08.05.2008
Machtwort
G+J rüffelt "Spiegel"-Mitarbeiter KG - und lockert Schutz für Mario Frank
Im Zwist der "Spiegel"-Gesellschafter um die Zukunft des umstrittenen Geschäftsführers Mario Frank sendet der Veto-berechtigte Minderheitseigner Gruner + Jahr (25,5 Prozent) öffentliche Botschaften an die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent am "Spiegel" hält.
In einem in der "SZ" platzierten Interview erinnert G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun die fünfköpfige KG-Spitze daran, dass es Aufgabe aller Gesellschafter sei, dem gemeinsam berufenen Geschäftsführer "Unabhängigkeit und Autorität" sowie "Vertrauen und die notwendigen Entscheidungsfreiräume" zu garantieren, damit dieser seine Aufgaben erfüllen könne. Solange die Gesellschafter nichts anderes entschieden, müssten sie der Geschäftsführung den Rücken stärken. "Das setzt eine gewisse Selbstdisziplin voraus", stichelt Kundrun wohl vor allem in Richtung "Spiegel"-Mitarbeiter-KG. Diese hatte Frank vor zwei Wochen das Vertrauen entzogen.
Kundruns Gesprächsbereitschaft könnte als Einlenken verstanden werden - und als Reaktion auf die von G+J möglicherweise so nicht erwartete offensichtliche Einigkeit der "Spiegel"-Mitarbeiter und ihrer KG-Spitze: Am Dienstag dieser Woche hatten die Stillen Gesellschafter auf ihrer jährlichen Vollversammlung die KG-Führung entlastet. Zwar ging es dabei formal nur um den Jahresabschluss und die Gewinnausschüttung, doch die nahezu einmütige Zustimmung und einzelne Äußerungen der KG-Spitze deuten viele Teilnehmer und Beobachter als Beleg für die (neue) Geschlossenheit der "Spiegel"-Hauptgesellschafter vor allem in ihrer Ablehnung des Geschäftsführers Frank, den die KG - in ihrer alten gewählten Zusammensetzung - Anfang 2007 zum Verlag geholt hatte. Im "SZ"-Interview zieht Kundrun indes auch Grenzen: "Sollten künftige Chefredakteure und Geschäftsführer aus der jetzigen Situation den Schluss ziehen, sich nur einseitig am Mitarbeiterwillen zu orientieren und nicht an dem, was für das Unternehmen notwendig ist, wäre das völlig falsch."
- Medien 6. Mai 2008: Spiegel-Mitarbeiter entlasten KG-Spitze im Streit mit G+J
- Leute 28. April 2008: „Spiegel“-Gesellschafter lassen Geschäftsführer Mario Frank fallen
- Klartext 5. Februar 2008: Spiegel: Wer nach Aust kommt
- Medienhäuser: Gruner + Jahr AG
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