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Paid Content, Copyrights, Google-Provisionen: Verlage ringen um Geschäftsmodell im Web
Die Diskussion über die Durchsetzbarkeit von Paid Content im Internet zieht weitere Kreise - und erreicht jetzt sogar die Spiegel-Gruppe. Bisher seien redaktionelle Inhalte und Applikationen im Web kostenlos abrufbar, „doch wir müssen darüber nachdenken, ob das für immer so gelten muss", sagte „Spiegel"-Verlagsleiter Fried von Bismarck bei einer Podiumsdiskussion des dpa-PR-Tochterunternehmens News Aktuell am Dienstagabend in Hamburg. Er stimmt etwa dem Modell einer Inhalte-Flatrate zu, die Verwertungsgesellschaften á la Gema kassieren und an die Presseverlage ausschütten könnten. „So wird und muss es kommen, das wird ein Teil der Finanzierung sein."
Doch es werde noch lange dauern, bis es soweit ist und die dahinterstehenden Leistungsschutzrechte durchsetzbar seien. „Darum müssen sich die Verlage selbst kümmern", sagt von Bismarck. Das sind neue Töne beim „Spiegel": Bisher fiel der Verlag, dessen marktführende Nachrichtensite Spiegel Online als eines der wenigen durch Werbeerlöse rentablen Presseportale gilt, nicht als Agenda-Setter in Sachen Copyrights und Paid Content auf. „Dieser Zug ist abgefahren - leider", hatte „Spiegel"-Geschäftsführer Ove Saffe erst im Januar gegenüber HORIZONT erklärt.
Eher skeptisch blickt „Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser in die Runde: „Wir alle hier haben kaum Inhalte, die so unique sind, dass Paid-Content-Modelle funktionieren." Er hält dagegen einen „Korb von Refinanzierungsmöglichkeiten" für geeigneter, bestehend etwa aus Display- und Suchwortwerbung (Google Adsense), E-Commerce, Transaktionserlösen, Pay-per-View für einzelne Inhalte, Kooperationen sowie der Generierung von Print-Abos.
Esser erhebt allerdings eine Forderung gegen Google: Die Suchmaschine kassiere 50 bis 60 Prozent („Das ist ja alles nicht so ganz transparent") der Adsense-Werbeerlöse auf den Presseportalen, das sei zuviel. Das stimme nicht, kontert Google-Sprecher Kay Oberbeck, die Adsense-Partner erhielten den größten Anteil der Umsätze. Außerdem betont der Google-Kommunikator an anderer Stelle am Abend das Prinzip der Freiwilligkeit: Kein Verlag müsse bei Adsense mitmachen. Doch, so Oberbeck in der Google-üblichen altruistischen Rhetorik, wolle man doch nur „Qualitätsjournalismus auffindbar machen". Darauf Esser: „Sie sind nicht nur ein Samariter." Alle Beteiligten müssten „zivile Systeme der Kollaboration und Kooperation finden", schlichtet Springer-Mann Keese.
Und ein bisschen Branchen-Selbstkritik üben: „Wir Verlage müssen uns fragen, ob wir in den vergangenen Jahren etwas leise, langsam und träge geworden sind", räsoniert Julia Jäkel, Geschäftsführerin der G+J-Verlagsgruppe Exclusive & Living. Da mag es trösten, dass sogar Internet-Krösus und Super-Suchmaschine Google noch nicht alle Antworten im Internet gefunden hat: „Wir sind überzeugt, dass sich Youtube eines Tages rechnet - aber wir wissen heute noch nicht, wie", sagt Oberbeck. rp
Esser hat's erfasst:
"Wir alle hier haben kaum Inhalte, die so unique sind, dass Paid-Content-Modelle funktionieren." Das Problem ist nicht das Internet, sondern dass der Markt für das Produkt, so wie es sich jetzt darstellt, keinen anständigen Preis erzeugt. Und zwar weil die Verlage ihn mit austauschbarer Massenware überschwemmt haben. Btw, seid ihr sicher, dass im letzten Absatz "räsoniert" wirklich das Fremdwort ist, das ihr gesucht habt?Weitere Nachrichten aus Medien vom 22.04.2009:
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