Umbau
01.10.2009
G+J zentralisiert Vermarktung / Nur noch zwei Verkaufsgruppen / 30 Prozent Stellenabbau
Der heiße Herbst bei Gruner + Jahr beginnt mit dem Radikalumbau der Vermarktungssparte G+J Media Sales. Das Projekt ist der wohl größte Brocken der von CEO Bernd Buchholz vage angekündigten „Restrukturierungsmaßnahmen" in Deutschland. Eine Zentralisierung war schon länger erwartet worden, nun werden Details bekannt: Nach Informationen von HORIZONT.NET gibt es künftig nur noch zwei große Vermarktungsgruppen. Deren Anzeigenchefs berichten dann nicht mehr an die vier Verlagsgeschäftsführer, sondern an G+J Media Sales. Dort werden zudem alle Innendienste angedockt.
Damit folgt G+J in punkto Berichtswege anderen Großverlagen. Die G+J-Matrixstruktur mit regionalen Verkaufsteams bleibt indes erhalten, wird aber deutlich gestrafft. Von dem Umbau dürfte sich G+J schnellere Entscheidungswege versprechen sowie einheitlichere Verkaufsstrategien, eine bessere Umsetzung künftig erhoffter Print-Vermarktungsmandate - und massive Kostenersparnis.
Nach außen hin am deutlichsten dürfte der Umbau, der zum 1. Dezember erfolgen soll, durch die Bündelung des Anzeigengeschäftes in den beiden neuen großen Vermarktungslinien „News" und „Style" werden. In der „News"-Sparte, die sich eher auf männliche Zielgruppen fokussiert, werden die Titel der beiden G+J-Verlagsgruppen Stern/Geo/Art sowie Wirtschaftsmedien („FTD", „Capital") vermarktungstechnisch zusammengeführt. Die „Style"-Sparte fasst die eher frauenorientierten Magazine der Verlagsgruppen Frauen/Familie/People („Brigitte", „Gala") und Exclusive & Living („Essen & Trinken", „Schöner Wohnen") zusammen.
Die Anzeigenleiter der Titel berichten dann jeweils an den Gesamtanzeigenleiter „News" oder „Style", und diese beiden an Sugarman - ebenso wie ein dritter Gesamtanzeigenleiter, der künftig die regionalen Verkaufsbüros führt. Dort werden weiterhin die Key-Account-Kunden betreut; diese erhalten indes Besuch von dann nur noch höchstens zwei G+J-Außendienstlern („News", „Style") - und nicht länger von bis zu vier (Verlagsgruppen). Allerdings haben die Verkäufer dafür künftig mehr Titel im Gepäck. Gleichwohl wird der Außendienst ab Dezember nicht mehr jeden Titel vollständig mit vermarkten. Kleinere Magazine und solche mit spitzen Zielgruppen sollen offenbar in der neuen Sparte „Direct Sales" zentral betreut werden. Diese soll ein vierter Gesamtanzeigenleiter führen, der an Modenbach berichtet.
Fazit: Neben Strukturstraffung und Stellenabbau fällt die - je nach Standpunkt - teilweise Entmachtung oder Entlastung der vier Verlagsgeschäftsführer auf. Künftig dürfen oder müssen sich Thomas Lindner (Stern/Geo/Art), Volker Breid (Frauen/Familie/People), Ingrid Haas (Wirtschaft) und Julia Jäkel (Exclusive & Living) nicht mehr um die Positionierung ihrer Titel im Werbemarkt und ums Verkaufsmanagement kümmern. Vor allem von dieser Zentralisierung bei G+J Media Sales erhofft sich der Verlag bessere Chancen im angestrebten Print-Mandantengeschäft, weil so Vermarktungsdienstleistungen besser, das heißt zentral und ohne Interessenkonflikte, von Kunden abgerufen werden könnten. Die Verlagsgeschäftsführer wären dann quasi interne Auftraggeber für G+J Media Sales. rp
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