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Pressevertrieb

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

Grosso-Handelsspanne: G+J droht mit dem Scheitern der Verhandlungen


Warnt vor "Angriff auf die Pressevielfalt": G+J-Vertriebschef Olaf Conrad 

Warnt vor "Angriff auf die Pressevielfalt": G+J-Vertriebschef Olaf Conrad

Bei den Verhandlungen zwischen den Verlagen und dem Bundesverband Presse-Grosso um die neuen Handelsspannen wird ein einheitlicher Branchenvertrag immer unwahrscheinlicher. Der alte - noch einheitliche - Vertrag läuft Ende Februar aus; seit Wochen feilschen die Parteien erbittert um die neuen Konditionen.

 
Gegen das jüngste Handelsspannenangebot, das der Grosso-Vorstand offenbar am heutigen Mittwoch dem Großverlag Gruner + Jahr vorgelegt hat, geht G+J in einer Erklärung, die HORIZONT.NET vorliegt, auf die Barrikaden - und deutet das „vorläufige Scheitern der Verhandlungen mit G+J" an. Grund: Der jüngste Vorschlag des Grosso-Verbandes habe „gravierende Auswirkungen auf den Markt der Publikumszeitschriften", bedeute eine „Schlechterstellung der Mehrheit der Verlage" und sei ein „Angriff auf die Pressevielfalt", sagt Olaf Conrad, Geschäftsführer der G+J-Vertriebstochter Deutscher Pressevertrieb (DPV).
Laut G+J sehe der jüngste Grosso-Vorschlag eine weiter sinkende Bedeutung des Titelumsatzes und der Copypreise vor. Conrad: „Der Umsatzbonus wird so modifiziert, dass nur wöchentliche Titel in hohen Auflagenklassen profitieren. Titeleinführungen mit kleineren Auflagen werden verteuert." Über eine Besserstellung werbeunterstützter Einführungen hochauflagiger Titel werde die Marktmacht von Großverlagen zementiert.
 
Diese Worte von G+J, Europas größtem Zeitschriftenverlag, verwundern nur auf den ersten Blick. Denn anders als die Wettbewerber Bauer und Axel Springer verdient G+J („Stern") sein Geld nicht (nur) mit hochauflagigen Tageszeitungen und Wochentiteln, sondern auch mit hochpreisigen Monats- („Geo") und Nischentiteln („Dogs"). Außerdem fungiert die G+J-Tochter DPV als Vertriebsdienstleister für zahlreiche andere auch kleinere Verlage, etwa im Bereich Special Interest. Der Pressehandel hingegen lebt vor allem von Axel Springer („Bild") und den bunten Blättern der Bauer-Gruppe. Drei der fünf größten Umsatzbringer im Zeitschriften-Einzelverkauf stammten 2008 von Bauer, und rund ein Viertel der Top 100.
 
Daher agierten bisher vor allem Bauer und Axel Springer als Wortführer der Kritik: Der Status Quo sei für die Leistungsträger des Grosso-Systems ineffizient und zu teuer, so der Vorwurf. Viele der bundesweit 73 Grossisten arbeiteten zu schlecht, etwa bei der Betreuung der Einzelhändler und der umsatzstarken Titel. Drei Grossisten hat Bauer seitdem die Auslieferung gekündigt. Axel Springer fordert eine Modernisierung und Margensenkung zulasten der „Monopolrenditen" der Grossisten. Vor diesem Hintergrund kann man den jüngsten Handelsspannen-Vorschlag des Grosso-Verbandes, den G+J nun skizziert und verbreitet, als Konzession an Axel Springer und Bauer lesen.
 
Ohne Wettbewerber beim Namen zu nennen, sieht das G+J-Vertriebschef Conrad möglicherweise ähnlich: „In der Summe ergibt sich eine massive Umverteilung zulasten von Magazinen mit monatlicher Erscheinungsweise, hochpreisiger Zielgruppen-Zeitschriften und erfolgreicher Sonderhefte", klagt Conrad mit Blick auf den jüngsten Grosso-Vorschlag: „Das Grosso verlässt dabei seine Position der Neutralität - eines der wertvollsten Essentials im deutschen Pressevertriebssystem." Das Modell führe „zu nicht-tolerierbaren Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Verlagen". Zudem würden dem Markt damit „wichtige Innovationsimpulse" mittelständischer Verlage und selbstständiger Gründer genommen.
 
Conrad fordert das Grosso „erneut auf, einen Handelsspannenvorschlag vorzulegen, der für die Breite der Verlage paritätisch zu einer jetzt notwendigen Absenkung der Vertriebskosten führt". Eine Umverteilung über einen Systemwechsel sei in der gegenwärtigen Marktlage falsch. Beim Bundesverband Presse-Grosso war bisher niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. rp
 
Mehr zum Thema in der HORIZONT-Ausgabe 7/2008, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
 
Die Erklärung von Olaf Conrad als PDF-Download

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