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04.01.2010

Verlage

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Klambt: "Look" wird zu "Grazia" / Lizenzausgabe des Mondadori-Frauenmagazins


Klambt-Verleger Lars Joachim Rose 

Klambt-Verleger Lars Joachim Rose

Das dürfte der Überraschungs-Coup zum Jahresanfang sein: Die Mediengruppe Klambt bringt ihr neues Frauenmagazin im Februar nicht, wie angekündigt, unter dem Titel "Look" heraus - sondern unter dem Namen "Grazia". Dies erfuhr HORIZONT.NET bereits Ende Dezember aus Media-Kreisen; am Samstag hat das "Hamburger Abendblatt" darüber berichtet. Ein Klambt-Sprecher wollte die Informationen bisher nicht kommentieren.
 
Damit scheint jetzt auch klar, dass die neue Wochenzeitschrift als deutsche Lizenzausgabe des gleichnamigen Titels des italienischen Mondadori-Verlags auf den Markt kommt. Genau das wurde im Vorfeld immer wieder spekuliert - und von Klambt immer wieder abgestritten. Erst Anfang November 2009, als der badische Verlag sein Konzept der Fachöffentlichkeit unter dem Titel „Look" vorstellte, verstummten die "Grazia"-Spekulationen. Schließlich gab es kaum Gründe, an den klaren Aussagen zu zweifeln: "Jetzt ist es amtlich: Das neue Magazin heißt ,Look‘" (O-Ton Presseinfo). Zeitgleich startete eine entsprechende Fachkampagne.
Eigentlich sollte der neue Titel "Look" heißen 

Eigentlich sollte der neue Titel "Look" heißen

Doch das mit "Look" war wohl nur ein Fake, als Platzhalter für "Grazia". Möglicherweise haben sich die Lizenzverhandlungen mit Mondadori länger hingezogen, und Klambt wollte Werbungtreibenden und Media-Agenturen sein Heftkonzept bereits früher präsentieren, rechtzeitig vor den Einbuchungen für 2010. Vielleicht standen die Verhandlungen aber auch auf der Kippe - und Klambt hat die Namensrechte an "Look" deshalb von Gruner + Jahr gekauft, um das neue Heft im Notfall auch ohne den "Grazia"-Deal starten zu können. Auch wenn die Lizenz eines etablierten Titels im Anzeigenmarkt mehr Vertrauensvorschuss bringt.
 
Die Mondadori-Gruppe, die mehrheitlich dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehört, gibt ihr Frauenmagazin „Grazia" im Heimatmarkt Italien (seit 1938) sowie in Frankreich in Eigenregie heraus; in weiteren sechs (ost-) europäischen und vier asiatischen Ländern (darunter China) sowie in Russland, Australien und den Arabischen Emiraten hat Mondadori Lizenzen vergeben. Die britische „Grazia"-Ausgabe verantwortet die Bauer Media Group, nachdem die Hamburger 2008 die Magazinsparte des britischen Verlags Emap samt „Grazia"-Engagement gekauft hatten. In der Vergangenheit wurde auch über Bauer, Burda sowie Gruner + Jahr, Mondadoris Joint-Venture-Partner bei einzelnen Titeln in Italien, als mögliche Deutschland-Lizenznehmer für "Grazia" spekuliert. Doch nun macht's also Klambt.
 
Und immerhin: Beim Heftkonzept, das Klambt-Verleger Lars Joachim Rose seit November allerorten vorstellt, bleibt es offenkundig - sonst würde die ganze Aktion kaum Sinn ergeben. Marktkenner wollen in den "Look"- beziehungsweise „Grazia"-Deutschland-Präsentationen eine Mischung aus der englischen und der französischen Ausgabe erkannt haben. Bei Klambt betont man indes stets, dass es sich um ein eigenständiges Lifestylekonzept handele, das es so weder in Deutschland noch anderswo gebe - ein „Hochglanz-Crossover" aus Mode/Style, People und News. Konzipiert wird das Projekt, in das Klambt zwischen 10 und 20 Millionen Euro investiert (Verleger Rose: „Der wichtigste Launch für uns bisher"), von einem 30-köpfigen Team um Klaus Dahm seit einem Jahr am künftigen Redaktionssitz in Hamburg.
 
Die erste Ausgabe wird, wie berichtet, am 11. Februar und ab dann jeden Donnerstag erscheinen. Die Garantieauflage liegt bei 150.000 Exemplaren (Druckauflage zum Start: 500.000 Stück). Die langfristigen Verkaufserwartungen rangieren bei 200.000 Heften. Der Copypreis soll um die 2 Euro liegen. Kernzielgruppe sind laut Klambt rund 4,9 Millionen an den Heftthemen interessierte Frauen zwischen 25 und 40 Jahren („urbane Hedonistas"). Eine Anzeigenseite kostet 11.500 Euro. Den neuen Titel will Klambt alleine, ohne Joint-Venture-Partner, herausbringen - anders als bei „OK" (Partner: Northern & Shell) und „In" (G+J). Aber wer weiß: Vielleicht ist auch in dieser Frage das letzte Wort noch nicht gesprochen. rp
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