Streit
13.03.2009
Lead Awards: Treffen sich Markus Peichl und der „Spiegel“ vor Gericht?
Die diesjährige Verleihung des renommierten Zeitschriftenpreises „Lead Awards" am 1. April in Hamburg wird möglicherweise juristische Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Die möglichen Kontrahenten: Die Lead Academy als Veranstalter des Wettbewerbs samt der dazugehörigen Ausstellung in den Hamburger Deichtorthallen auf der einen Seite - und der Spiegel-Verlag als bisheriger langjähriger Hauptsponsor auf der anderen Seite.
Bereits Mitte 2008 hatte der „Spiegel" die Sponsorship für dieses Jahr nach eigenen Angaben gekündigt. „Wir sind 2009 kein Sponsor. Es gab Gespräche über alternative Beteiligungskonzepte, diese haben aber zu keinem Ergebnis geführt" und seien im September 2008 abgebrochen worden, bekräftigte „Spiegel"-Geschäftsführer Ove Saffe im Januar 2009 gegenüber HORIZONT. Doch die Lead Academy sieht das wohl anders und ist offenbar der Auffassung, dass der erklärte Sponsoring-Rückzug des Verlags nicht wirksam sei und gegen den anderslautenden Vertrag verstoße. Es handele sich bei dieser Frage um eine rechtliche Angelegenheit, wird der Lead-Academy-Vorsitzende Markus Peichl von etlichen Teilnehmern der Pressekonferenz zur Eröffnung der „Lead Awards"-Ausstellung am heutigen Freitag zitiert. Peichl möchte das Thema und seine angebliche Aussage gegenüber HORIZONT.NET nicht kommentieren. Nur soviel: „Wir haben eine Vereinbarung mit dem ,Spiegel‘, dass er Sponsor der ,Lead Awards‘ 2009 ist. Der ,Spiegel‘ war immer ein zuverlässiger Partner, und er wird sicher gerade in diesen Zeiten ein zuverlässiger Partner bleiben."
Die Vorgeschichte: Im Frühsommer 2008 hatte der „Spiegel" - noch unter Saffes Vorgänger Mario Frank - den bis dato über zehn Jahre lang währenden Sponsorenvertrag mit der Lead Academy nach eigenen Angaben gekündigt. Angeblicher Grund: Der „Spiegel" sah eine Konkurrenzausschlussklausel dadurch verletzt, dass die Lead Academy für 2008 mit Google einen weiteren Mediensponsor akquiriert hatte. In Hamburg kursierte indes eine alternative Begründung: Danach habe der „Spiegel" unter Mario Frank das bis jetzt unabhängige Event komplett übernehmen wollen, als Veranstalter und Namensgeber. Hierüber habe es damals unterschiedliche Meinungen gegeben, hieß es.
Mit dem „Spiegel" ist beziehungsweise wäre den „Lead Awards" der größte Sponsor abhanden gekommen; in der Eventkasse dürfte dadurch ein geschätzt niedrig sechsstelliger Betrag fehlen. Weitere Top-Sponsoren sind laut Veranstaltungsunterlagen: Hugo Boss, Otto Group und die städtische Initiative „Hamburg und Design".
Erstmalig werden die nominierten Arbeiten der „Lead Awards" vor der Preisvergabe am 1. April dem Publikum in der Ausstellung „Visual Leader - Das Beste aus deutschen Zeitschriften" vorgestellt: Zu sehen sind Fotoserien, Zeitschriftenbeiträge und Anzeigen, die 2008 in deutschen Magazinen erschienen sind, außerdem Websites. Dieses Jahr kann das Publikum erstmals vor der Preisvergabe durch eine Besucherbefragung auch einen Publikumspreis vergeben. „Visual Leader" gilt als die größte Ausstellung ihrer Art in Deutschland. Anders als bei anderen Kreativwettbewerben kann man sich für die „Lead Awards" nicht bewerben. Eine unabhängige Fachjury durchforstet vielmehr die kompletten Jahrgänge von rund 350 deutschen Zeitschriftentiteln und sucht preiswürdige Arbeiten heraus. Die Ausstellung im „Haus der Photographie" (Deichtorhallen, Hamburg) eröffnet am Samstag dieser Woche und läuft bis zum 26. April. rp
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