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HORIZONT.NET
27.07.2010

Kritik

von Bettina Neises,
Redakteurin Ressort Medien

Loveparade: 137 Beschwerden zur Bild-Berichterstattung


In erster Linie bemängelt: die Veröffentlichung detaillierter Fotos der Opfer 

In erster Linie bemängelt: die Veröffentlichung detaillierter Fotos der Opfer

Beim Deutschen Presserat in Berlin sind inzwischen 140 Beschwerden zur Berichterstattung über die Massenpanik bei der Loveparade eingegangen. Bis auf drei Ausnahmen wenden sich die Schreiben gegen das Boulevardblatt "Bild" sowie dessen Internetauftritt Bild.de. Dies teilt eine Sprecherin des Gremiums auf Anfrage von HORIZONT.NET mit. Die Kritiker bemängeln in erster Linie eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Veröffentlichung detaillierter Fotos der Opfer sowie eine unangemessen sensationelle Darstellung von Leid.
 
Geregelt sind diese presserechtlichen Fragen in den Ziffern 8 und 11 des Pressekodex. In dem Regelwerk heißt es zum Thema Persönlichkeitsrechte unter anderem: "Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden." Fakt ist: Bild.de zeigt in einer Bildergalerie Fotos von einigen Opfern. Ob es sich tatsächlich um einen Verstoß handelt, prüft nun der Presserat.
Axel Springer lässt indes verlauten: "Wie alle Medien berichtet auch Bild - aus unserer Sicht angemessen und verhältnismäßig - über die tragischen, schockierenden Ereignisse während der Loveparade." Von Beschwerden sei Springer bislang nichts bekannt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn das Prozedere beim Presserat sieht vor, dass der Beschwerdeausschussvorsitzende zunächst eine Vorprüfung unternimmt. Erst wenn er die Kritik als "nicht offensichtlich unbegründet" einstuft, wird das betroffene Medium um eine Stellungnahme gebeten. Anschließend entscheidet der Beschwerdeausschuss, der das nächste Mal im September tagt.
 
Auch die Springer-Wächter vom Bildblog gehen mit dem Boulevardblatt hart ins Gericht, verweisen aber auch auf grenzwertige Beiträge in anderen Medien. "Bilder von Schwerverletzten, unter Schock stehenden Personen, Rettungsmaßnahmen und Leichentüchern, unter denen Gliedmaßen hervorschauen, gab (und gibt) es auch auf Express.de, Stern.de, Derwesten.de zu sehen", heißt es in dem Blog. bn
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