Kommentar
06.12.2012
"Pardon" im HORIZONT-Check: Vom Unsinn unpolitischen Feinsinns
Mit "Pardon" kehrt an diesem Donnerstag eine weitere ehemalige Zeitschriftenikone an den Kiosk zurück – "Ohne Urzeitkrebse", wie ein Störer auf das ebenfalls kürzlich reaktivierte Kultheft "Yps" anspielt. Wie das ehemalige Jugendmagazin tut sich aber auch "Pardon" noch etwas schwer, in die großen Fußstapfen seines berühmten Vorgängers zu treten. Das Magazin kommt reichlich intellektuell daher, lässt dabei aber über weite Strecken aktuelle politische Bezüge vermissen.
"Feinsinn, Unsinn, Hintersinn" lautet das Motto von "Pardon" anno 2012. "Wir haben die spitze Feder dem Holzhammer vorgezogen", beschreiben die Chefredakteure Peter "Bulo" Böhling und Daniel Häuser den Anspruch des Satiremagazins. Brachialhumor à la "Titanic" sucht man in der Jubiläumsausgabe von "Pardon" – die erste Ausgabe erschien 1962, also vor 50 Jahren – in der Tat vergeblich. Stattdessen sollen prominente Autoren wie Harald Martenstein, Hellmuth Karasek, SZ-Streiflicht-Autor Hilmar Klute oder Eckhart von Hirschhausen für Qualität und Niveau sorgen. Darüber hinaus haben Autoren wie "Wirtschaftswoche"-Chefredakteur Roland Tichy, Peter Härtling, Wladimir Kaminer oder HORIZONT-Autor Harald Dzubilla (Spießer Alfons) Texte beigesteuert. Vermissen wird der eine oder andere Fan den im Vorfeld angekündigten Beitrag von Harald Schmidt.
Insgesamt hätte man sich bei aller feinen Zurückhaltung an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Mut und Schärfe gewünscht. Die wenigen Zoten, die sich "Pardon" erlaubt, wurden größtenteils dem bereits 1991 verstorbenen Wüterich Klaus Kinski in den Mund gelegt. Der legendäre "Pardon"-Gründer Hans A. Nickel handelte sich in den Hochzeiten des Magazins unzählige Prozesse ein – allein Franz-Josef Strauß verklagte das Magazin 18 Mal und verlor jeden einzelnen Prozess. Der aktuellen Ausgabe dürfte dieses Schicksal (oder ist es für ein Satiremagazin nicht vielleicht sogar eine Auszeichnung?) mangels Angriffsfläche nicht widerfahren.
Überraschend ist außerdem, dass die Bundespolitik, weiland eine der größten Fundgruben der Autoren von "Pardon", in der Jubiläumsausgabe so gut wie keine Rolle spielt. Auch Freunde intelligenter Cartoons und Karikaturen müssen viel blättern, um auf ihre Kosten zu kommen. Eine schöne Reminiszenz an die eigene Geschichte sind indes die Karikaturen aus alten "Pardon"-Ausgaben am Anfang jeder Rubrik.
Alles in allem haben die Chefredakteure Böhling und Häuser, die im Hauptjob das kleine, aber feine Medienmagazin "Clap" verantworten, aber eine mehr als würdige Jubiläumsausgabe auf die Beine gestellt. Ein wenig mehr Biss darf sich "Pardon" bei möglichen weiteren Ausgaben indes gerne erlauben. Ob das Magazin erneut in Serie geht, entscheidet sich in den kommenden Wochen am Kiosk. In punkto Vermarktung scheint "Pardon" bereits im Markt angekommen zu sein: Die erste Ausgabe enthielt ein gutes Dutzend hoffentlich voll bezahlter Anzeigen. dh
Kommentare
Nachrichten
alle Nachrichten
TV-Quoten
Die meistgesehenen Sendungen vom 21.05.2013
Bestellen Sie jetzt kostenlos den HORIZONT.NET Newsflash und erhalten Sie jeden Morgen die TV-Quoten.
Zu den Top 20 TV-Quoten
Leserfavoriten
HORIZONTJobs
News-Archiv
facebook
|
HORIZONT.NET auf Facebook
|
Marktdaten














