17.04.2008
Gruner + Jahr
Heftkosmetik statt Vertriebskosmetik: Park Avenue kämpft um magische Auflagenmarke
Das G+J-Gesellschaftsmagazin „Park Avenue“ sucht nach Wegen, die Auflagenmarke von 100.000 verkauften Exemplaren zu erreichen. „Das ist eine psychologische Grenze, die für Anzeigenkunden wichtig ist“, sagte Verlagsleiterin Gabriele Saß im Rahmen eines Pressegesprächs in Hamburg.
Damit bewertet sie die Relevanz derartiger Auflagenschwellen völlig anders als ihr Verlagskollege Ove Saffe, Geschäftsführer des „Stern“, dessen Auflage im Startquartal 2008 unter die 1-Million-Marke gerutscht ist. Diese Grenze „existiert nur in den Köpfen einiger Leute“, so Saffe im HORIZONT-Interview: „Für Mediaentscheider hat diese Zahl keine große Bedeutung.“
„Park Avenue“ verkauft derzeit 93.888 Hefte (IVW I/2008), davon nur 45 bis 50 Prozent über Abo und Einzelverkauf. Wegen dieser eher niedrigen Quote „harter“ Verkäufe möchte Saß die Bord-, Lesezirkel- und sonstigen Verkäufe nicht noch weiter erhöhen, um die magische 100.000er-Marke zu erreichen. Ursprünglich sollte das 2005 eher glücklos gestartete Monatsmagazin diese Schallmauer bereits Mitte 2006 durchbrochen haben. Statt für Vertriebs- hat sich G+J nun für Blattkosmetik entschieden.
Im Mai-Heft zeigt Constantin Rothenburg, seit März Creative Director bei „Park Avenue“, erstmals seine Handschrift. Zuvor hatte Chefredakteur Andreas Möller, seit August 2007 an Bord, am Redaktionskonzept gefeilt. Das Magazin zeigt sich in Layout und Optik nun „frischer, eleganter, großzügiger und leichter zugänglich“, sagt Möller. Der Hefteinstieg („Short Cuts“) kommt mit neuen Rubriken und nur noch mit People-Meldungen daher, die Kulturhinweise wandern ans Heftende in die Produktpräsentations-Rubrik, die jetzt „Selection“ heißt und geordneter wirkt. Das dürfte auch den Werbekunden gefallen – die zweite Baustelle von Verlagsleiterin Saß: „Wir liegen im Anzeigengeschäft über Vorjahr, sind aber noch nicht da, wo wir hinwollen.“
Auch deshalb schreibt „Park Avenue“ nach wie vor rote Zahlen. Den Zeitpunkt des geplanten Break-even wollte Saß nicht nennen. Immerhin: Dem Ziel, den Anteil weiblicher Leser zu erhöhen, scheint man nähergekommen zu sein. Laut Käuferbefragung im März sind mittlerweile 73 Prozent der Käufer (Vorjahr: unter 70 Prozent) und 60 Prozent der Leser Frauen.
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