12.01.2010
TV-Sender
N24: Geschäftsführer Torsten Rossmann und Stefan Aust wollen Sender kaufen
Torsten Rossmann, langjähriger Geschäftsführer des zu Pro Sieben Sat 1 gehörenden Nachrichtensenders N24, will den Kanal kaufen. Dies kündigt er in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" an, das morgen erscheint. Mit im Boot sind neben Rossmanns Co-Geschäftsführern Frank Meißner und Karsten Wiest auch Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und sein Partner Thorsten Pollfuß. Beide wollen jedoch nicht mit ihrer Firma Agenda Media einsteigen, sondern "als Privatpersonen".
Sollte es zu einem Management-Buy-Out kommen, würde wohl auch die Produktionstochter Maz & More mitverkauft. Deren Geschäftsführerin Maria von Borcke würde sich dann ebenfalls beteiligen.
Die Frage nach dem angemessenen Kaufpreis für N24 und Maz & More dürfte denn auch die Entscheidende sein. Der Preis "hängt von den Rahmenbedingungen ab, die noch zu definieren sind", so Rossmann im "Tagesspiegel". Bislang liefert der Sender die Nachrichten für Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins. Rossmann baut auf eine Fortsetzung dieser Vertragsbeziehungen: "Für uns wäre die Beauftragung des Senders mit der Nachrichtenproduktion eine wesentliche Voraussetzung für unser Geschäftsmodell." Aus seiner Sicht hängt so gut wie jedes Konzept für die Fortführung von N24 von dem Betrag ab, den Pro Sieben Sat 1 für Nachrichten zu zahlen bereit wäre.
Ob die Beauftragung von N24 auch in Ebelings Interesse läge, ist unklar und dürfte davon abhängen, wie hoch der Spareffekt ist. Die gesamte Nachrichtenproduktion der Gruppe kostet derzeit 40 Millionen Euro und ist angesichts der harten öffentlich-rechtlichen Konkurrenz nur schwer zu refinanzieren. In der "FAZ" sagt er, Andreas Bartl, im Vorstand für die deutsche Gruppe zuständig, sei davon überzeigt, "dass er adäquate Nachrichten für Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins auch günstiger einkaufen kann."
Ebelings Aussage im Dezember, Nachrichten "seien für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", sorgte für heftigen, zum Teil mehr als bigotten Protest von Politikern und Medien, die fürchteten, der Konzern könne künftig nachrichtenfrei senden. Bei den Landesmedienanstalten, die für die Kontrolle der privaten Sender zuständig sind, kursiert derzeit ein Papier, das die großen TV-Konzerne Pro Sieben Sat 1 und die Mediengruppe RTL via Staatsvertrag zur Ausstrahlung von Nachrichten verpflichten soll. Ebeling will Nachrichten jedoch gar nicht abschaffen. "Natürlich werden Sat 1, Pro Sieben und Kabel Eins weiterhin Nachrichten zeigen. Dazu stehen wir", sagt er der "FAZ".
Mit der Ankündigung von Rossmann dürfte nun das Bieterrennen um den Sender eröffnet sein. Der Kanal könnte auch für Verlage interessant sein, die ihre Nachrichtensites um Bewegtbild anreichern wollen. Immer wieder waren in den vergangenen Jahren Gerüchte aufgekommen, dass sich der ebenfalls in Berlin ansässige Zeitungskonzern Axel Springer für N24 interessieren soll. Zwar hatte Springer bei der gescheiterten Übernahme von Pro Sieben Sat 1 im Jahr 2005 noch gesagt, dass einzelne Sender nicht interessant wären. Angesichts der zunehmenden Relevanz von Bewegbild im Internet könnten sich hier jedoch neue Perspektiven bieten. pap
- Medien 8. Januar 2010: Landesmedienanstalten wollen Private zu eigenen Nachrichten verpflichten
- Medien 4. Dezember 2009: Kommentar: Warum private TV-Nachrichten ein Verlustgeschäft sind
- Medien 4. Dezember 2009: N24 beschäftigt Staatskanzleien
- Medien 1. Dezember 2009: Offener Brief: N24-Mitarbeiter warnen vor Feigenblatt-Nachrichten
- Medien 26. November 2009: Warum N24 Pro Sieben Sat 1 belastet
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