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10.09.2008

Gruner + Jahr

von Roland Pimpl,
Redakteur / Korrespondent Hamburg

G+J denkt über Agenturrabatte nach / Rückzug aus Digital-TV-Vermarktung


G+J-Media-Sales-Leiter Stan Sugarman 

G+J-Media-Sales-Leiter Stan Sugarman

Bei Gruner + Jahr bahnt sich ein Paradigmenwechsel im Werbegeschäft an: Der Großverlag denkt offenbar darüber nach, den Mediaagenturen künftig offiziell agenturbezogene Rabatte ("Kickbacks") zu gewähren. "In den vergangenen Monaten hat es einige Marktentwicklungen gegeben, im Zuge derer sich die Rolle von Mediaagenturen präziser und klarer herauskristallisiert hat. Das beobachten wir genau und bilden uns derzeit eine Meinung", sagt Stan Sugarman, Leiter G+J Media Sales, im HORIZONT-Interview.
 
Das sind völlig neue Töne, denn bisher hatte es G+J offiziell immer strikter als die meisten Verlage abgelehnt und dementiert, Kickbacks zu zahlen. Grund für das Umdenken sind die neuen Agenturvertragsmodelle im TV-Markt mit teils offiziell institutionalisierten Rabattzahlungen. Offenbar hat der Druck von Agenturseite auch auf G+J seitdem weiter zugenommen.
Dass das Werbegeschäft im Minus liegt, räumt Sugarman ein: "Es wird schwer, das Vorjahresniveau zu erreichen. 2008 wird kein gutes Jahr fürs klassische Anzeigengeschäft." Bereits 2007 lag Gruner + Jahrs Bruttowerbeumsatz (Publikumszeitschriften in Deutschland ohne Motor Presse Stuttgart) mit rund 640 Millionen Euro etwa 7 Prozent unter Vorjahr. Im 1. Halbjahr 2008 ist ein Bruttominus von über 4 Prozent aufgelaufen. Laut Sugarman kann der Onlinezuwachs den Rückgang in Print noch nicht kompensieren; erst 2009 rechnet er damit.
 
Dafür will G+J Media Sales verstärkt auch in Übernahmen investieren: "Die Digitalvermarktung betrachten wir als strategisches Wachstumsfeld", erklärt Sugarman. Man wolle über die Akquise von Mandanten oder - wie bei Ligatus - über den Erwerb von ganzen Vermarktern wachsen. "Unser Ziel ist es, in drei bis vier Jahren nach Umsatz zu den Top-5-Onlinevermarktern zu gehören", so Sugarman. Er erwartet, dass G+J Media Sales mittelfristig rund ein Drittel seiner Digitalumsätze durchs Mandantengeschäft erzielt (bisher: 25 Prozent).
 
Doch zunächst einmal ist Rückzug angesagt - aus der Vermarktung von Digital-TV. Hier war G+J vor zwei Jahren mit sieben Mandanten und großen Plänen gestartet, zuletzt waren nur noch das Deutsche Gesundheitsfernsehen und die Musikplattform Yavido übrig. Doch auch damit ist jetzt Schluss, G+J hat alle Vermarktungsverträge zum September aufgelöst. Sugarman: "Unsere ursprünglichen Annahmen bezüglich Satelliten-Verbreitung und Vermarktungssynergien haben sich leider nicht erfüllt." rp
 
Das Interview mit Stan Sugarman und seinem Stellvertreter Guido Modenbach lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 37/2008, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (1)
Mike Schwede sagte am 10.09.2008 um 18:38

Gegen den Strom?

Die Schweizer Verlagsbranche möchte mehr Transparenz in den Media-Markt bringen (http://www.schweizerpresse.ch/?id=290), Kickbacks werden immer mehr abgeschafft, resp. werden als Gesetzeswidrig verfolgt und G&J schwimmt gegen den Strom? Interessante Strategie. Da darf man gespannt sein.

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