januar 2010: Atempause: KKR und Permira würden bei Pro Sieben Sat 1 nachschießen
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