Pressevertrieb
15.06.2010
Grosso-Streit: Bauer reicht die Hand - und bekräftigt Forderungen
Friedensfrühstück mit der ersten Reihe: Die Geschäftsleitung der Bauer Media Group war am heutigen Dienstagmorgen zum Journalistengespräch bei Croissants, Schnittchen und Kaffee angetreten, um nicht weniger als einen Atmosphärenwechsel im schier ewigen Vertriebsstreit mit den Presse-Grossisten zu verkünden. „Wir reichen dem Grosso-Verband die Hand zu einem konstruktiven Dialog über die Steigerung der Effizienz im Pressevertrieb", sagte Yvonne Bauer, Verlegertochter und oberste Vertriebschefin.
Was heißt das konkret? Künftig will der Familienverlag eher das Gespräch suchen mit dem Grosso-Verband und Streitereien weniger über die Gerichte austragen. „Alle Seiten haben die vergangenen Monate zu sehr mit Kleinigkeiten vergeudet", ergänzt Geschäftsleiter Andreas Schoo.
Denn an der grundsätzlichen Meinung und an den Zielen des Großverlags dürfte sich wenig geändert haben: Das Pressevertriebssystem dürfe kein Selbstzweck sein, es müssten Reformen erfolgen. Konkret fordert Schoo neue Leistungs- oder Kostengerechte Handelsspannen, die Kodifizierung der bisher meist mündlichen Lieferabsprachen in Verträgen und einmal mehr Fusionen der bisher 73 deutschen Grossobetriebe. Außerdem wünscht sich Bauer eine stärkere Servicementalität des Grossos.
Bauer stehe zu allen fünf Essentials der gemeinsamen Erklärung von 2004: Dispositions- und Remissionsrecht, Preis- und Verwendungsbindung sowie Neutralitätsverpflichtung auf Grossoebene. Nur in einem Punkt gebe es Dissens: Bei der Frage, ob Verlage auch aus wirtschaftlichen Gründen Geschäftsbeziehungen mit Grossisten kündigen können. Bezüglich der Neutralitätsverpflichtung des Einzelhandels wies Schoo darauf hin, dass Zahlungen für Sonderplatzierungen im Bahnhofsbuchhandel bei anderen Verlagen gang und gäbe seien.
Zudem führt Bauer derzeit seine bislang größte Markterhebung durch, die Vorabergebnisse seien alarmierend. Die Hamburger reagieren auf diese Entwicklung mit dem Aufbau eines Key-Account-Managements, das den Filialhandel intensiv betreuen soll und mit den Partnern an Lösungen für deren Anforderungen an das Pressesortiment arbeitet. Zudem will Bauer seine eigenen Einzelhandelsaktivitäten verstärken. „Wir brauchen Reformen für einen effizienteren Pressevertrieb, um langfristig überleben zu können," so Yvonne Bauer mit Verweis auf die große Abhängigkeit ihres Hauses vom Vertrieb. rp
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