10.09.2008
Gruner + Jahr
G+J denkt über Agenturrabatte nach / Rückzug aus Digital-TV-Vermarktung
Bei Gruner + Jahr bahnt sich ein Paradigmenwechsel im Werbegeschäft an: Der Großverlag denkt offenbar darüber nach, den Mediaagenturen künftig offiziell agenturbezogene Rabatte ("Kickbacks") zu gewähren. "In den vergangenen Monaten hat es einige Marktentwicklungen gegeben, im Zuge derer sich die Rolle von Mediaagenturen präziser und klarer herauskristallisiert hat. Das beobachten wir genau und bilden uns derzeit eine Meinung", sagt Stan Sugarman, Leiter G+J Media Sales, im HORIZONT-Interview.
Das sind völlig neue Töne, denn bisher hatte es G+J offiziell immer strikter als die meisten Verlage abgelehnt und dementiert, Kickbacks zu zahlen. Grund für das Umdenken sind die neuen Agenturvertragsmodelle im TV-Markt mit teils offiziell institutionalisierten Rabattzahlungen. Offenbar hat der Druck von Agenturseite auch auf G+J seitdem weiter zugenommen.
Dafür will G+J Media Sales verstärkt auch in Übernahmen investieren: "Die Digitalvermarktung betrachten wir als strategisches Wachstumsfeld", erklärt Sugarman. Man wolle über die Akquise von Mandanten oder - wie bei Ligatus - über den Erwerb von ganzen Vermarktern wachsen. "Unser Ziel ist es, in drei bis vier Jahren nach Umsatz zu den Top-5-Onlinevermarktern zu gehören", so Sugarman. Er erwartet, dass G+J Media Sales mittelfristig rund ein Drittel seiner Digitalumsätze durchs Mandantengeschäft erzielt (bisher: 25 Prozent).
Doch zunächst einmal ist Rückzug angesagt - aus der Vermarktung von Digital-TV. Hier war G+J vor zwei Jahren mit sieben Mandanten und großen Plänen gestartet, zuletzt waren nur noch das Deutsche Gesundheitsfernsehen und die Musikplattform Yavido übrig. Doch auch damit ist jetzt Schluss, G+J hat alle Vermarktungsverträge zum September aufgelöst. Sugarman: "Unsere ursprünglichen Annahmen bezüglich Satelliten-Verbreitung und Vermarktungssynergien haben sich leider nicht erfüllt." rp
Das Interview mit Stan Sugarman und seinem Stellvertreter Guido Modenbach lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 37/2008, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
- Digital 8. September 2008: G+J EMS übernimmt im Oktober die Vermarktung von FTD.de
- Medien 8. September 2008: "SZ" und "Stern" wetteifern mit neuen Titeln um junge Eltern
- Medien 5. September 2008: G+J verpasst dem Lufthansa-Frauenmagazin ein Facelift
- Medien 4. September 2008: G+J nimmt "Ebay-Magazin" aus dem Einzelverkauf / Ebay kauft Gesamtauflage
- Medien 29. August 2008: Gruner + Jahr will sinkenden Umsatz durch Zukäufe auffangen
- Medien 21. August 2008: G+J bietet um Fachzeitschriften von Reed Elsevier mit
- Medienhäuser: Gruner + Jahr AG
Mike Schwede sagte am 10.09.2008 um 18:38
Gegen den Strom?
Die Schweizer Verlagsbranche möchte mehr Transparenz in den Media-Markt bringen (http://www.schweizerpresse.ch/?id=290), Kickbacks werden immer mehr abgeschafft, resp. werden als Gesetzeswidrig verfolgt und G&J schwimmt gegen den Strom? Interessante Strategie. Da darf man gespannt sein.Weitere Nachrichten aus Medien vom 10.09.2008:
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