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01.10.2009

Umbau

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

G+J zentralisiert Vermarktung / Nur noch zwei Verkaufsgruppen / 30 Prozent Stellenabbau


Stan Sugarman zentralisiert die Vermarktung 

Stan Sugarman zentralisiert die Vermarktung

Der heiße Herbst bei Gruner + Jahr beginnt mit dem Radikalumbau der Vermarktungssparte G+J Media Sales. Das Projekt ist der wohl größte Brocken der von CEO Bernd Buchholz vage angekündigten „Restrukturierungsmaßnahmen" in Deutschland. Eine Zentralisierung war schon länger erwartet worden, nun werden Details bekannt: Nach Informationen von HORIZONT.NET gibt es künftig nur noch zwei große Vermarktungsgruppen. Deren Anzeigenchefs berichten dann nicht mehr an die vier Verlagsgeschäftsführer, sondern an G+J Media Sales. Dort werden zudem alle Innendienste angedockt.
 
Damit folgt G+J in punkto Berichtswege anderen Großverlagen. Die G+J-Matrixstruktur mit regionalen Verkaufsteams bleibt indes erhalten, wird aber deutlich gestrafft. Von dem Umbau dürfte sich G+J schnellere Entscheidungswege versprechen sowie einheitlichere Verkaufsstrategien, eine bessere Umsetzung künftig erhoffter Print-Vermarktungsmandate - und massive Kostenersparnis.
Offenbar sollen insgesamt rund 85 Stellen gestrichen werden, das ist ein knappes Drittel der bisher etwa 280 G+J-Vermarktungsposten. Den Informationen zufolge sollen rund zwei Drittel des Stellenabbaus durch bereits abgeschlossene Aufhebungsverträge, Altersteilzeit, interne Wechsel, auslaufende befristete Verträge sowie Fluktuation erfolgen. Dennoch rechnet G+J dem Vernehmen nach damit, etwa einem Dutzend Mitarbeitern kündigen zu müssen. Das künftige Führungskräfte-Tableau ist bisher unklar. Sicher scheint nur: Guido Modenbach, bislang Stellvertreter von Media-Sales-Geschäftsführer Stan Sugarman, wird ebenfalls Geschäftsführer; Sugarman wird Sprecher des Gremiums. Ein Verlagssprecher wollte diese und die folgenden Informationen und Interpretationen nicht kommentieren.
 
Guido Modenbach steigt zum Geschäftsführer auf 

Guido Modenbach steigt zum Geschäftsführer auf

Nach außen hin am deutlichsten dürfte der Umbau, der zum 1. Dezember erfolgen soll, durch die Bündelung des Anzeigengeschäftes in den beiden neuen großen Vermarktungslinien „News" und „Style" werden. In der „News"-Sparte, die sich eher auf männliche Zielgruppen fokussiert, werden die Titel der beiden G+J-Verlagsgruppen Stern/Geo/Art sowie Wirtschaftsmedien („FTD", „Capital") vermarktungstechnisch zusammengeführt. Die „Style"-Sparte fasst die eher frauenorientierten Magazine der Verlagsgruppen Frauen/Familie/People („Brigitte", „Gala") und Exclusive & Living („Essen & Trinken", „Schöner Wohnen") zusammen.
 
Die Anzeigenleiter der Titel berichten dann jeweils an den Gesamtanzeigenleiter „News" oder „Style", und diese beiden an Sugarman - ebenso wie ein dritter Gesamtanzeigenleiter, der künftig die regionalen Verkaufsbüros führt. Dort werden weiterhin die Key-Account-Kunden betreut; diese erhalten indes Besuch von dann nur noch höchstens zwei G+J-Außendienstlern („News", „Style") - und nicht länger von bis zu vier (Verlagsgruppen). Allerdings haben die Verkäufer dafür künftig mehr Titel im Gepäck. Gleichwohl wird der Außendienst ab Dezember nicht mehr jeden Titel vollständig mit vermarkten. Kleinere Magazine und solche mit spitzen Zielgruppen sollen offenbar in der neuen Sparte „Direct Sales" zentral betreut werden. Diese soll ein vierter Gesamtanzeigenleiter führen, der an Modenbach berichtet.
 
Fazit: Neben Strukturstraffung und Stellenabbau fällt die - je nach Standpunkt - teilweise Entmachtung oder Entlastung der vier Verlagsgeschäftsführer auf. Künftig dürfen oder müssen sich Thomas Lindner (Stern/Geo/Art), Volker Breid (Frauen/Familie/People), Ingrid Haas (Wirtschaft) und Julia Jäkel (Exclusive & Living) nicht mehr um die Positionierung ihrer Titel im Werbemarkt und ums Verkaufsmanagement kümmern. Vor allem von dieser Zentralisierung bei G+J Media Sales erhofft sich der Verlag bessere Chancen im angestrebten Print-Mandantengeschäft, weil so Vermarktungsdienstleistungen besser, das heißt zentral und ohne Interessenkonflikte, von Kunden abgerufen werden könnten. Die Verlagsgeschäftsführer wären dann quasi interne Auftraggeber für G+J Media Sales. rp
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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (2)
Felipe Schwindler sagte am 01.10.2009 um 13:35

Marketingverantwortlicher

G+J zeigt in diesen Zeiten, das der Umbau notwendig und essentiell ist; Sales wird wesentlich effektiver und effizienter, eine Wohltat für die werbetreibende Industrie und Agenturverantwortliche. Es bleibt zu hoffen, das sich andere Verlagshäuser daran ein Beispiel nehmen. Sobald der Umbau mit allen schmerzhaften Maßnahmen umgesetzt worden ist, verbleibt nur noch das Sorgenkind G+J EMS, dem sich dann hoffentlich der Hauptverantwortliche S. Sugarman annehmen wird, um es auf Spur zu bringen und den Dienstleistungscharakter, den man als Kunde dort teilweise vergeblich sucht, wieder ans Tageslicht fördert.
ahrweiler sagte am 09.10.2009 um 16:04

G&J Arroganz

Die Arroganz von G&J ist nicht zu überbieten. Wenn G&J irgendwo ein Führer ist, dann als PR-Marktführer (Dank Kurt Otto). Und Herr Sugarman kennt als Amerikaner offensichtlich nicht die Bedeutung von Qualität. Denn Qualität definiert die jeweilige Zielgruppe der Titel und nicht Herr Sugarman. Und wenn hier jemand früher (wie der Kostenmarktführer Bauer) auf die Kosten geachtet hätte, dann müssten jetzt nicht soviele Mitarbeiter gefeuert werden. Die ganze - auch weiterhin - komplizierte Struktur kommt mir vor als hätte die, für ein PRINT Haus(!), ein Onliner gemacht, dessen Vertreter ein TV-Mann ist, und über allen tront ein Jurist für den das Wort Anzeige ein "Straftatbestand" ist. Und mal nur so zum Vergleich: Bauer verkauft im 2.Quartal EV Inland 10,7 Mio, Burda 6,7 Mio, Springer 5 Mio Zeitschriften. G&J gerade mal 2,7 Mio. Ein bisschen Bescheidenheit wär angebracht. Besten Gruß

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